18-Stunden-Carfahrt wegen Klimaschutz – Mutter wehrt sich

- Die Kantonsschule Zug schickt eine Klasse auf einen 18-stündigen Cartrip nach Valencia – Fliegen ist seit 2005 aus Nachhaltigkeitsgründen verboten.
- Eine Mutter will ihre Tochter nach mehreren schweren Busunfällen in Europa aus Sicherheitsgründen auf eigene Kosten fliegen lassen, scheitert damit aber an der Schule.
- Rektorin Franziska Schärer sieht keinen konkreten Hinweis, dass die Carreise nicht verantwortbar sei – vier Chauffeure wechseln sich spätestens alle vier Stunden ab.
In der Kantonsschule Zug ist Fliegen aus Nachhaltigkeitsgründen verboten: Daher müssen diejenigen Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse, die ab Freitag am dreiwöchigen Sprachaufenthalt in Valencia teilnehmen möchten, eine rund 18-stündige Fahrt mit dem Reisebus in die spanische Stadt auf sich nehmen. Los gehts abends am Zürich Flughafen, die Ankunft am Flughafen Valencia ist kurz nach Mittag geplant.
Nach den schweren Busunfällen in Ungarn mit zwölf Toten, in Bayern mit einem toten Schulkind und Dutzenden Verletzten und dem Unglück in Zernez GR, wo fünf Personen starben, will eine Mutter ihre Tochter auf eigene Kosten mit dem Flugzeug in den Sprachaufenthalt schicken. «Ich halte es für unvernünftig, wenn die Schüler so lange auf der Strasse unterwegs sind. Ich mache mir grosse Sorgen um die Sicherheit meiner Tochter.»
Praktikum in der Schweiz statt Sprachaufenthalt
Mit ihrem Anliegen beisse sie bei der Kantonsschule allerdings auf Granit, sagt die Mutter: «Wer die Reise nicht mit dem Car absolviert, kann als Alternative in der Schweiz ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren – doch eine wirkliche Alternative ist das nicht.» Der Sprachaufenthalt sei schliesslich Teil des Programms der Klasse mit sprachlichem Schwerpunkt. «Es handelt sich nicht um eine Ferien- oder Spassreise, der Aufenthalt ist pädagogisch sehr sinnvoll.»
Der Verzicht auf Flugreisen aus ökologischen Gründen sei zwar löblich, sagt die Mutter. «Ich fände es aber schön, wenn neben dem Umweltschutz auch die Sicherheit und der gesunde Menschenverstand berücksichtigt werden.»
Nachhaltigkeit im schulischen Alltag
Die Kantonsschule Zug berücksichtige bei der Wahl des Verkehrsmittels neben organisatorischen und sicherheitsrelevanten Aspekten auch ihre Verantwortung im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung, schreibt Rektorin Franziska Schärer auf Anfrage.
«Die Schule verzichtet deshalb bereits seit 2005 bei besonderen Schulanlässen grundsätzlich auf Flugreisen.» Die Vorgabe sei Teil der schulischen Praxis und solle auch dem Anspruch Rechnung tragen, Nachhaltigkeit nicht nur im Unterricht zu thematisieren, sondern im schulischen Alltag vorzuleben. Die Reiseorganisation sei den Eltern bereits im März mitgeteilt worden und seit Langem geplant.
Wie beurteilst du den Entscheid der Kantonsschule Zug, bei Sprachaufenthalten auf den Car zu setzen statt aufs Flugzeug?
«Reise mit Car verantwortbar»
Für die Reise werde gemäss den internen Vorgaben der Schule ein Transportunternehmen mit Sitz in der Schweiz eingesetzt, erklärt Schärer. «Die rund 18-stündige Fahrt wird von vier Chauffeuren durchgeführt, die sich spätestens nach vier Stunden Fahrzeit abwechseln. Zudem werden die Schülerinnen und Schüler auf der Hin- und Rückreise durch Lehrpersonen der Kantonsschule Zug begleitet.»
Die Bedenken der Mutter bezüglich der langen Fahrtdauer und der Nachtfahrt nehme die Schule ernst. Die geplante Reise sei deshalb nochmals geprüft worden. «Aus Sicht der Schule besteht kein konkreter Hinweis darauf, dass die vorgesehene Carreise nicht verantwortbar wäre», so Schärer.
Niemand werde gezwungen, gegen den Willen der Erziehungsberechtigten an der Carreise teilzunehmen, betont Schärer. «Es besteht die Möglichkeit, während dieser Zeit ein dreiwöchiges Praktikum zu absolvieren, das als gleichwertige schulische Alternative anerkannt wird.»
Daniel Krähenbühl (dk) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Er leitet das Regionennetzwerk mit Fokus auf Stadtpolitik, Kriminalität, Gesellschaft und Recherche.
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