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Thursday, October 29, 2026

Pharmaindustrie verteilt 234 Millionen an Ärzte und Spitäler

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Umstrittene Sponsorengelder

Pharmaindustrie verteilt 234 Millionen an Ärzte und Spitäler

Jedes Jahr erhalten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften üppig Geld von Pharmaunternehmen. 2025 waren es 234 Millionen Franken – für Kongresse, Weiterbildungen und Sponsoring.

Publiziert: vor 14 Minuten

Aktualisiert: 16.10.2026 um 15:07 Uhr

  • Die Pharmaunternehmen haben in den letzten 10 Jahren 2,1 Milliarden Franken an Ärzte und Spitäler verteilt
  • Die Gelder sind heuer etwas geringer ausfallen als noch vor einem Jahr, weil es weniger grosse Forschungskooperationen gab
  • Geldzahlungen der Industrie können bei Ärzten zu Interessenkonflikten führen

Der Geldsegen der Pharmaindustrie hält an: 234 Millionen Franken flossen 2025 an Akteure im Schweizer Gesundheitswesen. Das ist zwar etwas weniger als im Vorjahr, die Summe bleibt aber enorm. Das zeigt die aktuelle Analyse von Pharmagelder.ch, einem Rechercheprojekt von Ringier Medien Schweiz, an dem der Beobachter, die «Handelszeitung», der «Blick» und der «Sonntags-Blick» beteiligt sind. Dass die Gelder heuer etwas geringer ausfallen als noch vor einem Jahr, liegt hauptsächlich daran, dass es weniger grosse Forschungskooperationen gab. Die direkten Zahlungen an Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften blieben ungefähr gleich hoch.

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Artikel aus dem «Beobachter»

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Auf Pharmagelder.ch kann jedermann prüfen, ob ein bestimmter Arzt, ein Ärztenetzwerk, eine Patientenorganisation oder andere Akteure des Gesundheitswesens Geld von der Pharmaindustrie erhalten.

Wie viel Geld erhält dein Arzt von der Pharmaindustrie?

Jedes Jahr erhalten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften üppig Geld von Pharmaunternehmen. 2025 waren es 234 Millionen Franken. Auf Pharmagelder.ch kannst du prüfen, ob und wie viel Geld ein bestimmter Arzt, ein Spital und andere Akteure des Gesundheitswesens von der Pharmaindustrie erhalten.

Jedes Jahr erhalten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften üppig Geld von Pharmaunternehmen. 2025 waren es 234 Millionen Franken. Auf Pharmagelder.ch kannst du prüfen, ob und wie viel Geld ein bestimmter Arzt, ein Spital und andere Akteure des Gesundheitswesens von der Pharmaindustrie erhalten.

Illustration

Seit sich die Pharmaunternehmen 2014 mit dem Pharma-Kooperations-Kodex zu mehr Transparenz verpflichtet haben, summieren sich die offengelegten Zahlungen auf mehr als 2,1 Milliarden Franken. Die Industrie finanziert jedes Jahr mehreren Tausend Ärzten den Besuch von Kongressen, bezahlt sie für Referate und für Beratungsdienstleistungen, sponsert gleichzeitig auch Spitäler, Fachgesellschaften, Fortbildungsinstitutionen und Kongressorganisatoren. Dazu kommt jedes Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag für klinische Forschung an Unispitälern.

Das Problem der Interessenkonflikte

Geldzahlungen der Industrie können allerdings bei Ärzten zu Interessenkonflikten führen. Gesponserte Mediziner neigen nachweislich dazu, häufiger teure Originalpräparate statt günstigere, wirkstoffgleiche Generika zu verschreiben. Zudem verordnen sie tendenziell mehr Medikamente insgesamt und weichen statistisch häufiger von den offiziellen, neutralen medizinischen Leitlinien ab. Gemäss Heilmittelrecht darf die Wahl einer Behandlung nicht durch finanzielle Anreize beeinflusst werden. Eine medizinische Behandlung muss auf der Grundlage wissenschaftlicher und objektiver Kriterien erfolgen. Allerdings überprüfen weder das Bundesamt für Gesundheit noch die Berufsverbände oder andere Standesorganisationen die Einhaltung dieser Regelungen.

Am spendierfreudigsten ist seit zwei Jahren nicht mehr Novartis, sondern der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca. Das Unternehmen, das bis Ende nächsten Jahres 30 neue Krebstherapien auf den Markt bringen will, hat seine Zahlungen innerhalb von fünf Jahren auf 27,4 Millionen Franken mehr als verdoppelt. Novartis liegt mit 26,4 Millionen an zweiter Stelle, gefolgt von Roche (25,6 Millionen Franken).

