20 Fr. pro Becher: Junge Schweizer sind verrückt nach Fruchtpüree

Als Snack zwischendurch, Stärkung nach dem Sport oder gleich als ganze Mahlzeit: Açaí-Bowls sind heute überall zu sehen. Hauptzutat ist die dunkelviolette Açaíbeere aus dem Amazonasgebiet. Tiefgekühlt und püriert wird sie zur cremigen Basis einer Açaí-Bowl. Garniert mit Früchten, Müesli, Nüssen, Samen oder Nussmus. Je nach Toppings taugt die Schale als Snack, Frühstück oder leichte Mahlzeit. Auch hierzulande expandieren Anbieter. Einer der beliebtesten ist Oakberry, der in verschiedenen Schweizer Städten – etwa in Luzern, Genf oder Zürich – Standorte hat.
Wie siehst du den Hype um Açaí-Bowls in der Schweiz?
In sozialen Medien kursieren Videos von Menschen, die für eine Açaí-Bowl von Oakberry in Zürich teils bis zu einer Stunde anstehen. Vor den Filialen bilden sich Schlangen für die violettfarbenen Becher – der günstigste kostet 14.90 Franken, grössere Becher kosten über 20 Franken.
Je nach Grösse und Toppings wird die Bowl schnell zur kalorienreichen Mahlzeit: Die grösste Variante von Oakberry enthält laut Anbieter bis zu 790 Kalorien. Das entspricht in etwa einem Big Mac mit einer kleinen Portion Pommes.
20 Minuten geht dem Hype auf den Grund. Für Livia (16) hat Oakberry gleich mehrere Vorteile: «Es ist günstiger als andere Açaí-Anbieter in der Schweiz, und man kann sich die Toppings selbst aussuchen», sagt sie. Auch auf Social Media sei die Marke häufig aufgetaucht, deshalb habe sie die Bowl probieren wollen. Ob die gefrorene Açaí-Bowl bloss etwas für heisse Sommertage ist? Für Livia nicht: «Im Sommer ist sie eine willkommene Erfrischung, aber eigentlich schmeckt sie immer.»
Für Anja (29) sind Açaí-Bowls dagegen klar etwas Sommerliches: «Im Winter werde ich eher zu etwas Warmem tendieren.» Besonders schätzt sie, dass sie aus verschiedenen Toppings auswählen kann. Ihre Begleitung Bignia (28) berichtet: «Durch Plakatwerbung und Social Media habe ich erfahren, dass es Oakberry nun auch in der Schweiz gibt», sagt sie.
Im Winter könnte der Hype abkühlen
«Seit der Eröffnung der drei Zürcher Standorte ist die Nachfrage besonders nach Feierabend und an den Wochenenden hoch», sagt der Schweizer Geschäftsführer von Oakberry, der im Gespräch mit 20 Minuten anonym bleiben möchte. Im Winter rechne er mit weniger Kundschaft: «Dann sind die Menschen seltener draussen und weniger unterwegs.» Welche Rolle Social Media für den Erfolg spiele, könne er nicht beurteilen. «Ich habe selbst kein Social Media», sagt er. Immer wieder höre er aber, dass die Marke auf Instagram präsent sei. Das Team aus Zürich hat laut ihm keinen direkten Einfluss auf das Marketing, da Oakberry als Franchise organisiert ist.
Wie Social Media aus Açaí ein Must-have machte
Hinter dem Hype steckt laut Dr. Anna-Maria Strässner von der Fachstelle für Consumer Behavior (deutsch: Konsumentenverhalten) an der ZHAW mehr als nur der Geschmack. «Entscheidend ist der sogenannte Health-Halo-Effekt: Açaí sendet das Signal, gesund zu wirken. Diese positive Eigenschaft prägt schnell das Gesamturteil über das Produkt», erklärt Strässner.
Beim Einkauf setzt Oakberry auf Mitgestaltung: Kundinnen und Kunden stellen ihre Bowl an der Theke selbst zusammen und wählen die Toppings nach ihrem Geschmack. Dahinter steckt laut Strässner ein weiterer psychologischer Mechanismus, der sogenannte Ikea-Effekt. «Was man selbst mitgestaltet, bewertet man anschliessend auch positiver», erklärt sie.
Über die Expertin
Gleichzeitig wirke das Prinzip von Social Proof, auf deutsch etwa sozialer Beweis: «Menschen orientieren sich am Verhalten anderer und sehen darin einen Hinweis darauf, dass etwas gut sein muss.» Gerade junge Menschen kennen Açaí-Bowls häufig aus den sozialen Medien. «Der Besuch macht dann real, was sie zuvor online bei anderen gesehen haben.»
Die sozialen Medien sind laut Strässner der Wachstumsmotor solcher Marken. «Jedes geteilte Foto oder Reel macht das Produkt immer unausweichlicher, bis man es schliesslich einfach haben muss», sagt sie. «Besonders visuell ansprechende Food-Inhalte auf Instagram können das Essverhalten beeinflussen.» Dieser Effekt halte nach dem Kauf an: «Wer das Erlebnis fotografiert und teilt, bewertet es positiver. Das steigert nicht nur die Bekanntheit und das Verlangen, sondern auch die Zufriedenheit mit der Bowl.»
Wie würdest du dir deine Açaí-Bowl zusammenstellen?
Yasmina Al Dubai (yad), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juni 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Lifestyle-Ressort.
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