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Friday, September 18, 2026

EU-Verpackungsverordnung - für kleine Händler ein "bürokratisches Monster"?

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Ein Hundebody wird verpackt.

Kritik an EU-Verpackungsverordnung "Vergessen, dass es nicht nur Amazon und Co. gibt"

Stand: 18.09.2026 • 10:03 Uhr

Mit einer Verordnung will die EU für weniger Verpackungsmüll und mehr Recycling sorgen. Doch sie trifft damit nicht nur Online-Riesen wie Amazon, sondern auch kleine Händlerinnen und Händler.

Von Ruth Schirra und Tim Kukral, SWR

In ihrem "Eine-Frau-Unternehmen" macht Sylvia Seckler alles: nähen, verpacken, verschicken - und Verordnungen lesen. So war es zumindest in diesem Jahr. Seckler befasste sich intensiv mit der EU-Verpackungsverordnung, wochenlang, wie sie sagt. Am Ende stand ein für sie bitterer Entschluss. Sie stellt den Versand ihrer Produkte ins EU-Ausland komplett ein.

Dabei gelte für sie eigentlich, "jedes Paket zählt". In ihrem Heimatort, der kleinen schwäbischen Gemeinde Unterschneidheim, näht sie von Hand Hosen für inkontinente oder läufige Hündinnen und Bodys für Hunde, die frisch operiert wurden und nicht an ihren OP-Narben knabbern sollen. "Das Ziel ist, davon leben zu können", sagt sie. Nebenher arbeitet sie noch in einem Hotel, doch das Geschäft mit den Hundebodys lief für sie von Jahr zu Jahr besser.

In jedem Land registrieren und Bevollmächtigte bezahlen

Dann kam die EU-Verpackungsverordnung, die seit dem 12. August greift. Seckler sagt: "Damit hat die EU den europäischen Binnenmarkt für kleine Händler im Grunde unmöglich gemacht." Die Verordnung schreibt vor, dass sich Händler in jedem EU-Land, in dem sie Handel treiben, registrieren und einen oder eine Bevollmächtigte benennen. Die EU will so gewährleisten, dass die Verpackungen von Händlern wie Seckler im Zielland recycelt werden.

Jedes Land hat wiederum eigene Vorgaben. Die Bevollmächtigten müssen von den Unternehmen bezahlt werden, die Kosten unterscheiden sich. Im Schnitt wären es für sie pro Land mehrere hundert Euro, sagt Seckler. Aufwand und Ertrag stünden für sie in keinem Verhältnis. Und so heißt es seit dem 12. August auf ihrer Website: "Aufgrund der derzeitigen europäischen Verpackungseinfuhrbestimmungen ist uns der Versand in EU-Mitgliedsstaaten außerhalb Deutschlands aktuell nicht möglich."

Kleine Firmen und Handwerksbetriebe nicht bedacht

So wie Seckler gibt es in Deutschland viele kleine Händlerinnen, oft sind es Frauen. Doch die EU hatte bei ihrer Verordnung Menschen wie sie nicht auf dem Zettel. "Man hat nicht daran gedacht, dass es nicht nur Amazon und Co. auf dieser Welt gibt, sondern eben auch solche kleinen Handwerksbetriebe", sagt der deutsche EU-Abgeordnete Michael Bloss (Grüne), der 2024 im Europaparlament für die Verpackungsrichtlinie gestimmt hat.

Das Ziel, dass Verpackungsmüll besser nachverfolgt, öfter recycelt und letztlich auch reduziert wird, findet er nach wie vor richtig. "Die meisten Verpackungen werden mit Öl hergestellt", sagt Bloss. "Das ist schlecht fürs Klima." Außerdem würden Verpackungen eben oft nicht wiederverwertet, sondern vermüllten vielerorts die Umgebung. "Wenn man im Urlaub an den Stränden ist, sieht man, wie überall Plastikmüll angeschwemmt wird."

Innerhalb der EU entstanden 2023 knapp 80 Millionen Tonnen an Verpackungsmüll, das sind 178 Kilogramm pro Einwohner. Deutschland liegt mit 215 Kilogramm pro Kopf über dem Durchschnitt.

Lieferungen ins Nicht-EU-Ausland sind unkomplizierter

Bloss ist überzeugt, dass sich die Verpackungsverordnung insgesamt positiv auf Umwelt und Klima auswirken wird. "Allerdings ist es nicht richtig, dass wir damit auch Kleinstunternehmen belasten", sagt er. Darüber herrsche im EU-Parlament Einigkeit. Diskutiert werde allerdings noch, ab welcher Größe Unternehmen künftig von der Verordnung erfasst werden sollen. Demnächst will das EU-Parlament über Ausnahmen von der Verordnung verhandeln. Bloss drängt mit Blick auf die Kleinunternehmen auf eine "schnelle Lösung".

Auf die hofft auch Sylvia Seckler. Zwar teile sie die Ziele der Verordnung: weniger Verpackungen, mehr Recycling. Aber die aktuelle Regelung sei ein "bürokratisches Monster", sagt sie. Es sei absurd, dass Lieferungen in andere EU-Länder derzeit wesentlich komplizierter sind als in Nicht-EU-Länder. Doch solange das so ist, hat man bei der Bestellung ihrer Textilwaren bei der Eingabe des Lieferziels nur zwei Optionen: Deutschland und die Schweiz.

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