Gina H.: «Werde so lange kämpfen, bis ich auf freiem Fuss bin!»

- Gina H. (30) beteuert im Schlusswort vor dem Landgericht Rostock ihre Unschuld im Mordprozess um Fabian (8).
- Sie kritisiert Vorverurteilungen und ein nicht neutrales Gericht und kündigt an, nötigenfalls bis zur höchsten Instanz zu gehen.
- Die Verteidigung fordert Freispruch, die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft; das Urteil soll am 10. November fallen.
Am Freitag hatte Gina H. vor dem Landgericht Rostock noch mal die Gelegenheit, ein Schlusswort zu ergreifen. Ihr wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian in Güstrow getötet zu haben. Er ist der Sohn ihres damaligen Ex-Freundes.
«Ich bin eine gute Mutter und war für Fabian eine Vertrauensperson. Es ist schlimm, was mit ihm passiert ist. Ich bin unschuldig und das werde ich auch so lange sagen, bis man mir glaubt», zitiert die «Bild» die letzten Aussagen der 30-Jährigen. Sie sei «eine Frau mit Liebe und Gefühlen, auch wenn alle das nicht so sehen wollen».
«Vorverurteilungen» und «kein neutrales Gericht»
Sie kritisiert, dass es krasse Vorverurteilungen gegeben habe, sodass «ich gar keine Chance bekam». Sie habe vom Gericht keine Neutralität gespürt. «Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber man hat mir nichts ausgelassen, mir meine Würde zu nehmen.»
Es habe für sie keinen Grund gegeben, sich «an Fabian zu vergehen». Sie werde für ihre Unschuld kämpfen und lasse sich «nicht unschuldig für mein ganzes Leben lang wegsperren». Wenn nötig, werde sie bis vor die höchste Gerichtsinstanz gehen. «Ich werde so lange kämpfen, bis ich auf freiem Fuss bin!»
Verteidigung will Freispruch
Die Verteidigung sagt über ihre Mandantin, sie habe von Beginn an versichert, dass sie mit dem Verbrechen nichts zu tun habe. Anwalt Löcker erläutert, viele der genannten Puzzleteile seien mit der Zeit «unpassend» geworden.
Weiter sagt er, im Prozess seien oft «Annahmen, die sich nicht sicher belegen lassen» gefallen. Viele Zweifel würden weiter bestehen. Diese dürften nicht zulasten von Gina H. aufgelöst werden. Unter anderem sagt er: «Ich komme zu einem Ergebnis, das für die Staatsanwaltschaft eher traurig ist, aber für die Verteidigung eher günstig: Dass die Ergebnisse des Faserspurengutachtens als ungeeignet eingestuft werden müssen.» Diese wurden im Auto von Gina H. gefunden und einer Jacke von Fabian zugeordnet. Das sei aber zu wenig genau überprüft worden.
Gina H. versuche «durch aufgesetzte Lässigkeit einen letzten Teil ihrer Würde zu bewahren». In Wahrheit sei sie bei den zahllosen Gesprächen in der Haftanstalt oft «sehr traurig, niedergeschlagen und ängstlich» aufgetreten. Die 30-Jährige habe Fabian zudem mehrfach vor seinem Vater in Schutz genommen und Gewalt grundsätzlich abgelehnt. Weil «zu viele entscheidende Fragen» zur Tat nicht hätten beantwortet werden können, müsse H. freigesprochen werden.
Die Staatsanwaltschaft fordert für Gina H. eine lebenslange Haft. Die Urteilsverkündung hat das Landgericht für den 10. November vorgesehen.
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Justin Arber (jar), Jahrgang 1999, arbeitet seit 2022 als Redaktor am Newsdesk. Zeitweise übernimmt er da die Schichtleitung im Früh- und Spätdienst.
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