Solarpionier insolvent: Sonnen-Untergang in Allgäu

Seit Jahren schreibt der Batteriehersteller und Ökostrompionier Sonnen GmbH rote Zahlen, nun meldet er Insolvenz an. Der Service für Bestandskunden bleibt erhalten.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/picture alliance
Die Sonnen GmbH aus Wildpoldsried im Allgäu ist insolvent. Der im Jahr 2010 gegründete Batteriehersteller hatte sich frühzeitig durch eine digitale Vernetzung von Solarspeichern – genannt „SonnenCommunity“ – einen Namen als Ökostrompionier gemacht. Zeitweise warb das Unternehmen damit, die „weltweit größte Plattform für Strom-Sharing“ zu betreiben.
Sonnen beschrieb sich bis zuletzt „als schnell wachsendes Technologieunternehmen“, das „in mehr als 11 Märkten weltweit aktiv“ sei. Standorte gibt es unter anderem in Italien, Großbritannien, Australien und den USA. Zeitweise hatte das Unternehmen 1.700 Mitarbeiter weltweit. Ihre „Vision“ definierte die Firma mit dem Satz: „Saubere und bezahlbare Energie für alle.“ Man vernetze Menschen, die sauberen Strom produzieren, was zugleich „den gemeinschaftlichen Gedanken“ fördere, so das Unternehmen.
Hehre Ziele – doch wirtschaftlich kam das Unternehmen nie auf einen grünen Zweig. Eine massive Wachstumsstrategie führte über Jahre hinweg zu hohen Anlaufkosten, die sich nie refinanzieren ließen. Die Lage änderte sich auch nicht, als im Mai 2018 der Öl- und Gaskonzern Shell einstieg und die Firma im Februar 2019 für rund 500 Millionen Euro komplett übernahm. Nun stiegen zwar die Umsätze – allein 2023 um 40 Prozent –, aber profitabel wurde das Geschäft trotzdem nicht. Nur ein einziges Mal in seiner Geschichte, nämlich im Jahr 2020, konnte das Unternehmen einen kleinen Gewinn erzielen.
Zuletzt ging es sogar steil abwärts. Der jüngste Geschäftsbericht von 2024 weist einen Rekordverlust von fast 107 Millionen Euro aus, bei einem aufgelaufenen Verlustvortrag aus früheren Jahren von mehr als 135 Millionen Euro. Der Umsatz brach 2024 auf 78 Millionen Euro ein, nachdem er im Jahr zuvor noch gut 263 Millionen Euro betragen hatte. Ein Grund war der inzwischen massive Wettbewerb auf dem Markt der Heimspeicher durch chinesische Anbieter.
In hohem Grade dysfunktionales Unternehmen
Angesichts der Entwicklung suchte Shell seit 2023 nach einem Käufer, aber lange fand sich niemand. Erst im vergangenen August ging das Unternehmen an das Family Office Tiven, hinter dem der Mitbegründer des Münchner Sanierungsinvestors Aurelius, Gert Purkert, steht. Shell sprach im Zusammenhang mit dem Verkauf von einer „Optimierung des Portfolios“. Am Ende soll das Unternehmen durch seine Beteiligung einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren haben.
Tiven wiederum schaute sich das Unternehmen gut zwei Monate an und schickte es dann in die Pleite: Am Donnerstag stellte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Handelsblatt zitierte daraufhin Personen, die mit den aktuellen Entwicklungen des Unternehmens vertraut sind, mit den Worten: „Die Firma ist hochgradig dysfunktional und verbrennt Geld ohne Ende.“
Über den Fortbestand der Zentrale in Wildpoldsried, in der 400 Personen arbeiten, gibt es noch keine Aussagen. Wie das Handelsblatt berichtet, werden neben der Sonnen GmbH auch zahlreiche Sonnen-Töchter abgewickelt oder in die Insolvenz geschickt. Nur ein einziger Produktionsstandort solle erhalten bleiben. Auf Anfrage äußerten sich bisher weder Sonnen noch Tiven zur Insolvenz.
Der Service für die Bestandskunden soll nach Medienberichten trotz der Insolvenz weitergeführt werden. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seit seiner Gründung mehr als 150.000 „Sonnenbatterien“ installiert. „Über 250.000 Menschen vertrauen weltweit auf unsere Lösungen und sind Teil der SonnenCommunity“, wirbt Sonnen weiterhin auf seiner Internetseite.
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