Trigger kennt jeder – aber was sind eigentlich Glimmer?

Der Herbst ist da und hat einen Sommer abgelöst, in dem man fast vergessen konnte, wie sich dunkle, regnerische Tage anfühlen können. Dieser Übergang ist für manche Menschen schwer: Fehlen Sonne, Wärme und Aktivitäten draussen, fühlt sich alles schnell düster und ein bisschen traurig an. Genau dagegen sollen Glimmer helfen.
Bist du traurig, dass der Sommer in der Schweiz vorbei ist?
Was ist Glimmer?
Ein Glimmer ist kein riesiger Glücksmoment. Gemeint sind vielmehr kleine Augenblicke, in denen sich etwas gerade gut, ruhig oder sicher anfühlt: Sonne, die durch das Fenster scheint, der erste Schluck Tee oder der Duft von selbstgekochtem Essen. Geprägt hat den Begriff die US-Therapeutin Deb Dana. Sie beschreibt damit kleine Momente, die ein Gefühl von Freude, Sicherheit oder Verbundenheit auslösen können.
Also eine Art positive Version von einem Trigger?
Genau. Der Glimmer ist das positive Gegenstück zu Triggern: innere oder äussere Reize, die angenehme Gefühle auslösen und den Blick auf den Moment lenken. Der Gedanke dahinter ist simpel. Anstatt immer auf die grossen, überschwänglichen Glücksgefühle zu warten, soll man die Freude in kleinen Momenten sehen.
Aber wo finde ich die im Herbst?
Der Herbst ist voller kleiner Glimmer. Vielleicht knirscht das erste trockene Laub unter den Schuhen. Vielleicht riecht die Luft morgens plötzlich kühler, die Natur irgendwie anders. Oder du kommst nach einem Spaziergang mit einer kalten Nase nach Hause, ziehst dicke Socken an und merkst beim Teekochen, wie gemütlich diese Art von Wärme ist.
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Das kann auch etwas sehr Kleines zwischen zwei Menschen sein: Jemand hält dir die Tür auf, eine Kollegin oder ein Kollege bringt dich zum Lachen oder du bekommst genau dann eine liebe Nachricht, wenn du dich ein bisschen einsam fühlst.
Psychologin und Trainerin Nanni Glück empfiehlt gegenüber «Focus», bewusst mit allen Sinnen in die Jahreszeit einzutauchen. Glück ist studierte Psychologin und arbeitet im Raum Stuttgart unter anderem zu Positiver Psychologie, Achtsamkeit und Stressmanagement. «Für diese Glimmer muss man gar nicht so viel tun. Es gibt sie eigentlich schon», sagt sie gegenüber «Focus». Entscheidend sei, sie bewusst wahrzunehmen.
Aber ich vermisse den Sommer!
Du darfst den Sommer natürlich auch vermissen. Wichtig ist, Glück zufolge, auch, den Herbst nicht krampfhaft schönzureden. «Die Wehmut darf sein, weil es ein Abschied ist», sagt sie gegenüber «Focus». Dass die Tage kürzer werden und ein bestimmtes Sommer-Lebensgefühl verschwindet, darf also auch ein bisschen traurig machen.
Glimmer sollen diese Gefühle nicht wegdrücken. Eher geht es darum, gleichzeitig wahrzunehmen, was jetzt neu dazukommt: goldenes Abendlicht, nasse Strassen, der Duft von Suppe aus der Küche, eine Stunde auf dem Sofa ohne schlechtes Gewissen oder dieser erste tiefe Atemzug draussen, wenn die Luft endlich wieder frisch und kühl ist.
Wie lerne ich, einen Glimmer zu erkennen?
Wer solche Momente im Alltag ständig übersieht, kann die Aufmerksamkeit bewusst darauf lenken. Ein guter Trick ist das Aufschreiben: Stelle dir jeden Abend die Frage, was heute schön war und was sich gut angefühlt hat. Machst du das oft genug, fallen dir solche Situationen oder Momente im Alltag viel mehr auf. Hält eine Niedergeschlagenheit allerdings lange an oder fehlt der Antrieb über längere Zeit, sind Glimmer kein Ersatz für professionelle Unterstützung. Auch Glück rät in solchen Fällen dazu, sich Hilfe zu holen.
Worauf freust du dich im Herbst am meisten? Was ist dein Glimmer?
Meret Steiger (mst), arbeitet seit 2016 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin für Living und Auto & Mobilität und berichtet über Wohnen, Einrichten und Architektur.
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