5 Hunde-Signale, die du falsch verstehst

Oft reden Mensch und Hund aneinander vorbei. Ein Blick, ein Gähnen oder das Zeigen des Bauchs scheinen für uns eindeutig – doch was wir darin erkennen wollen, entspricht nicht immer dem, was der Hund tatsächlich ausdrückt. Hundetrainer Cyrill Matter hat deshalb fünf typische Missverständnisse gesammelt, die ihm im Alltag immer wieder begegnen.
Wie gehst du damit um, wenn du die Körpersprache eines Hundes nicht sicher einschätzen kannst?
Was sie wirklich bedeuten, erklärt Julia Recker. Die Diplom-Psychologin, Hundepsychologin und Expertin für Körpersprache arbeitet seit 15 Jahren mit Hunden und ihren Menschen. Bekannt ist sie unter anderem für ihre Begegnungsanalysen, bei denen sie gefilmte Hundebegegnungen Frame für Frame auswertet. Erfahrungen sammelte sie auch mit Strassenhunden im argentinischen Córdoba, die ohne Leine und menschliche Regie miteinander auskommen. Im April erschien ihr Buch «Das Hundesprachbuch», das direkt in die Spiegel-Bestsellerliste einstieg.

Ein Hund legt sich vor mir auf den Rücken, und fast jede Hand fährt reflexartig zum Bauch, um ihn zu streicheln. Was übersehen wir da?
Sich hinlegen ist nicht automatisch eine Einladung zum Streicheln! Es kann ein Beschwichtigungssignal sein und der Konfliktvermeidung dienen. Insbesondere junge und unsichere Hunde zeigen das häufig.» Ich schaue in so einem Moment zuerst auf den Rest vom Hund. Ist er locker und wackelig, oder ist er steif und dreht den Kopf weg? Zwei Sekunden reichen meistens.
Gähnen, Lecken über die Nase, Blinzeln: Warum gehen ausgerechnet die leisen Signale bei uns unter?
Sie können je nach Situation Stress, Unsicherheit, innere Anspannung oder Konfliktvermeidung anzeigen – manchmal sind sie aber auch völlig harmlos, etwa nach dem Schlafen oder Fressen. Den ganzen Körper und die Situation betrachten hilft!

Schnauben. Der Hund pustet einmal kräftig durch die Nase. Was steckt dahinter?
Die Anspannung fällt gerade ab! Der Hund versucht, sich zu regulieren. Dementsprechend war die vorhergehende Situation für den Hund anstrengend und eventuell stressig. Das Schnauben kommt nicht aus dem Nichts. Es kommt nach etwas.
Man kommt heim, der Teppich ist ruiniert, der Hund schaut schuldbewusst. Was passiert da wirklich?
Der Hund reagiert auf die Körpersprache und Stimmung des Menschen und versucht, den sozialen Konflikt zu entschärfen. Er fühlt sich also nicht schuldig, sondern möchte für sich selbst den Konflikt vermeiden.

«Der macht das mit Absicht.» Den Satz höre ich fast täglich. Was antwortest du darauf?
Hunde können nicht aus Trotz oder Rache handeln. Sie tun Dinge, die sich für sie lohnen oder interessant sind. Man kann menschliche Emotionen nicht auf Hunde 1:1 übertragen.
Drei weitere Sätze, die im Buch auseinandergenommen werden
In ihrem Buch knöpft sich Recker unter anderem auch drei Sätze vor, die auf jeder Hundewiese fallen. «Die regeln das unter sich.» «Wenn du deinen Hund nicht in jeden Kontakt lässt, wird er asozial.» «Welpen müssen viele Kontakte haben.» Alle drei klingen nach gesundem Menschenverstand. Und alle drei schicken Hunde regelmässig in Situationen, aus denen sie längst wieder raus möchten.
Sieben Bilder, sieben Situationen
Julia Recker hat sieben Fotos von Hundebegegnungen analysiert. Ihre Erklärungen stehen bei den Bildern.
Was heisst das für den Spaziergang?
Vor allem eines: hinschauen, bevor man deutet. Ein Hund, der sich auf den Rücken legt, der gähnt, der sich wegdreht, sagt etwas. Er sagt nur selten das, was wir gerne hören würden. Und wenn man unsicher ist: Hand zurücknehmen, einen Schritt Abstand, dem Hund die Wahl lassen. Wer selbst entscheiden darf, kommt meistens von selbst. Wer gedrängt wird, sucht einen Ausweg. Hunde reden pausenlos mit uns. Nur leider oft an uns vorbei.
Das Gespräch mit Julia Recker in Videoform kannst du am Sonntagabend auf Youtube sehen. Wenn du das nicht verpassen möchtest, folge dem Channel Charly’s Dog Training.
Sind lieb. Ihr Hünd.
Über Hundetrainer Cyrill Matter

Cyrill Matter (36) ist Hundetrainer und Gründer von Charly’s Dog Training. Gemeinsam mit seinen Hunden Charly und Nietzsche arbeitet er mit Menschen, die im Alltag an ihre Grenzen kommen, insbesondere mit reaktiven und herausfordernden Hunden. Sein Schwerpunkt liegt auf alltagstauglichem Training, instinktivem Lernen und nachhaltiger Verhaltensveränderung. Wichtig ist ihm dabei, nicht gegen den Hund zu arbeiten, sondern mit ihm und seiner Genetik. Sein Leitsatz: «Lernen nach Instinkt.»
Im Format «Hoi ihr Hünd» erklärt Matter auf 20 Minuten regelmässig Themen, die Hundehalterinnen und Hundehalter beschäftigen – und die auch für Menschen ohne Hund spannend sind.
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Hast du eine Frage rund um Hunde, die dich schon lange beschäftigt? Schreibe sie in die Kommentare. Vielleicht widmet sich Hundecoach Cyrill Matter in der nächsten Story deinem Thema.
Cyrill Matter (cym) ist Hundetrainer und Inhaber von Charly's Dog Training. Seit 2026 schreibt er für 20 Minuten die Kolumne «Hoi ihr Hünd» und hilft Leserinnen und Lesern, die Vierbeiner besser zu verstehen.
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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