Brasilien nach der Wahl: Wahlverlierer Bolsonaro setzt sich in die USA ab

Flávio Bolsonaro soll noch am Montag in die USA geflohen sein. In Brasilien ordnet sich die Rechte nach dem Weggang des Senators bereits neu.
Foto: Diego Herculano/Reuters
Brasiliens unterlegener Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat sich offenbar in die USA abgesetzt. Übereinstimmend meldeten am Dienstag Medien wie die Tageszeitung Folha de São Paulo und der TV-Sender Globo TV die Flucht des Senators. Bestätigt hätten dies sowohl dessen Stiefmutter Michelle als auch nicht namentlich genannte Verbündete und Vertreter der US-Regierung.
Das US-Außenministerium werde ihm, seiner Frau und seinen zwei Töchtern Einreisevisa erteilen, sagte ein Vertreter des Ministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Wo genau sich Bolsonaro aufhält, war zunächst unklar. Eine der Familie nahestehende Person erklärte, Bolsonaro sei im US-Bundesstaat Florida gelandet. US-Präsident Donald Trump hatte die Wahl in Brasilien als „manipuliert“ und „korrupt“ bezeichnet, ohne dafür Beweise vorzulegen.
Flávio soll zunächst möglicherweise zu Fuß illegal die Grenze nach Argentinien überquert haben. Dort wurde nach einer Meldung des argentinischen Nachrichtenportals Infobae ein Privatflugzeug am Flughafen im Dreiländereck von Puerto Iguazú kontrolliert, mit dem Flávio und Familie angeblich in die USA fliegen sollte. Es wurden allerdings weder eine Passagierliste noch andere konkrete Hinweise gefunden.
In seiner Videobotschaft vom Montag hatte Bolsonaro noch angekündigt, er werde die Opposition führen; denke nicht daran, das Land zu verlassen und werde, wie vom Oberen Bundesrichter gefordert, seine Pässe abgeben.
Die Rechte sucht schon eine neue Führung
Wie Flávio war bereits dessen Vater Jair nach seiner Wahlniederlage 2022 in die USA ausgereist. Flávios Bruder Eduardo Bolsonaro zog 2025 ebenfalls in die USA, wo er sich bei Trump für Strafzölle für brasilianische Waren einsetzte.
Verbündete des flüchtigen Flávio Bolsonaro, wie der Abgeordnete Nikolas Ferreira, führen dessen heimliche Ausreise auf die Entscheidung des Obersten Bundesrichters Alexandre de Morães zurück, der am Montag verfügt hatte, Flávio müsse seine Pässe abgeben und dürfe das Land nicht verlassen. Die Entscheidung wird von Bolsonaro-Anhängern als politische Verfolgung interpretiert.
Während es in Brasilien noch keine offizielle Bestätigung für die Flucht Flávios gibt, sucht die Rechte bereits nach neuen Führungspersönlichkeiten. Der Vorsitzende der PL, der Partei des Kandidaten, traf sich am Dienstag unter anderem mit Michelle Bolsonaro, der zur Senatorin gewählten Ehefrau des wegen eines Putschversuches verurteilten Jair Bolsonaro. Michelle war vor der Entscheidung für Flávios Kandidatur ebenfalls im Gespräch als Präsidentschaftskandidatin und verfügt über eine eigene Anhängerschaft vor allem unter Frauen und Evangelikalen.
Der im Amt bestätigte brasilianische Präsident Luíz Inácio Lula da Silva kommentierte die Flucht des unterlegenen Konkurrenten so: „Ich stelle mir nur die Schuldgefühle desjenigen vor, der nach einer Wahlniederlage aus seinem Land flieht.“ Laut Presseberichten wird erwartet, dass Bolsonaro am Mittwoch vor die Presse tritt. (mit rtr)
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