Ebola-Epidemie im Kongo: Die Suche nach den Anfängen
Der durch die Bundibugyo-Variante verursachte Ebola-Ausbruch wurde am 15. Mai dieses Jahres in der Demokratischen Republik Kongo offiziell gemeldet. Doch die ersten Infektionen dürften deutlich früher erfolgt sein.
Wie lange der Beginn der Epidemie tatsächlich zurückreicht - darüber wird noch diskutiert. Doch eines kann als gesichert gelten: Die kongolesischen Behörden haben nicht ideal reagiert. Mehrere internationale Organisationen haben Verzögerungen bei der ersten Reaktion hervorgehoben - und das in einem Land, das bereits seinen 17. Ebola-Ausbruch erlebt und bisher seine Fachkompetenz im Kampf gegen diese Krankheit hervorgehoben hatte.
Erste Warnung durch die WHO
Die Suche nach Daten führt zunächst zur Zeitleiste, die die Weltgesundheitsorganisation gemeinsam mit der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC rekonstruiert hat.
Wie die Organisationen feststellen, handelt es sich bei dem ersten (rückblickend identifizierten) Fall um eine Gesundheitsfachkraft aus Mongbwalu in der Provinz Ituri, die laut den zitierten Quellen um den 24. oder 25. April die für Ebola charakteristischen Symptome entwickelte. Die Person verstarb in einem medizinischen Zentrum in Bunia, der Hauptstadt von Ituri. Bis heute entfallen 80 Prozent der Gesamtfälle auf diese Provinz im Nordosten Kongos.
Erst am 5. Mai wird die WHO auf das Auftreten einer unbekannten Krankheit mit hoher Sterblichkeitsrate in Mongbwalu aufmerksam gemacht. Daraufhin gibt sie noch vor den kongolesischen Behörden eine Warnung heraus. Die Organisation erklärt, sie sei "über den Ausbruch einer unbekannten Krankheit mit hoher Sterblichkeitsrate im Gesundheitsbezirk Mongbwalu" informiert worden, an der auch medizinisches Fachpersonal gestorben sei.
Kinshasa reagiert
Wiederum zehn Tage später, am 15. Mai, bestätigen die vom Nationalen Institut für biomedizinische Forschung (INRB) in Kinshasa durchgeführten Untersuchungen die Präsenz des Ebola-Virus; genauer: der selteneren Bundibugyo-Variante. Daraufhin gibt die Regierung den 17. Ebola-Ausbruch in der DR Kongo bekannt.
Warum sich Ebola im Kongo weiter ausbreitet
Drei Tage später weist das Africa CDC auf die verspätete Reaktion der kongolesischen Behörden hin. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome beim mutmaßlichen Indexfall und dem Nachweis des Bundibugyo-Virus im Labor waren rund drei Wochen vergangen - und das, obwohl es sich bei dem Todesfall um eine Person aus dem Gesundheitswesen handelte.
"Diese erhebliche Verzögerung verdeutlicht, dass der klinische Verdacht bei den lokalen Gesundheitsfachkräften anfangs äußerst gering war, was eine größere geografische Ausbreitung vor Beginn der Eindämmungsmaßnahmen begünstigte", schließt das Africa CDC.
Laut Aussagen, die die DW gesammelt hat, haben die Einwohner von Mongbwalu jedoch bereits Ende April verdächtige Todesfälle gemeldet. Dieudonné Lossa Dekhana, der Provinzkoordinator der Zivilgesellschaft von Ituri, erklärt dazu: "Nach hohem Fieber wurden mehrere Todesfälle verzeichnet, und die Opfer wiesen häufig Blutspuren an verschiedenen Körperöffnungen auf."
Rotes Kreuz: "Allgemeine Angst" seit dem 30. März
Mehrere Anzeichen deuten darauf hin, dass die Krankheit sogar noch länger im Umlauf gewesen sein könnte.
In einem am 16. Mai 2026 vom Roten Kreuz der DR Kongo veröffentlichten Bericht heißt es: "Seit dem 30. März 2026 herrscht in der Bevölkerung des Gesundheitsbezirks Mongbwalu nach einer Reihe von Todesfällen allgemeine Angst." Auch hier stimmten die Symptome mit denen von Ebola überein: hohes Fieber, Brustschmerzen, starke Erschöpfung, anhaltender Husten, Nasenbluten, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, komatöser Zustand und schließlich der Tod.
