Kommentar zu Audi-Chef Döllner: Politisch und menschlich ein fatales Signal
Kommentar
Stand: 26.10.2026 • 17:57 Uhr
Ist der Auftritt des Audi-Chefs beim US-Präsidenten nicht einfach nur wirtschaftlich vernünftig? Nein, meint Katharina Fuß. Der Manager macht sich zum grinsenden Statisten von Trump - und schickt fatale Signale an die Audi-Belegschaft in Deutschland.
Ein Kommentar von Katharina Fuß, ARD Washington
Eine herzliche Umarmung, strahlende Gesichter: Audi-Chef Gernot Döllner und US-Präsident Donald Trump wirken auf der Bühne bei der Wahlkampfveranstaltung in Georgia wie enge Freunde. Sollte sich ein deutscher Topmanager einem derart umstrittenen Präsidenten so anbiedern und das kurz vor den Zwischenwahlen in den USA? Nein!
Jetzt könnte man sagen, warum die Empörung? BMW und Mercedes haben doch auch Werke in den USA. Audi zieht jetzt einfach nach, um aus der Krise zu kommen. Und ja, Döllner ist kein Politiker, er muss Anteilseigner befriedigen. SUVs in den USA zu bauen ist nicht dumm, hier ist schließlich der Markt für große Autos. Und durch die hohen Zölle muss Audi viel für die Einfuhr bezahlen.
Trump tritt demokratische Werte mit Füßen
Aber: Wer ist den schuld an den Strafzöllen, wer droht anderen Ländern immer wieder damit und spielt so seine Macht aus? Wer schadet so nicht nur der Wirtschaft in anderen Ländern, sondern auch seiner eigenen und versucht jetzt über Audi gute Stimmung bei den Wählerinnen und Wählern zu verbreiten? Richtig, US-Präsident Trump.
Und da sollte sich dann der Chef eines so großen deutschen Unternehmens wie Audi schon fragen: Will ich wirklich Statist im Machtkampf von Donald Trump sein? Muss man wirklich kurz vor den Midterms grinsenden neben dem US-Präsidenten auf einer Wahlkampfveranstaltung Milliardeninvestitionen in den USA versprechen? Neben einem zwar mächtigen Politiker, aber auch einem Mann, der immer wieder sexistisch, transphob und rassistisch im Wahlkampf auftritt. Der die wichtigen demokratischen Werte in Deutschland - wohlgemerkt: dem Heimatland Döllners - mit Füßen tritt.
Tausende in Neckarsulm haben Angst um ihren Job
Das Argument, dass Audi sich in seinen eigenen Leitlinien dazu verpflichtet habe, drei Monate vor Wahlen keine Wahlkampfveranstaltungen zu unterstützen, wirkt da fast schon zweitrangig. Döllner wirkte unsicher auf der Bühne neben Trump, fast unterwürfig. Sein Auftritt im US-Wahlkampf ist nicht nur politisch ein fatales Signal, sondern auch menschlich.
Das Audiwerk in Neckarsulm steht vor dem Aus, Tausende Menschen haben Angst, ihren Job zu verlieren. Alle, die selbst dort aufgewachsen sind, deren Eltern und Großeltern für Audi gearbeitet haben, wissen um die Bedeutung des Autobauers in der Region. Die Menschen sind von Audi abhängig.
"Geschmäckle" klingt eigentlich zu nett
Für sie ist der Auftritt von Döllner einfach nur Hohn. Vielleicht ist das sein Versuch seinem Unternehmen aus der Krise zu helfen, den vielen Menschen, die seit Jahren bei Audi in Deutschland arbeiten, bringt das aber nichts.
Wie sagt man in Baden-Württemberg so schön: Der Auftritt von Döllner hat "ein Geschmäckle". Aber das klingt eigentlich zu nett. Für die Mitarbeitenden in Neckarsulm, die um ihre Zukunft bangen, ist das wohl eher ein Schlag ins Gesicht. Und für Trump ein Wahlkampfgeschenk genau zum richtigen Zeitpunkt.
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