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Monday, October 5, 2026

«Weltreise ist kein Urlaub»: Angela und Cedric über ihr Burnout

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  • Angela (31) und Cedric (36) aus der Schweiz sind seit acht Monaten auf einer geplanten 1,5-jährigen Weltreise unterwegs.
  • Nach zwei Monaten brachten eine Fussverletzung, Reisestress und eine Reizüberflutung das Paar fast zum Abbruch der Reise.
  • Mit klarer Aufgabenteilung, festen Ruhetagen und mindestens drei Nächten pro Ort haben sie ihr Reise-Burnout überwunden.

Seit acht Monaten sind Angela (31) und Cedric (36) auf der ganzen Welt unterwegs. Sie haben ihre Jobs in der Schweiz hinter sich gelassen und wollen insgesamt eineinhalb Jahre lang die Welt bereisen.

Für die beiden ist die Reise ein lang ersehnter Traum und ein «grosses Privileg". Sie erleben Orte, die für viele Menschen unerreichbar bleiben: eine Antarktisexpedition, Buckelwale beim Schnorcheln in Tonga oder einen Roadtrip durch Neuseeland. Gleichzeitig haben sie gelernt: «Eine Weltreise ist nicht einfach ein langer Urlaub.» Vieles, was sie heute beschäftigt, hätten sie sich vor der Abreise nicht vorstellen können.

«Ich habe acht Jahre lang dafür gespart»

Angela hat lange auf diesen Moment hingearbeitet. Mindestens acht Jahre sparte sie für die Weltreise. Als sie Cedric kennenlernte, machte sie früh klar: «Ich will eines Tages eine Weltreise machen.» Cedric hatte sich zuvor noch nie intensiv damit beschäftigt, liess sich aber darauf ein.

Angela kündigte nach ihrem Masterstudium ihre Stelle als Lehrerin, Cedric erhielt als Sozialarbeiter unbezahlten Urlaub. Ihre Reise begann in Uruguay, führte sie nach Argentinien und spontan auf eine Antarktisexpedition. Nach einem längeren Aufenthalt in der Karibik reisten sie weiter nach Kolumbien, Brasilien, Polynesien und Melanesien. Momentan machen sie einen Roadtrip in Neuseeland. Noch zehn Monate liegen vor ihnen.

Für Angela war eine Weltreise schon immer ein grosser Traum. Acht Jahre lang hat sie dafür gespart.

Für Angela war eine Weltreise schon immer ein grosser Traum. Acht Jahre lang hat sie dafür gespart.Privat

«Unsere Highlights bisher waren die Antarktisexpedition und das Schnorcheln mit Buckelwalen in Tonga», sagen sie. Sie seien enorm dankbar, dass sie sich diese Reise ermöglichen könnten.

«Dieses Privileg bedeutet auch Verantwortung»

«Wir schauen diese Reise als mega Privileg an und wissen, dass nicht jeder das kann», sagt Angela. Gerade deshalb komme mit diesem Privileg auch die Verantwortung, genau hinzuschauen. Ihr Ziel sei es, möglichst ethisch zu reisen – auch wenn das mehr Zeit und Recherche brauche.

«Wir sehen jeden Tag Neues, was uns dazu bringt, uns mit unserem eigenen Weltbild und unseren Wertvorstellungen auseinanderzusetzen», sagt Angela. In Brasilien wurde ihr das besonders bewusst: Ein Mann sprach sie im Supermarkt darauf an, dass sie als Reisende wohl einfach alles kaufen könnten, weil es für sie günstig sei. Für das Paar blieb diese Begegnung hängen und brachte sie dazu, ihre eigene Weltanschauung zu hinterfragen. «Das braucht Kraft und Energie», sagt sie.

Nach zwei Monaten fast abgebrochen

Nach rund zwei Monaten Reisen wurde diese Energie erstmals knapp. Cedric verletzte sich beim Wandern in Argentinien am Fuss. Die Diagnose zog sich hin, die Verständigung in den Spitälern war schwierig. Als die Krankenkasse zu Physiotherapie in der Karibik riet, buchten sie kurzfristig einen Flug. «Genau an dem Tag, an dem wir abfliegen wollten, gab es einen angekündigten Streik und fast keine Flüge gingen», sagt Angela. Nach viel Stress und Umplanung schafften sie es dennoch nach Martinique. Doch die Erleichterung hielt nicht lange an.

Am Strand angekommen, sagte das Paar nur: «Wir haben schon Schönere gesehen, ich will zurück in die Unterkunft.» Rückblickend sei das verrückt, sagt Angela. Der Strand sei wunderschön und ideal zum Schnorcheln gewesen. In diesem Moment habe sich das Erkunden aber bloss nach Stress angefühlt.

«Ich hatte gar keine Lust mehr, etwas Neues zu sehen.»

Angela (31)

Selbst ein neuer Supermarkt sei zu viel gewesen. Alles war neu, kaum etwas kontrollierbar und die Eindrücke konnten die beiden nicht mehr verarbeiten. «Wir waren am Punkt, wo wir uns überlegten, die Weltreise abzubrechen und nach Hause zu fliegen.» Für diesen Zustand gibt es einen Begriff: Reise-Burnout. Mehr dazu liest du hier.

Das hat ihnen geholfen

Statt abzubrechen, blieben sie länger in der Karibik und überlegten gemeinsam, was sie ändern könnten. Sie teilten die Aufgaben klarer auf, bleiben heute mindestens drei Nächte an einem Ort und machen einmal pro Woche einen «faulen Sonntag». Gemeinsames Frühstück und vertraute Supermärkte geben ihnen zusätzlich Halt.

Auch finanziell müssen sie laufend abwägen. «Anfangs rechneten wir mit 50’000 Franken pro Person. Doch mittlerweile wissen wir: Es wird mehr sein.»

Heute geniessen sie das Reisen wieder. Der Traum sei nach wie vor da – aber anders, als sie ihn sich vorgestellt hatten. Sie wissen inzwischen: «Eine Weltreise ist ein grosses Privileg – und bedeutet nicht, möglichst viel von der Welt mitzunehmen. Sondern ihr mit Offenheit, Respekt und der Bereitschaft zu begegnen, die eigenen Vorstellungen immer wieder zu hinterfragen.»

Was ist für dich bei einer langen Reise am wichtigsten?

Selina Keller

Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community

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