Der Bericht des Roten Kreuzes fügt hinzu, dass der Auslöser der Leichnam eines Einwohners von Mongbwalu gewesen sein soll, "der in Bunia verstarb und in einen dort gekauften Sarg gelegt wurde, der dann in Mongbwalu durch einen anderen ersetzt wurde."
DR Kongo: Wie eine Krankenschwester gegen Ebola kämpft
Dass verschiedene Menschen so die Leiche und den kontaminierten Sarg berührten, soll die Ursache für eine alarmierend steigende Zahl von Infektionsfällen und Todesfällen sein, die daraufhin in Mongbwalu und in Bunia beobachtet wurden.
US-Forscher: Ausbruch im Februar plausibel
Anhand der öffentlich zugänglichen Daten lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass diese Todesfälle mit dem Bundibugyo-Virus in Zusammenhang standen. Sie belegen jedoch, dass vor Ort bereits mehr als sechs Wochen vor der offiziellen Ausrufung der Epidemie ein ungewöhnliches gesundheitliches Phänomen beobachtet wurde.
Im Zuge der Untersuchungen, die auf die Meldung am 15. Mai folgten, kam indes die Vermutung auf, dass das Virus bereits noch früher im Umlauf war. In einer am 11. Juni 2026 im US-amerikanischen "Morbidity and Mortality Weekly Report" (MMWR) veröffentlichten Studie hat ein Forscherteam des US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC) den anfänglichen Verlauf der Epidemie rekonstruiert.
Die Forscher haben verschiedene Szenarien für den Verlauf der Epidemie über einen Zeitraum von drei Monaten modelliert, wobei sie die kumulierte Zahl der Todesfälle sowie verschiedene Annahmen zu gesundheitspolitischen Maßnahmen zugrunde legten. Das Fazit ist eindeutig: Eine erste Übertragung von einem Tier auf einen Menschen (genannt "Spillover") zwischen Mitte und Ende Februar 2026 sei "plausibel", resümieren die Autorinnen. Mit einem erst Ende April eingetretenen Ausbruch lasse sich das Ausmaß, das die Epidemie zum Zeitpunkt der Studie bereits erreicht hatte, hingegen kaum vereinbaren.
WHO teilt Februar-Hypothese
Diese Hypothese deckt sich mit jüngsten Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation. Am 10. August erklärte Mohamed Janabi, Regionaldirektor der WHO für Afrika, die Genomsequenzierungsanalysen deuteten darauf hin, dass der Ausbruch wahrscheinlich "bereits im Februar 2026" begonnen habe.

Seiner Ansicht nach wurden mehrere frühzeitige Infektionen fälschlicherweise auf in der Region weitaus häufiger auftretende Krankheiten zurückgeführt, insbesondere auf Malaria und Typhus.
Ebenfalls im August bestätigte Mohamed Janabi im DW-Interview, dass es eine erhebliche Lücke bei der Erfassung der Fälle gebe. "Die Ebola-Situation ist katastrophal. In drei Monaten hatten wir nur zu einem Drittel der Erkrankten Zugang", erklärte er gegenüber der DW.
Könnte "Schweine-Ebola" Aufschluss geben?
Jules Villa, der sich am Pariser Institut Pasteur mit der Ethnologie und Ökologie von Krankheitsausbrüchen befasst, hat interessante Erkenntnisse aus früheren Ausbrüchen gewonnen. Seine Studie stützt sich auf lokale Berichte, die während früherer Ebola-Ausbrüche im Nordosten der DR Kongo gesammelt wurden. Demnach hatten im Vorfeld mindestens zweier früherer Ebola-Epidemien Viehzüchter, Tierärzte und Anwohner eine ungewöhnlich hohe Tiersterblichkeit gemeldet - noch bevor Infektionsfälle bei Menschen gemeldet wurden.
Im Jahr 2017 berichteten mehrere Zeugen insbesondere von dem, was sie als "Schweine-Ebola" bezeichneten - eine hohe Sterblichkeitsrate bei Schweinen, die schließlich auf die Schweinepest zurückgeführt wurde.
Der Forscher stellt keinen direkten Zusammenhang mit der Epidemie von 2026 her. Doch seine Erkenntnisse könnten hilfreich sein, um weitere Ausbrüche zu bekämpfen: Demnach könnte die Beobachtung von Nutztieren in der Bevölkerung die ersten nützlichen Warnsignale liefern, lange bevor die biologische Bestätigung einer Epidemie vorliegt.
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