Britischer Premier bietet Merz Kampfjet-Zusammenarbeit an
Der britische Premierminister Andy Burnham hat Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Antrittsbesuch in Deutschland überraschend die gemeinsame Entwicklung eines neuen Kampfjets angeboten. Konkret geht es um den Einstieg Deutschlands in das sogenannte Global Combat Air Programme (GCAP), an dem auch schon Japan und Italien beteiligt sind.
Burnham: Merz "signalisiert Offenheit" für Kooperation
Er habe seine "Offenheit signalisiert, dass sich Deutschland an GCAP, dem Kampfflugzeug der nächsten Generation, beteiligen kann", sagte Burnham bei seinem Treffen mit Merz im Kanzleramt.
GCAP ist ein geplanter neuer Tarnkappen-Bomber, an dem sich Großbritannien, Italien und Japan beteiligen. Er soll die japanischen F-2-Kampfflugzeuge sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen.
GCAP gilt als vergleichbares internationales Großvorhaben zum gescheiterten Kampfjet-Projekt FCAS zwischen Deutschland und Frankreich. Beide Länder hatten im Juni - nach jahrelangen Vorbereitungen - die Pläne für den Bau eines gemeinsamen Kampfjets gestoppt. Beide Seiten konnten sich nicht auf die Konditionen einigen.
Seitdem läuft die Suche nach einer Alternative. Bisher galt eine Kooperation des Airbus-Konzerns mit Schweden und dem Rüstungsunternehmen Saab als wahrscheinlichste Variante.
Quelle: AFP, dpa
Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die Verteidigungsminister seien mit der Prüfung einer Kooperation beauftragt worden. "Es ist ein erster kleiner Schritt auf dem deutschen Weg, eine neue Kooperation in diesem Bereich nun zu suchen und eventuell zu finden." Man sei jedoch in einem "sehr frühen Stadium der Neuevaluierung der Optionen".
Deutschland und Frankreich stoppen ihr gemeinsames Kampfjet-Projekt FCAS nach Streit um Anforderungen und Führungsrollen. Künftig seien Rüstungskooperationen trotzdem möglich.
08.06.2026 | 1:58 minDas deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS war im Sommer gescheitert, weil sich beide Seiten nicht auf die Konditionen einigen konnten.
Freundschaftsvertrag umfasst auch Verteidigungsprogramm
Die Verteidigungskooperation ist Teil des neuen deutsch-britischen Freundschaftsvertrags, den Merz und Burnham mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden im Kanzleramt in Kraft setzten. Er war bereits im Juli 2025 beim Antrittsbesuch des Kanzlers in London unterzeichnet worden.
Der 27 Seiten starke Freundschaftsvertrag wird auch Kensington-Vertrag genannt - nach dem Unterzeichnungsort, dem Londoner Stadtteil Kensington. Der Vertrag wird von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert.
Der Freundschaftsvertrag zwischen Großbritannien und Deutschland startete schon 2025. "Das ist ein historischer Tag", sagte Merz damals.
17.07.2025 | 3:02 minDamit soll auch die Zusammenarbeit in der Wirtschaftspolitik, bei der Eindämmung irregulärer Migration und der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität vertieft werden. Es sind aber auch konkrete Reiseerleichterungen wie Visafreiheit für Klassenfahrten von Schülergruppen geplant sowie eine direkte Bahnverbindung zwischen beiden Ländern.
Merz: Neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit
Merz sprach von einem historischen Tag.
Dieser Vertrag eröffnet Großbritannien und Deutschland neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit.
Bundeskanzler Friedrich Merz
"Nachdem Großbritannien die Europäische Union leider verlassen hat, machen wir jetzt wenigstens bilateral einen Vertrag." Burnham stimmte zu: In herausfordernden Zeiten "brauchen wir eine Zusammenarbeit von höchster Güte mit unseren engsten Partnern".
Deutschland ist in der Tat einer unserer engsten Partner.
Andy Burnham, britischer Premierminister
Der Kensington-Vertrag werde die Sicherheit in Europa verbessern, die Wirtschaften beider Länder wachsen lassen und den Lebensstandard der Bevölkerung erhöhen.
Großbritannien wird zum wichtigsten ausländischen Investor in Deutschland. Vor allem Übernahmen treiben die Zahlen.
31.08.2026 | 1:12 minBurnham: Hybriden Bedrohungen "gemeinsam begegnen"
Konkret vereinbarten beide Länder eine stärkere Zusammenarbeit bei der Abwehr hybrider Bedrohungen - also Angriffen über das Internet, Sabotage von Infrastruktur, Desinformation oder auch Drohnen-Attacken. Sowohl Deutschland als auch Großbritannien seien damit konfrontiert "und es ist sinnvoll, diesen Bedrohungen gemeinsam zu begegnen" und sich gegenseitig bei ihrer Abwehr zu unterstützen.
Brandanschläge, Sabotage und Einflusskampagnen - wie Russland versucht Europa, und dadurch auch die Ukraine, zu schwächen.
30.09.2026 | 28:15 minBeide Nationen wollten durch Informationsaustausch und die Koordinierung bei Überwachung, Abschreckung und Unterbindung von Bedrohungen "feindliche Akteure" schwächen.
Als erster britischer Premier seit dem Brexit hatte Burnham in den vergangenen Wochen zudem konkret von der Möglichkeit zur Rückkehr in die EU gesprochen. Der Weg dahin wäre auch bei einer Entscheidung für entsprechende Gespräche weit, die deutsche Haltung dazu in Brüssel aber wichtig.
Andy Burnham muss die Labour-Partei von sich überzeugen. Bei seiner ersten Rede als Premier versprach er viel - sowohl innen als auch außenpolitisch.
25.09.2026 | 2:14 minQuelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichteten die ZDF heute-Nachrichten am 08.10.2026 ab 17:00 Uhr.
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