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Wednesday, September 23, 2026

München, Berlin, Köln-Rhein-Ruhr - die drei Olympiakandidaten für Deutschland

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Deutschland möchte in näherer Zukunft wieder Ausrichter von Olympischen Spielen werden.

Am Samstag wird bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) darüber abgestimmt, mit welcher Stadt oder Region man als Gastgeberin für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen einsteigt.

Zur Auswahl stehen dabei drei Bewerbungen: Berlin, München, und die Region Köln-Rhein/Ruhr.

München - Zustimmung aus Politik und Bevölkerung

Das Motto der Münchener Olympiabewerbung lautet "Für Spiele mit Herz und Seele". Das Konzept setzt auf Nachhaltigkeit und kurze Wege, mit dem Olympiapark von 1972 als Herzstück. Rund 90 Prozent der Wettkampfstätten liegen laut Bewerbung weniger als 30 Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt.

Die meisten Sportanlagen existieren bereits, bis auf wenige Projekte soll es keine Neubauten geben. Ergänzend kommen temporäre Wettkampfstätten an markanten Orten der Stadt wie dem Odeonsplatz, dem Nymphenburger Schloss oder dem Englischen Garten hinzu.

Weitere Pluspunkte neben der vorhandenen Infrastruktur, sind die Erfahrung Münchens mit der Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen und das olympische Erbe von 1972. Die Organisatoren möchten ein Gegenmodell zu kostenintensiven Olympia-Projekten der Vergangenheit bieten.

München Oberbürgermeister Dominik Krause und Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl posieren vor dem Olympia-Maskottchen Dackel Waldi am Nymphenburger Schloss
Münchens Bewerbung lässt die Spiele von 1972 wieder aufleben - auch mit dem Maskottchen, Dackel "Waldi"Bild: Frank Hoermann/SvenSimon/picture alliance

Die Politik steht in München hinter der Bewerbung. "In München haben wir die perfekten Bedingungen, um Gastgeber Olympischer und Paralympischer Sommerspiele zu sein", wird Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause auf dem offiziellen Stadtportal "muenchen.de" zitiert.

"Die Ausrichtung Olympischer Spiele in München wäre eine Investition in die Zukunft, nicht nur wegen des hohen gesellschaftlichen Wertes, sondern auch aufgrund der damit verbundenen Beschleunigung von wichtigen Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprojekten. München ist bereit für Olympia!"

Und auch die Münchener Bevölkerung scheint die Spiele zu wollen. Bei einem Bürgerentscheid gaben etwas mehr als 305.000 Einwohner ihre Stimme ab und 66,4 Prozent stimmten für eine Olympiabewerbung.

Berlin - Gegenwind und schwierige Historie

Das sieht in Deutschlands Hauptstadt anders aus. Dort gibt es für die Bewerbung mit dem Slogan "Berlin+" deutlich mehr Gegenwind als bei der Münchener Kandidatur.

Elif Eralp, die Berliner Vorsitzende der Partei "Die Linke", die bei der gerade erfolgten Landtagswahl als stärkste Kraft abschnitt und möglicherweise neue Regierende Bürgermeisterin wird, kritisierte die Olympia-Pläne als "Steuergeld-Verschwendung" und ergänzte: "Ich sehe keinen Vorteil für Berlin." Auch die Grünen, ein möglicher Koalitionspartner Eralps, lehnt eine Olympiabewerbung ab.

Zehnkämpfer Leo Neugebauer beim 1.500-Meter-Lauf im Berliner Olympiastadion während des ISTAF 2026
Berlins Olympiastadion von 1936, mittlerweile eine moderne Leichtathletik-Arena, soll erneut Herzstück der Spiele werdenBild: Andreas Gora/dpa/picture alliance

Für zusätzliche Debatten sorgt das mögliche Austragungsjahr 2036. Kritiker verweisen auf die Olympischen Spiele von 1936 in Berlin, die vom NS-Regime um Adolf Hitler als Propagandaveranstaltung missbraucht wurden. Befürworter argumentieren dagegen, ein Olympia 2036 könne gerade die Werte eines demokratischen und weltoffenen Deutschlands sichtbar machen.

