«Zwei Tampons für zehn Euro?!»: Wiesn-Preis schockiert Frauen

- Zehn Euro für zwei Tampons: Ein Preis auf einem Festzelt-WC auf der Wiesn sorgt für Empörung auf Social Media.
- Content-Creatorin Xphiara erzählt in einem TikTok-Video, wie sie beim Toilettenpersonal nach einem Tampon gefragt und den Preis genannt bekommen habe.
- Die Oktoberfest-Pressestelle verweist darauf, dass Menstruationsartikel in einigen Festzelten und an den Sanitätsstationen auf dem Gelände kostenlos erhältlich sind.
- Auch bei den Speisen und Getränken steigen die Preise: Die Mass Bier kostet 2026 im Schnitt 15,61 Euro – rund ein Drittel mehr als 2019.
«O'zapft is»: Seit letztem Samstag strömen Tausende Besucherinnen und Besucher ans Oktoberfest in München. Dass die Mass Festbier (1 Liter) von Jahr zu Jahr teurer wird, wissen viele. Nun sorgen aber andere Preise auf der Wiesn für Empörung. «Ich bin so schockiert», sagt Content-Creatorin Xphiara in einem Tiktok-Video. Sie erzählt, sie habe unerwartet ihre Tage bekommen. «Ich habe immer einen Ersatz-OB dabei.» Einige Zeit später habe sie diesen wechseln wollen.
Die Frauen, die sie in ihrem Festzelt nach einem Tampon gefragt habe, hätten ihr jedoch nicht aushelfen können. Deshalb sei sie zur Toilette gegangen. «Da gibt es immer Deo, Lollis, Kaugummis und da lagen auch OBs.» Sie habe die Angestellte gefragt, ob sie einen Tampon haben könne. Diese habe geantwortet: «Zwei OBs kosten zehn Euro.»
Die junge Frau kann es kaum fassen: «Ich verstehe, dass man auf der Wiesn Geld machen will. Alles ist hier teuer, okay. Aber ich stehe vor dir als eine Frau, die gerade mit ihrer Blutung überfordert ist und sich nicht selber helfen kann. Ich frage dich, ob du mir ein OB geben kannst. Dann wird mir gesagt: Zwei OBs, zehn Euro.» In welchem Festzelt Xphiara war, sagt sie nicht.
Es hagelt Kritik: «Das ist bodenlos»
Mit ihrer Kritik ist Xphiara nicht allein. Unter den mehr als 400 Kommentaren bezeichnen zahlreiche Frauen den Preis als «Frechheit», «No-Go» oder «bodenlos». Eine Nutzerin schreibt: «Selbst zehn Cent wären zu viel.» Andere kritisieren, dass mit Menstruationsprodukten überhaupt Geld verdient werde. Einige fordern, Tampons müssten kostenlos erhältlich sein. Viele halten den Preis zudem für überhöht. Zwei Tampons kosteten im Laden nur einen Bruchteil davon. «Im Laden wären das zwei Packungen», schreibt eine Nutzerin.
Ohne zu wissen, auf welcher Toilettenanlage der Content-Creatorin Tampons für fünf Euro pro Stück angeboten worden seien, könne die Oktoberfest-Pressestelle dem Fall nicht nachgehen, heisst es auf Anfrage. Verschiedene Festzelte böten auf ihren Toiletten kostenlose Hygieneprodukte an. Zudem seien Menstruationsartikel bei den Sanitätsstationen im Servicezentrum auf dem Gelände kostenlos erhältlich, teilt die Medienstelle mit.
Mass für 16 Euro, Brathendl für 18,50
Wer einen Tag auf der Wiesn plant, muss auch für die Verpflegung tief in die Tasche langen. Die Mass Festbier (1 Liter) kostet dieses Jahr im Durchschnitt 15,61 Euro (14,70 Franken). 2019 lag der Preis noch bei 11,71 Euro. Damit ist die Mass innert sechs Jahren um fast ein Drittel teurer geworden. Wer lieber Wasser trinkt, zahlt je nach Zelt für den Liter zwischen acht und 13,60 Euro. Die Getränkepreise werden von den Gastronomen selbst bestimmt.
Durchschnittspreise für eine Mass Bier seit 2019
- 2019: 11,71 Euro pro Mass
- 2020: Keine Wiesn wegen Corona
- 2021: Keine Wiesn wegen Corona
- 2022: 13,45 Euro pro Mass
- 2023: 14,33 Euro pro Mass
- 2024: 14,90 Euro pro Mass
- 2025: 15,33 Euro pro Mass
- 2026: 15,61 Euro pro Mass
Noch stärker haben die Preise der einzelnen Speisen angezogen. Käsespätzle kosteten 2025 laut der Stadt München 21,56 Euro. 2019 waren es noch 15,15 Euro. Beim halben Brathendl stieg der Durchschnittspreis von 12,15 auf 18,53 Euro. Das entspricht einem Plus von über 52 Prozent. Auch die Dampfnudel ist ein auffälliger Preissteigerer: Sie kostete vergangenes Jahr 13,67 Euro statt 8,86 Euro im Jahr 2019.
Wie viel würdest du an einer Veranstaltung für einen Tampon bezahlen?
Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin des Ressorts News.
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