Sturzflut in Nepal und Tibet: Zahl der Toten steigt auf über 670
Sturzflut in Nepal und Tibet Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
Stand: 29.08.2026 • 11:31 Uhr
Nach der Sturzflut in Nepal und Tibet suchen Rettungskräfte noch immer nach 2.500 Vermissten. Die Zahl der Toten liegt inzwischen über 600. Doch es gibt bei den Einsätzen auch positive Nachrichten.
Der Anblick von blauen Leichensäcken wird häufiger, je weiter die Rettungs- und Bergungsarbeiten im Katastrophengebiet fortschreiten. Viele Menschen suchen verzweifelt auf den Listen, die an den Krisenzentren aushängen, nach den Namen ihrer Angehörigen - wer dort steht, wurde gerettet.
"Meine Familie steht nicht drauf", sagt Rani Gupta. Sie hat die Listen vergeblich durchgeschaut, erzählt sie einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters.
"Sie haben sogar Fotos aufgehängt, aber wir wissen nichts. Es sind schon drei Tage vergangen, und es gibt keine Neuigkeiten über irgendeines meiner Familienmitglieder", sagt sie. "Wann werde ich sie wiedersehen? Es ist niemand mehr da, ich bin jetzt die Einzige hier. Ich weiß nicht, wohin ich gehen oder was ich tun soll."
Armee fliegt unaufhörlich Hilfsgüter
Die Lage ist weiterhin unübersichtlich, da viele der abgelegenen Regionen in den Bergen komplett abgeschnitten sind, ohne Kommunikation, ohne Strom. Sie sind nur per Helikopter zu erreichen. Die nepalesische Armee fliegt unaufhörlich Hilfsgüter dorthin, wo keine Straßen mehr hinführen - die Sturzflut vom Mittwoch hat Wege und Brücken zerstört. Gleichzeitig bringen sie Gerettete per Hubschrauber in die Notlager oder weiter nach Kathmandu in die Krankenhäuser der Hauptstadt.
Während dieser Teil der Rettungsarbeiten von Nepal allein koordiniert und bewältigt wird, benötigt das Land spezialisierte ausländische Hilfe bei der Bergung aus Tunneln, beim Transport und bei der Identifizierung und Lagerung von Leichen. Das sagte der Außenminister der Nachrichtenagentur Reuters. Allein 900 Mitarbeitende der Wasserkraftwerke werden vermisst, viele von ihnen in Tunneln.
Schlamm erschwert die Rettungsarbeiten
Der Schlamm, den die Sturzflut mit sich gebracht hat, erschwert die Rettungsarbeiten weiter. Mit Baggern und Räumfahrzeugen kämpfen sich Helfer und Soldaten vor. Oder sie kriechen auf allen Vieren über den Schlick zu Menschen in Tunneln, arbeiten sich vorsichtig vor und ziehen sie heraus.
Neue Satellitenaufnahmen vor und nach der Sturzflut vom Mittwoch verdeutlichen das Ausmaß der Zerstörung: Wasserkraftwerke, große Industrieareale, Dörfer am Fluss, Siedlungen mit vielen rot- oder blaugedeckten Häusern sind auf Aufnahmen aus dem vergangenen Monat noch zu sehen. Aktuelle Bilder zeigen nur Schlamm, Geröll und Wasser über eine Breite von mehreren hundert Metern.
Ich hatte die Hoffnung völlig aufgegeben - weil ich meine Kinder verloren hatte. Ich dachte, mein Leben hätte keinen Sinn mehr.
Verletzt, aber immerhin gefunden
Matti Maya Tamang hat überlebt und beschreibt, wie sie verzweifelt nach ihren beiden Kindern gesucht hat. Sie sei durch einen Dschungel gelaufen, voller Blutegel, habe Flüsse überquert. Dann habe sie die Kinder endlich gefunden - verletzt und voller Schrammen, aber immerhin gefunden.
"Mein älterer Sohn ist schwer verletzt, sein Bein ist gebrochen. Man konnte ihn hier in Battar nicht behandeln, deshalb wurde er in das Unfallkrankenhaus in Kathmandu gebracht, wurde mir gesagt", erzählt sie. "Ich frage mich: Wann werde ich ihn endlich wiedersehen?"
Matti Maya Tamang hat ihren Sohn wiedergesehen. Noch gibt es Geschichten voller Hoffnung.
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