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Monday, September 28, 2026

«Sterbe lieber einmal richtig»: Christiane gegen Magen-Entfernung

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  • Vier Frauen aus der Schweiz berichten, wie sie mit dem Wissen über ihre genetische Krebsveranlagung leben.
  • Trägerinnen einer BRCA-Mutation haben ein Risiko von 55 bis 70 Prozent für Brustkrebs – präventive Operationen können das Risiko um rund 90 Prozent senken.
  • Während sich manche Frauen für eine Mastektomie entschieden haben, zögern andere noch – aus Angst vor dem Test und seinen Konsequenzen.

Ein Anruf, ein Bluttest, ein Resultat – und plötzlich kann die Angst vor Krebs Realität werden. Wer eine Genmutation wie BRCA1 oder BRCA2 trägt, hat ein erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Für viele beginnt mit einem positiven Test ein Leben mit schwierigen Entscheidungen. Schon vor dem Test stellt sich die Frage: Will ich überhaupt wissen, dass ich ein erhöhtes Krebsrisiko habe?

Zahlreiche Frauen aus der 20-Minuten-Community leben mit diesem Wissen. Manche haben sich präventiv operieren lassen, andere stehen vor diesem Entscheid oder haben gerade erst erfahren, dass sie betroffen sind. Vier Frauen erzählen, wie sie damit leben.

«Ich bin Mutter und will noch leben»

J. (49) war 23, als ihre Mutter an Brustkrebs erkrankte und von ihrer BRCA-Mutation erfuhr. Damit war klar: Auch J. könnte die Genmutation geerbt haben. «Meine Mutter hatte Schuldgefühle, weil sie uns mit solchen Sorgen belastete. Aber natürlich konnte sie nichts dafür.»

Sie entschied sich zunächst gegen einen Gentest: «Ich war noch jung und wollte unbeschwert leben.» Zudem habe sie gehört, ein bekanntes Krebsrisiko könne etwa Versicherungen oder einen Wohnungskauf erschweren. Erst als sie mit 37 selbst Mutter wurde, änderte sich ihre Haltung. Ihre eigene Mutter war damals früh gestorben. «Ich wollte möglichst lange für mein Kind da sein. Also liess ich mich testen.» Das Resultat: Auch J. trägt die Mutation.

Als J. mit 37 Jahren Mutter wurde, änderte sich ihre Haltung und sie liess sich testen.

Als J. mit 37 Jahren Mutter wurde, änderte sich ihre Haltung und sie liess sich testen.privat

Nach Gesprächen mit mehreren Ärzten liess sie vorsorglich ihre Brüste und später die Eierstöcke entfernen. «Es war schwer, aber auch eine Erleichterung.» Heute kennt J. mehrere Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Wenn sie sehe, was diese durchmachen müssten, fühle sie sich privilegiert: «Wenigstens konnte ich selbst entscheiden.»

So viele Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs

Laut Krebsliga Schweiz erhalten jährlich rund 6800 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Bei fünf bis zehn Prozent ist eine erbliche Genmutation die Ursache. Bei Eierstockkrebs liegt dieser Anteil bei rund 20 Prozent.

Auch Männer können Träger sein

Zu den bekanntesten Genmutationen gehören BRCA1 und BRCA2. Sie werden unabhängig vom Geschlecht vererbt und kommen bei Frauen und Männern gleich häufig vor. Bei Frauen erhöhen sie insbesondere das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Rund 55 bis 70 Prozent der Mutationsträgerinnen erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, rund 40 bis 60 Prozent an Eierstockkrebs.

Auch Männer mit einer BRCA-Mutation haben ein erhöhtes Risiko für Brust- und Prostatakrebs. Schätzungen zufolge erkranken bis zu 60 Prozent der Männer mit einer BRCA2-Mutation im Laufe ihres Lebens an Prostatakrebs.

Brustkrebs während der Schwangerschaft

Corina (39) war damals 34 und in der 32. Schwangerschaftswoche, als sie die Diagnose Brustkrebs erhielt. Noch während der Schwangerschaft erhielt sie zwei Chemotherapien, später waren es insgesamt 16. «Ich musste mich einfach reingeben und hoffen, dass alles gut läuft.» Ihr Sohn kam zwischen der zweiten und dritten Chemotherapie zur Welt.

Heute ist Corina krebsfrei. Weil sie so jung erkrankte, wurde ihr eine genetische Beratung empfohlen. Der Test zeigte: Sie trägt die BRCA2-Mutation – obwohl zunächst keine Fälle in ihrer Familie bekannt waren. Bei den nachfolgenden Untersuchungen wurde die Mutation väterlicherseits festgestellt. «Natürlich wünscht man sich das nicht», sagt sie. Trotzdem half ihr das Resultat. «Man fragt sich oft: Warum ich? Was habe ich gemacht?» Die Genmutation gab ihr zumindest eine Erklärung. Nach einer Mastektomie wurde Corina aufgrund ihrer BRCA2-Mutation auch die vorsorgliche Entfernung der Eierstöcke empfohlen – ein Schritt, den sie nun angehen wird. «Es ist unschön. Aber vorsorgen zu können, ist super.»

