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Saturday, August 22, 2026

Eingewandert im Engadin – Wenn der «Arsch der Welt» zum neuen Zuhause wird

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Das Engadin als neue Heimat? Diese drei Menschen haben sich ein Leben im Tal aufgebaut. Hier erzählen sie, wie es dazu kam.

Max Almeida: «Nach dem Arbeiten mussten wir Pontresina jeweils verlassen»

Über 40 Jahre lebt Max Almeida nun in Pontresina. Der gebürtige Portugiese war bis zum Ende der obligatorischen Schulpflicht in Portugal. Sein älterer Bruder war zu dieser Zeit bereits in Pontresina und signalisierte seinem jüngeren Bruder: «Die Schweiz braucht immer gute Leute zum Arbeiten».

Max Almeida kam am 8. Juni 1984 um 20.00 Uhr am Bahnhof Pontresina an, als es bereits dunkel war. Er kannte das Engadiner Dorf nicht. Als er dann am nächsten Morgen aufwachte, blickte er aus dem Fenster und sagte: «Was ist das?!» Er sah aus dem Fenster nur Berge. Er selbst war ein flaches Land gewohnt.

Person sitzt vor einer grossen Wand mit Sportschuhen im Laden.
Legende: Max Almeida startete im Engadin als Hilfskonditor. Mittlerweile arbeitet er seit vielen Jahren in einem Sportgeschäft. SRF / Max Fischer

Er begann, als Hilfskonditor zu arbeiten, und war zuerst skeptisch, ob er im Engadin bleiben wollte: «Es war damals nicht einfach, in Graubünden zu leben.» Almeida und andere Ausländer hatten damals strenge Auflagen von den Behörden. «Nach dem Arbeiten mussten wir Pontresina direkt verlassen», sagt Almeida. Damals mussten «Saisonniers» nach der verrichteten Saisonarbeit direkt wieder gehen.

Mit den heutigen EU-Verträgen sei das einfacher geworden. Almeida und seine Familie sind über die Jahre ein Teil des Tals geworden. Er ist im hiesigen portugiesischen Chor und sagt von sich selbst: «Ich bin Bürger von Pontresina.» Wenn Max Almeida jeweils nach Portugal reist, ist er in den Ferien. Und nicht umgekehrt. Daheim ist er im Engadin.

Franziska Barta: Berlin gegen Berge

Von der Millionenstadt ins Bergdorf. Die gebürtige Ostberlinerin Franziska Barta ist Ärztin für Innere Medizin. 1984 ist sie aus der DDR nach Westberlin geflüchtet. Nach dem Mauerfall war in Berlin die Arbeitslosigkeit bei den jungen Ärzten gross. «Wir mussten raus», sagt Barta.

Sie wollte aber nicht aufs «Land», also ins Gebiet der ehemaligen DDR zurück, aufgrund der dortigen politischen Veränderungen und des rechtsradikalen Drucks: «Ich wollte weg und dachte, wennschon, dennschon, so richtig weg», erzählt Barta.

Berge hat Barta im Vergleich zu Almeida erwartet und auch bekommen. Für die Ärztin vergeht die Zeit im Engadin etwas langsamer als in Berlin oder Zürich. Das macht für sie auch den Reiz aus.

Zurückgelassen in Berlin hat sie die Frauenszene und das Nachtleben. «Plötzlich war da Prärie», meint Barta. Weil ihr das im Engadin fehlte, engagierte sie sich in einem queeren Verein in Lichtenstein: «Wir waren gut organisiert.» Ganz im Gegensatz dazu sei es «im Engadin Steppe», sagt Barta lachend. Barta hat immer wieder mal ein «bisschen Heimweh», doch ihre Heimat ist das Tal in den Bergen.

Nathalie Schärer: Für die Liebe an den «Arsch der Welt»

Die Elsässerin Nathalie Schärer blieb im Engadin «hängen», weil ihr Mann ein Jobangebot in Samedan erhielt. Ihre erste Reaktion war: «Das ist ja am Arsch der Welt».

Doch sie ging mit dem Mann mit. Das ist Liebe seit 31 Jahren. Im Engadin war es beiden direkt wohl. Fremd waren Schärer höchstens die rätoromanische Sprache und die Saisonarbeit. Im Vergleich zu vielen anderen hatten die Schärers keine Saisonarbeit, sondern direkt «Jahresstellen».

«Wir waren die ersten vier Jahre in Zuoz.» Dort war es wegen des Rätoromanischen eher schwierig, meint die Käserin. In Pontresina werde man hingegen lediglich einmal gefragt, woher man sei. «Aber es ist eigentlich kein Thema.» Nathalie Schärer fühlte sich von Anfang an zugehörig und ist sich ausserdem sicher: «Ich will nicht zurück ins Elsass.»

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