Metas KI-Aufholjagd: Muse Wonder erreicht Spitzenniveau
Meta hat mit Muse Wonder und Muse Wonder Full seine bislang leistungsfähigsten KI-Modelle vorgestellt. Laut unabhängigen Tests erreicht insbesondere Wonder Full bei komplexen Agentenaufgaben und der Softwareentwicklung das Niveau führender Konkurrenzmodelle.
Die Frontier-Modelle verarbeiten Text, Bilder, Videos und Audio, geben aber ausschließlich Text aus. Ihr Kontextfenster umfasst eine Million Tokens und ist damit gegenüber dem erst sechs Wochen alten Muse Spark 1.3 unverändert. Meta nennt weder Parameterzahlen noch Details zur Architektur. Die Modellgewichte bleiben unter Verschluss.
Für komplexe Agentenaufgaben hebt Meta zwei weiterentwickelte Fähigkeiten hervor: Mit „Active Memory“ sollen die Modelle relevante Informationen aus früheren Gesprächen gezielt abrufen und bei neuen Aufgaben berücksichtigen. „Active Focus“ hingegen soll ihnen helfen, Hindernisse zu überwinden, alternative Lösungswege auszuprobieren und Fehler zu korrigieren.
Muse Wonder ist über die Meta Model API und den Programmieragenten Muse Code verfügbar. Wonder Full bleibt den höheren Muse-Code-Abos vorbehalten. Wie Meta in der Ankündigung erklärt, soll Wonder künftig auch im bereits gestarteten persönlichen KI-Agenten Muse zum Einsatz kommen, zunächst für Abonnenten.
Wonder Full: Spitzenniveau in unabhängigen Tests
Tests von Artificial Analysis (AA) bestätigen deutliche Fortschritte gegenüber dem Vorgängermodell Muse Spark 1.3. Im Intelligence Index erreicht Wonder Full bei maximalem Reasoning-Aufwand 56 Punkte, Wonder 52. Spark 1.3 lag bei 48 Punkten. An der Spitze steht weiterhin Claude Opus 5.5 mit 58 Punkten.
Wonder Full verbessert sich stark gegenüber Muse Spark 1.3.
(Bild: Artificial Analysis)
Wonder Full verbessert sich gegenüber dem Vorgänger in allen zehn Einzeltests des AA Intelligence Index und zählt sechsmal zu den drei Besten. Besonders ausgeprägt sind die Fortschritte bei Agentenaufgaben: Im Terminal-Bench 4.0 steigt das Ergebnis von 33 auf 57 Prozent. Auch bei komplexen beruflichen Arbeitsaufträgen gehört Wonder Full zur Spitzengruppe.
Bei der Softwareentwicklung erreicht Wonder Full mit Muse Code im Coding Agents Index 68 Punkte und liegt damit gleichauf mit Claude Code auf Basis von Sonnet 5.5 und knapp vor Claude Code mit Opus 5.5 (66 Punkte). Wonder erzielt 63 Punkte, Spark 1.3 kam auf 54. Im Langzeit-Programmierbenchmark SWE-Marathon erreicht Wonder Full laut Metas Modellkarte 57,5 Prozent, Claude Opus 5.5 kommt auf 46,3 Prozent. Die Modelle wurden dabei teilweise mit unterschiedlichen Programmieragenten getestet.
Beim Faktenwissen bleiben Schwächen: Im AA-Omniscience-Test erzielt Wonder Full 30 Punkte, Claude Opus 5.5 dagegen 46. Dafür sinkt die in diesem Test gemessene Halluzinationsrate gegenüber Spark 1.3 von 33 auf 23 Prozent.
Fast dreimal so teuer wie Spark 1.3
Muse Wonder kostet über die API vier Dollar pro Million Eingabe-Tokens, 20 Dollar für Ausgaben und 20 Cent für zwischengespeicherte Eingaben. Wonder Full ist ausschließlich über die Muse-Code-Abos Power Usage für monatlich 50 Dollar und Maximum Usage für 200 Dollar erhältlich.
Muse Wonder ist deutlich teurer als der Vorgänger Muse Spark 1.3. Zudem entfällt der vergünstigte Contributor-Modus, bei dem Nutzer ihre Daten für das Modelltraining freigeben.
(Bild: Meta)
AA errechnet für Wonder durchschnittlich 4,52 Dollar pro Intelligence-Index-Aufgabe, rund 2,8-mal so viel wie für Spark 1.3 (1,60 Dollar). Damit ist Wonder teurer als GPT-6 Astra (3,26 Dollar), aber günstiger als Claude Opus 5.5 (5,98 Dollar). Wonder benötigt zehn Prozent weniger Ausgabe-Tokens, aber 28 Prozent mehr Eingabe-Tokens als der Vorgänger. Wonder Full verbraucht wiederum 16 Prozent weniger Eingabe-Tokens als Wonder. Mangels API-Preis lassen sich seine Kosten pro Aufgabe nicht direkt vergleichen.
Muse Wonder verursacht laut Artificial Analysis durchschnittlich 2,8-mal höhere Kosten pro Benchmarkaufgabe als Spark 1.3.
(Bild: Artificial Analysis)
Bei Muse-Code-Abos ist standardmäßig der Contributor-Modus aktiviert, das gilt auch bei Wonder Full. Nutzer erhalten dadurch höhere Nutzungslimits, erlauben Meta jedoch, ihre Eingaben und Modellausgaben zum Training künftiger KI-Modelle zu verwenden. Der Modus lässt sich deaktivieren. Bei der regulären Wonder-API verwendet Meta die Inhalte nach eigenen Angaben nicht zum Modelltraining. Anders als beim Vorgänger Muse Spark 1.3 bietet Meta für Wonder über die API keinen vergünstigten Contributor-Modus an.
Meta schließt in seiner Modellkarte nicht aus, dass Wonder Full ohne Schutzmaßnahmen eine hohe Risikoschwelle für chemisch-biologischen Missbrauch erreicht. Mit Schutzmaßnahmen bewertet der Konzern die verbleibenden Risiken als moderat oder geringer. Ein ausführlicher Sicherheitsbericht soll folgen.
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