Auto rast in australische Abgeordnete: Sie war kein Feindbild, trotzdem wurde Helen Haines Opfer

In Australien wurde die unabhängige Abgeordnete Helen Haines bei einem Angriff mit einem Auto schwer verletzt. Das löst eine Debatte aus.
Die australische Parlamentsabgeordnete Helen Haines stand am Montagnachmittag hinter ihrem Auto, das in der Kleinstadt Wangaratta vor ihrem Wahlkreisbüro geparkt war. Dann fuhr ein weißer Geländewagen vorbei, wendete abrupt und raste gezielt auf die 65-Jährige zu. Dann setzte der Wagen nach Augenzeugenberichten zurück und rammte Haines erneut. Am Ende war sie zwischen zwei Fahrzeugen eingequetscht und lebensgefährlich verletzt.
Passanten konnten den Fahrer überwältigen, ihm ein Messer abnehmen und ihn der Polizei übergeben. Haines wurde per Hubschrauber in die 200 Kilometer südwestlich gelegene Metropole Melbourne geflogen, wo die Ärzte ihr ein Bein amputieren mussten. Ob das zweite Bein gerettet werden kann, ist Medienberichten zufolge noch unklar. Ihr Zustand gilt als kritisch.
Viele Australier reagierten geschockt und fragten sich, wie der Vorfall einzuordnen sei. Ein tragischer Unfall, ein gezielter Anschlag? Das war „kein Unfall“, sagte der sozialdemokratische Premierminister Anthony Albanese. Es habe sich um einen „bewussten Angriff“ gehandelt.
Die unabhängige und parteilose Abgeordnete Haines ist äußerst beliebt. Sie ist Mutter dreier Kinder ist und lebt auf einer Farm. Auch ihre politischen Gegner schätzen sie für ihre konstruktive und engagierte wie prinzipientreue Art.
„Ein durch und durch anständiger Mensch“
Früher war sie Krankenschwester und Hebamme, dann promovierte sie in Schweden, 2019 wurde sie erstmals ins Parlament gewählt. 2022 und 2025 wurde sie wiedergewählt. Außer für Gesundheit setzte sie sich für Klimaschutz und Korruptionsbekämpfung ein. Premier Anthony Albanese bezeichnete sie nicht nur als „ausgesprochen intelligent“, sondern auch als sehr integer und als einen „durch und durch anständigen Menschen“.
Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus, über das Motiv des 43-Jährigen rätselt sie noch. Er soll am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Am Dienstag gaben seine Eltern eine Erklärung ab. Demnach sei Haines seit mehr 20 Jahren eine gute Freundin der Familie. Ein Instagram-Foto zeigt die Mutter und die Abgeordnete gemeinsam vor einem Krankenhaus. Die Eltern lobten Haines in den höchsten Tönen, nannten die Tat „zerstörerisch“ und „unergründlich“. Sie deuteten Problem mit dem Sohn an, der in einer Nachbarstadt lebt.
Der Täter wird in australischen Medien als Umweltaktivist beschrieben, der vor der Coronapandemie mit einer Umweltgruppe erfolgreich für ein Holzeinschlagsverbot gekämpft hat. Auch soll er Haines gelobt haben. Der Radiosender ABC wertete die Social-Media-Postings des Mannes aus und befragte Nachbarn. Einer äußerte den Verdacht auf psychische Probleme und dass er wegen dessen irritierenden Verhaltens schon mehrfach die Polizei gerufen habe.
In Australiens Öffentlichkeit wird der Fall mit dem Fall der britischen Labour-Abgeordneten Jo Cox verglichen. Die war kurz vor dem Brexit-Referendum 2016 von einem Mann mit Verbindungen zur Neonazi-Szene erstochen worden. Außerdem hat der Fall Haines eine Debatte über die Gefährdung von Amtsträgern und öffentlichen Personen ausgelöst. So wurden im letzten Jahr in Australien mehr als 1.000 Gewaltandrohungen gegen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens polizeilich registriert. Beklagt wird ein vergiftetes innenpolitisches Klima. Premier Albanese macht dafür auch die sozialen Medien verantwortlich, für die seine Regierung als weltweit erste eine Altersuntergrenze eingeführt hat.
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