Inhaltlich setzt das Konzept auf die internationale Strahlkraft der Hauptstadt und die Einbindung der ostdeutschen Bundesländer Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, wo ebenfalls Wettbewerbe stattfinden sollen. Als Stärke gilt die weltweite Bekanntheit Berlins und der gesamtdeutsche Charakter der Bewerbung.

Auch die Berliner wollen zum überwiegenden Großteil bestehende Sportstätten nutzen. "97 Prozent der benötigten Sportstätten sind schon vorhanden. Bis auf eine privat finanzierte Arena müssen wir keine neue Wettkampfstätte bauen", sagte Berlins Olympiabeauftragter Kaweh Niroomand in einem Interview mit der Tageszeitung "Welt". "Die Spiele sollen zu Berlin passen - nicht Berlin zu den Spielen."

Köln-Rhein-Ruhr - Nachhaltigkeit auf großer Fläche

Anders als bei den Metropolen München und Berlin erstreckt sich die dritte Kandidatur auf eine ganze Region, mit vielen, teilweise weit verstreut liegenden Austragungsorten. Das Konzept bündelt insgesamt 15 Städte im Bundesland Nordrhein-Westfalen, mit Köln als "Leading City" und Standort des Olympischen Dorfs sowie eines temporären Leichtathletikstadions.

Die Organisatoren werben mit 100 Prozent vorhandenen oder temporären Sportstätten, großer Sportbegeisterung und einer Zustimmung von 66 Prozent bei Bürgerentscheiden in den beteiligten Kommunen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst spricht von den "kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spielen".

Blick in die leere Arena auf Schalke
Spektakuläre Kulisse: Die Fußball-Arena auf Schalke soll für Olympia in ein Schwimm-Stadion mit 60.000 Zuschauern umgewandelt werdenBild: Marcus Hirnschal/osnapix/picture alliance

Als Stärke gilt neben der Nachhaltigkeit die dichte Sportinfrastruktur der Rhein-Ruhr-Region. Als möglicher Nachteil wird dagegen gesehen, dass sich die Wettbewerbe auf viele Städte verteilen und damit weniger ein gemeinsames olympisches Zentrum entsteht als in München oder Berlin. Eine solche Zersiedelung hatte zuletzt bei den Winterspielen in Mailand und Cortina für Kritik bei den Aktiven gesorgt.

Hinzu kommt, dass sich Athleten und Zuschauer durch eine am stärksten vom Verkehr belastete Region Deutschlands bewegen müssten. Schon jetzt sind die Autobahnen hier täglich mit Staus verstopft, viele Züge fahren nur verspätet oder fallen teilweise ganz aus.

144 Stimmen - München leichter Favorit 

Insgesamt gibt es bei der Wahl am Samstag 144 Stimmen zu gewinnen. Abstimmungsberechtigt sind die 42 olympischen Sportverbände Deutschlands - auch die aus dem Wintersport - dazu das zehnköpfige DOSB-Präsidium und acht persönliche Mitglieder des DOSB. Die Fachverbände haben jeweils drei Stimmen, die allerdings nicht aufgeteilt abgegeben werden dürfen, sondern nur im Block für einen der drei Kandidaten.

Gewinner ist, wer die absolute Mehrheit der Stimmen hinter sich vereint. Gelingt dies im ersten Wahlgang keinem der drei Bewerber, scheidet der Kandidat mit der geringsten Zustimmung aus. Eine Entscheidung fällt somit spätestens nach zwei Wahlgängen. Das Endergebnis wird dann von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündet. 

Als leichter Favorit geht München ins Rennen. Im abschließenden Bericht einer DOSB-Evaluierungskommission liegt die Münchener Bewerbung mit 87,03 von 100 möglichen Punkten knapp vor Köln-Rhein-Ruhr (85,02) und klar vor Berlin (74,64).

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