Trump fordert Selenskis Ablösung: Eine Eskalation in 4 Akten

- Trump und Selenski streiten öffentlich: Der US-Präsident schloss einen Diesel-Deal mit Putin und fordert nun einen neuen ukrainischen Präsidenten.
- Selenski kritisierte den Deal als «offensichtliche Schwäche» und warnte, Washington spiele Russland in die Hände.
- Der ukrainische Aussenminister Sybiha stellt sich hinter Selenski: Wer die Ukraine führe, entschieden allein die Ukrainerinnen und Ukrainer.
Ein Diesel-Deal, scharfe Vorwürfe und plötzlich die Forderung nach einem neuen ukrainischen Präsidenten: Zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodimir Selenski ist ein öffentlicher Streit entbrannt.
Akt 1: Trump schliesst überraschenden Deal mit Putin
Den Anfang machte eine Ankündigung von Trump. Am Freitag erklärt er auf seiner Plattform Truth Social, mit Kremlchef Wladimir Putin eine Vereinbarung über umfangreiche Diesellieferungen aus Russland getroffen zu haben.
Zunächst sollen mehr als 300’000 Tonnen Diesel in die USA geliefert werden. Im November sollen weitere 500'000 Tonnen folgen, danach eine Million Tonnen und schliesslich nochmals drei Millionen Tonnen.
Der Zeitpunkt ist brisant. In den USA sind die Treibstoffpreise hoch, im November stehen die Zwischenwahlen (Midterms) an. Gleichzeitig hatte Trump erst im vergangenen Monat neue Sanktionen gegen Russland unterzeichnet. Diese sollen Moskaus Einnahmen aus dem Energiesektor beschneiden. Der neue Diesel-Deal steht damit also im deutlichen Gegensatz zum bisherigen US-Druck auf Russland wegen des Ukraine-Krieges.
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Akt 2: Selenski spricht von «offensichtlicher Schwäche»
Die Reaktion aus Kiew liess nicht lange auf sich warten. Selenski kritisierte Trumps Ankündigung auf der Plattform X scharf. «Jede Lockerung der Sanktionen gegen Russland ohne eine klare und dauerhafte Deeskalationsvereinbarung ist eine offensichtliche Schwäche», schrieb er.
Damit spiele Washington Russland in die Hände. Moskau könne den Krieg länger fortsetzen, weitere Menschen töten und den Respekt vor den USA verlieren. Selenski verwies dabei auch auf die jüngsten russischen Angriffe. In den vergangenen Tagen seien in der Ukraine 78 Menschen getötet und 215 weitere verletzt worden.
Akt 3: Trump fordert Selenskis Ablösung
Dann verschärfte Trump den Streit. Der US-Präsident forderte öffentlich einen Wechsel an der ukrainischen Staatsspitze. «Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt», erklärte er in Washington. Selenski habe mehrfach die Möglichkeit gehabt, den Krieg zu beenden, diese Chancen aber nicht genutzt, behauptete Trump. Die Ukrainer sollten deshalb einen neuen Anführer wählen, der eine Friedensvereinbarung abschliessen könne.
Nicht erwähnt wurde dabei, dass Russland den Krieg mit seiner Invasion der Ukraine begann. Putin lehnte mehrfach Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand ab. Selenski wiederum erklärte sich wiederholt zu direkten Gesprächen bereit.
Ein Präsidentenwechsel durch reguläre Wahlen ist in der Ukraine während des geltenden Kriegsrechts derzeit auch gar nicht möglich.
Trump erhob zudem einen weiteren Vorwurf. Ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen hätten zur Dieselknappheit beigetragen und damit auch amerikanischen Landwirten geschadet. Die gestiegenen Öl- und Dieselpreise hängen allerdings wesentlich mit dem Iran-Krieg und der Schliessung der Strasse von Hormus zusammen.
Akt 4: Ukraine wehrt sich gegen Trump
Die ukrainische Regierung lässt die Forderung aus Washington nicht unbeantwortet. Aussenminister Andri Sybiha stellt sich demonstrativ hinter Selenski. Dieser geniesse die Unterstützung des ukrainischen Volkes. Wer das Land führe, hätten allein die Ukrainerinnen und Ukrainer zu entscheiden.
«Äusserungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient Unterstützung», schrieb Sybiha auf X.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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