Der amerikanische Konzern Pfizer, im Vorjahr mit 21,3 Millionen auf Platz vier der Geldgeber, halbierte seine Zahlungen in der Schweiz auf 11,3 Millionen Franken. Weniger gezahlt hat Pfizer fast ausschliesslich im Rahmen von grossen Forschungskooperationen, während die Zahlungen an einzelne Ärztinnen und Ärzte in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Pfizer will den starken Rückgang der Gesamtzahlungen nicht kommentieren.

Wer profitiert vom Millionenkuchen? Mehr als die Hälfte der Gelder – 141 Millionen Franken – geht an Spitäler, Stiftungen, Kongressorganisatoren und Fachgesellschaften. 84,3 Millionen fliessen unter der Bezeichnung «Forschung und Entwicklung» zu Spitälern. Die Summe ist seit Jahren eine Blackbox. Wer letztlich von diesen Geldern profitiert, ist unklar – die Pharmabranche will nicht einmal die Spitäler offenlegen, denen sie das Geld überweist.

8,7 Millionen Franken landeten direkt auf den Konten von Ärzten. Der Spitzenreiter: Oliver Distler, Direktor der Klinik für Rheumatologie am Unispital Zürich. Der Professor steht gleich bei mehreren Pharmakonzernen auf der Gehaltsliste. Er erzielte mit seinen Nebenbeschäftigungen Einnahmen von fast 97’000 Franken. Allein von Boehringer Ingelheim erhielt er rund 57’000 Franken Beratungshonorare – und 30’000 Franken für Spesen. Distler reagierte auf eine Anfrage des Beobachters nicht. In früheren Jahren liess er verlauten, sein Engagement für Pharmaunternehmen tangiere seine ärztliche Tätigkeit nicht.

Ärzte sehen keinen Interessenkonflikt

94’600 Franken – den zweithöchsten Betrag aller Ärzte – erhielt Luc Biedermann, leitender Arzt an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Unispitals Zürich. Eine Anfrage, ob er bei seiner Tätigkeit einen Interessenkonflikt sehe, blieb unbeantwortet.

An dritter Stelle liegt der auf «ganzheitliche Gesichtsoptimierungen» spezialisierte Schönheitschirurg Keywan Taghetchian. Der Konzern Galderma, Hersteller von dermatologischen Produkten wie Botox, überwies ihm fast 60’000 Franken. Taghetchian sagt, seine Vortragstätigkeit für Galderma beinhalte die Ausbildung und Schulung von Ärztinnen und Ärzten. «Diese Weiterbildungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesamtqualität und Patientensicherheit in der ästhetischen Medizin in der Schweiz.» Seine Tätigkeit für Galderma habe «keinen Einfluss auf meine medizinische Entscheidungsfreiheit bei meinen eigenen Patientinnen und Patienten». Ein Interessenkonflikt bestehe nicht. Total erhielten im vergangenen Jahr 3720 Ärztinnen und Ärzte Geld von der Pharmaindustrie. Den tiefsten Betrag liess sich eine Basler Ärztin auszahlen – 15 Franken.

Fachorganisationen kassieren Millionen

Mit Abstand die höchsten Beträge fliessen an internationale Fachorganisationen. Die europäische Krebsgesellschaft ESMO kommt auf Zuwendungen von 27,5 Millionen Franken. Gefolgt von der Europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen (European Respiratory Society, ERS; 5,6 Millionen Franken) und der Europäischen Fachgesellschaft für Haut- und Geschlechtskrankheiten (European Academy of Dermatology and Venereology, EADV; 4,3 Millionen Franken). Von den Spitälern verzeichnet das Inselspital Bern die höchsten Einnahmen: 2,6 Millionen Franken. Das Unispital Zürich kommt auf knapp 2 Millionen Franken.

Warum die Gelder im Bereich Forschung und Entwicklung von 109,5 Millionen auf 84,3 Millionen zurückgingen, ist nicht klar. Der Branchenverband Scienceindustries mutmasst: «Diese Zuwendungen schwanken bei den einzelnen Unternehmen von Jahr zu Jahr erheblich, was sich durch wechselnd intensive Aktivitäten mitunter im Bereich der klinischen Forschung erklären dürfte.»

Quellen

  • Reports gemäss Pharma-Kooperations-Kodex (PKK) von über 60 in der Schweiz tätigen Pharmaunternehmen
  • Ringier Medien Schweiz: Pharmagelder.ch
  • Stellungnahme AstraZeneca (14.10.2026)
  • Stellungnahme Pfizer (14.10.2026)
  • Stellungnahme Universitätsspital Zürich (14.10.2026)
  • Scienceindustries: Offenlegung 2026
  • Reports gemäss Pharma-Kooperations-Kodex (PKK) von über 60 in der Schweiz tätigen Pharmaunternehmen
  • Ringier Medien Schweiz: Pharmagelder.ch
  • Stellungnahme AstraZeneca (14.10.2026)
  • Stellungnahme Pfizer (14.10.2026)
  • Stellungnahme Universitätsspital Zürich (14.10.2026)
  • Scienceindustries: Offenlegung 2026

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