Microsoft stellt Agentic Windows Desktop und neue Hardware vor
Am Mittwochabend mitteleuropäischer Sommerzeit hat Microsoft neue Hardware vorgestellt, die potent genug für das um mehr KI-Funktionen erweiterte Windows 11 ist. Der agentische Desktop unter Windows rückt in greifbare Nähe. Die Microsoft Execution Container sind ab sofort allgemein verfügbar und verlassen die Insider-Testphase.
Microsoft-Chef Satya Nadella führte in die Veranstaltung „Windows and Surface October 2026 News“ ein und erklärte, dass Microsoft am „Frontier Ecosystem“ baue. Es stütze sich auf drei Säulen: Vertrauen, Intelligenz und KI im Fluss des menschlichen Ehrgeizes. Das sollen Agent 365, Microsoft IQ und Copilot abdecken.
Agentisches Windows
Windows soll eine sichere agentische Plattform werden, wie der Windows-Chef Pavan Davuluri im Anschluss erklärte. Dazu überführt Microsoft die im Juni zur Build 2026 vorgestellten Microsoft Execution Container (MXC) aus der Vorschau in die allgemeine Verfügbarkeit unter Windows 11. Die liefern die Sandbox für Agenten und sollen für Vertrauen sorgen. Agents sollen zudem als eigene User laufen und eigene Zugriffsbeschränkungen erhalten; die dafür nötige Integration von Microsoft Entra soll in Kürze folgen. Als Beispiel nennt Microsoft, dass User etwa auf SharePoint-Inhalte zugreifen können, die Agents in ihrem eigenen Konto den Zugriff darauf jedoch verweigert bekommen. Hinter Agent 365 verbirgt sich die zentrale Verwaltung agentischer Aktionen in Organisationen.
Ein weiterer neuer Begriff ist die „hybride Intelligenz“. Sie soll helfen, KI-Token effizient zu nutzen, indem lokale KI mit Cloud-KI Hand in Hand arbeitet. Passende Geräte kommen unter anderem von Asus, Dell, HP, Lenovo und MSI.
Günstigere lokale KI
Einige KI-Modelle sind auf Niveau der Frontier-Modelle unterwegs, konnten aber für lokale Ausführung geschrumpft werden. Microsofts eigenes MAI Code 1.1 Flash etwa liegt mit Quantisierung von 3 Bit vor, was die Größe um 80 Prozent auf 53 GByte eindampft; das Modell unterstützt Kontextfenster bis zu 256.000 Token. Nvidia hat ein Nemotron-Modell auf 2 Bit quantisiert, es läuft bereits mit 20 GByte RAM. DeepSeek V4 Flash kann mit 1,6-Bit-Quantisierung und 60 GByte RAM Aufgaben lösen, führte Pavan Davuluri weiter aus. Diese Modelle sollen lokal auf der Nvidia-RTX-Spark-Hardware laufen.
Eine Vorführung zeigte auf einem Entwickler-Notebook, wie die lokale KI Programmieraufgaben wie Code-Refaktorierung ausführte. Das wurde dann um Rechercheaufgaben und das Starten lokaler Agenten zur Umsetzung der Aufgaben ergänzt. Das HydraFusion-Developer-Tool, das GitHub Anfang September vorgestellt hat, wählt das passende KI-Modell für eine Aufgabe in der Cloud. Bis Ende Oktober soll GitHub Copilot unter Windows so erweitert werden, dass HydraFusion auch auf lokal laufende Modelle zugreifen kann, was die Token-Nutzung effizienter mache: Die Entwicklungsumgebung in der Demonstration zeigte deutlich über eine Million lokal verbrauchte Token an und lediglich einige Tausend extern eingekaufte.
Die Windows-ML-Runtime kann KI-Modelle über GPUs, NPUs und CPUs verteilen. Jetzt hat Microsoft Unterstützung für llama.cpp ergänzt, was Entwicklern die Auswahl weiterer Open-Source-Modelle eröffnet. Außerdem ermöglicht das zeitnahe Experimente mit neuen Modellen, sobald diese verfügbar werden. Auch Copilot lernt hybride Intelligenz: Nach Freigabe durch die Nutzer soll er lokale Inhalte auf dem PC verstehen, Aufgaben wie das Ordnen von Dateien oder das Lösen von Problemen lokal ausführen und dafür auch auf lokale KI-Modelle zugreifen können.
Copilot macht jeden zum Profi
Copilot Home soll den lokalen Kontext auf dem PC nutzen und beispielsweise Dateien zusammensuchen, an denen die Nutzer gearbeitet haben, und diese so aufbereiten, dass sie an andere zur Zusammenarbeit gehen können. Copilot Code setzt auf hybride Intelligenz, um etwa auf einen Prompt hin native Windows-Apps zu bauen und Code sicher in den MXC-Containern laufen zu lassen. Wer auf lokale KI-Modelle zurückgreift, behält so die Token-Kosten im Griff.
Der bereits Ende September angekündigte Autopilot soll bei längerfristigen Aufgaben aushelfen. Als Beispiel nannte Microsoft auf der Veranstaltung das Zusammensammeln steuerrelevanter Dokumenten aus dem E-Mail-Eingang und von lokalen Laufwerken, deren Sammlung in einem Verzeichnis, das Zusammenschnüren in eine Zip-Datei – und dann das Schreiben einer E-Mail an den Steuerberater mit einigen Informationen, den Daten im Anhang, sodass der oder die Nutzer nur noch auf „Absenden“ klicken müssen. Copilot+-PCs sollen diese drei Funktionen in den kommenden Monaten erhalten.
Neue Hardware
Microsoft hat auch diverse neue Laptops, Rechner und Server vorgestellt, die bereits seit einiger Zeit bekannt sind. Jetzt lassen sich erste Geräte tatsächlich kaufen. Kollege Florian Müssig stellt sie in einer eigenen Meldung näher vor.
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