Selbstfahrende Autos – Zürcher Taxigewerbe fürchtet wegen Robotaxis um seine Zukunft

Sein eigenes Taxi hat er Anfang Jahr aufgegeben. Und gegenüber der NZZ zeichnet George Botonakis, Präsident des Zürcher Taxiverbands, ein düsteres Bild für seine Branche: «80 Prozent der Taxifahrer wird es in fünf Jahren nicht mehr geben.»
Der Grund dafür seien autonome Autos. Die Google-Tochter Waymo, Marktführerin bei Robotaxis in den USA, hat in Zürich ein Büro eröffnet. Zudem sind im Furttal im Kanton Zürich seit September Robotaxis mit Fahrgästen unterwegs.
Vorerst kommen zwar erst drei Elektroautos zum Einsatz, die nur nachmittags bestellbar sind. Trotzdem sagt Botonakis, der Wandel lasse sich nicht mehr aufhalten.
Das Taxigewerbe müsse sich daher auf tiefgreifende Veränderungen einstellen, so der Präsident des Zürcher Taxiverbands. Es sei «das Ende des Taxifahrers». Aktuell gibt es im Kanton Zürich laut NZZ noch 5500 Taxifahrerinnen und ‑fahrer. Wer von ihnen im Beruf bleiben wolle, müsse sich spezialisieren und einen Mehrwert bieten, etwa bei der Betreuung älterer Menschen oder im gehobenen Service.
Auch die Politik treibt der Wandel im Taxiwesen um. Im Zürcher Stadtparlament reichten linke Parlamentsmitglieder kürzlich einen Vorstoss ein. Darin fordern sie die Regierung auf, zu prüfen, wie die Einführung von Robotaxis in der Stadt Zürich verhindert oder zumindest stark reguliert werden könnte.
Experte zweifelt an schnellem Umbruch
Nicht alle teilen die Prognose des Taxiverbands, wonach in fünf Jahren nur noch ein Fünftel der heutigen Taxifahrer in der Branche tätig sein soll. Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher an der ZHAW, sagt auf Anfrage: «Die Aussage halte ich für gewagt.»
Dass Robotaxis Taxifahrer derart schnell ablösen, sei aus seiner Sicht ein Extremszenario. Dass es eintrete, halte er für eher unwahrscheinlich. Die Nachfrage nach Taxifahrten schwanke im Tagesverlauf stark. Zu Spitzenzeiten würden deshalb deutlich mehr Fahrzeuge benötigt als in anderen.
«Für Robotaxi-Anbieter wäre es kaum wirtschaftlich, die Flotte auf diese Spitzen auszurichten», so Sauter-Servaes. Der Betrieb lohne sich vor allem, wenn die Robotaxis möglichst konstant ausgelastet seien.
Nicht alle Fahrgäste dürften umsteigen
Der Mobilitätsexperte rechnet deshalb nicht mit einem raschen Verschwinden des Berufs. «Ich gehe davon aus, dass noch einige Zeit Fahrerinnen und Fahrer nötig sein werden, um die Spitzen abzudecken», sagt Sauter-Servaes.
Hinzu komme, dass nicht alle Kundinnen und Kunden auf Robotaxis umsteigen würden. «Nicht jede Zielgruppe wird auf ein Robotaxi wechseln wollen oder können, weil sie zum Beispiel Unterstützung beim Ein- und Aussteigen benötigt oder Vorbehalte gegen den Roboter auf Rädern hat.»
Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 09.10.2026, 6:31 Uhr ; thon;stes;noes
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