Das bedeutet eine BRCA-Mutation

Wie Dr. med. Salome Riniker vom Tumor & BrustZentrum Ostschweiz auf Anfrage erklärt, unterscheiden sich die beiden Genmutationen BRCA1 und BRCA2 hinsichtlich des Krebsrisikos. Eine BRCA1-Mutation sei insbesondere mit einem höheren und früher einsetzenden Eierstockkrebsrisiko sowie häufiger mit aggressiveren Brustkrebsformen verbunden. Für Eierstockkrebs gebe es keine zuverlässige Früherkennungsmethode. Die Erkrankung werde häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt – also dann, wenn der Krebs bereits ins Bauchfell gestreut hat. «In diesen Stadien (III und IV) ist die Prognose deutlich schlechter als in den Frühstadien. Viele Frauen sterben im Verlauf an Eierstockkrebs.»

Vorsorgemassnahmen können Risiko deutlich senken

Bei BRCA-Trägerinnen kann deshalb eine risikoreduzierende Entfernung der Eierstöcke und Eileiter empfohlen werden – bei BRCA1 in der Regel früher als bei BRCA2.

Wie Riniker erklärt, lässt sich das Brustkrebsrisiko durch eine beidseitige Mastektomie deutlich senken – um etwa 90 Prozent. «Es bleibt ein Restrisiko von wenigen Prozent (ca. 5 Prozent) bestehen, da im Bereich der Haut weitere Brustgewebszellen verbleiben. Dieses Restrisiko ist aber deutlich geringer als das generelle Brustkrebsrisiko für die Durchschnittsfrau von 12 Prozent.»

50 Prozent Wahrscheinlichkeit für Magenkrebs

Christiane (53) wurde negativ auf BRCA getestet. Dafür wurde bei ihr die Genmutation CDH1 entdeckt, die das Risiko für Brust- und Magenkrebs erhöht. Ihre Mutter starb an Brustkrebs, ihre Schwester an Magenkrebs. Ihr eigenes Risiko sei «extrem hoch», sagt Christiane: «Mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent bekomme ich Brustkrebs, mit 50 Prozent Magenkrebs.»

«Lieber einmal richtig sterben als jeden Tag ein bisschen»

Christiane (53)

Um ihr Risiko zu senken, empfahlen ihr Ärzte, beide Brüste und den Magen entfernen zu lassen. Christiane entschied sich dagegen. Vor allem eine Entfernung des Magens kommt für sie nicht infrage. «Lieber einmal richtig sterben als jeden Tag ein bisschen», sagt sie. «Wenn ich alles entfernen lassen würde, wo Krebs entstehen könnte, wäre ich nur noch eine Hülle.»

Stattdessen lässt sie sich engmaschig kontrollieren und achtet bewusster auf sich. «Nur weil ich das Gen habe, heisst das nicht, dass es ausbricht.»

Ärztin bestätigt: eine «sehr ungemütliche Mutation»

Riniker bestätigt, dass es sich bei der CDH1-Mutation um eine sehr «ungemütliche Mutation» handle. Bei Männern liege das Risiko für Magenkrebs demnach bei 37 bis 42 Prozent, bei Frauen bei 25 bis 33 Prozent. «Dieser Krebs ist schwierig früh erkennbar, weil er diffus wächst und auch leider eine schlechte Prognose hat.» Es gebe dabei zwei Möglichkeiten: «jährlich eine Magenspiegelung mit multiplen Biopsien durchzuführen und mit diesem Risiko zu leben» oder «eine prophylaktische Gastrektomie (Magenentfernung) durchführen zu lassen». Diese sei jedoch mit «erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität» verbunden.

«Ich habe Angst, mich testen zu lassen»

D. (38) steht vor genau diesem Entscheid. «Meine Mutter starb vor eineinhalb Jahren an Eierstockkrebs. Ich habe Angst vor dem Test.» Ob sie die Genmutation trägt, weiss sie nicht. Vor allem ein positives Resultat macht ihr Angst. «Dann müsste ich handeln und mir vielleicht Brüste und Eierstöcke entfernen lassen. Will ich das?»

Gleichzeitig fürchtet sie, eine Chance zu verpassen. «Was, wenn ich positiv bin, jetzt handeln könnte und es aus Angst nicht tue? Bereue ich es später?» Ob sie sich testen lassen wird, weiss sie noch nicht.

Wie würdest du mit einem positiven Gentest für ein erhöhtes Krebsrisiko umgehen?

Hast du oder hat jemand, den du kennst, die Diagnose Krebs erhalten?

Hier findest du Hilfe:

KrebsInfo der Krebsliga, Tel. 0800 11 88 11

Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

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