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Friday, September 25, 2026

LCone: «Ich habe Angst, ein verbitterter alter Mann zu werden»

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  • Der Luzerner Rapper LCone (31) veröffentlicht mit «Walti» eine neue Single über einen verbitterten alten Mann – seine eigene Zukunftsvision.
  • Dahinter steckt eine persönliche Geschichte: LCone kämpfte in den letzten Jahren mit Depressionen und sozialem Rückzug.
  • Vor rund einem Jahr half ihm eine Kombination aus Therapie, Sport, Ernährung und Schlaf zurück ins Leben.

Walti sitzt in einer alten Beiz, trinkt Bier und wettert über das Leben. Er ist die Figur aus LCones neuer Single und wirkt auf den ersten Blick wie eine typische Festzelt-Karikatur. Doch hinter dem komischen alten Mann steckt eine sehr persönliche Angst des Luzerner Musikers.

«Walti bin eigentlich ich», sagt LCone (31) im Gespräch mit 20 Minuten. «Das ist eine Version von mir, von der ich Angst habe, dass sie real wird. Oder die vielleicht schon ein bisschen in mir schlummert.» Der Walti im Song ist ein verbitterter älterer Mann. Einer, der nicht aus seiner Komfortzone geht und nur das Negative im Leben sieht.

Für Livio Carlin, wie der Rapper bürgerlich heisst, ist diese Figur eine Art Warnsignal. «Die letzten Jahre habe ich mich viel abgekapselt und mit Depressionen gekämpft», erzählt er. Nach aussen habe vieles gut ausgesehen: Konzerte, Präsenz, Erfolg. Innerlich sei er aber immer stärker auf Distanz gegangen. «Durch das Zurückziehen wird man negativer und pessimistischer dem Leben gegenüber.»

«Die letzten Jahre habe ich mich viel abgekapselt und mit Depressionen gekämpft.»

«Die letzten Jahre habe ich mich viel abgekapselt und mit Depressionen gekämpft.»20min/Taddeo Cerletti

Dabei gehe es auch um die Unsicherheit des Erwachsenwerdens – mit Anfang dreissig merke er, dass Sorgen und Ängste mehr Raum einnähmen als früher. Im Freundeskreis würden erste Menschen Familien gründen. Das weckte auch bei ihm Fragen nach Einsamkeit, Beziehungen und Zukunft. «Ich würde mir schon wünschen, eine Familie zu haben», sagt er. «Gleichzeitig weiss ich auch: Ich bin noch nicht an diesem Punkt.»

LCone verspürte Lust auf das Leben – und änderte was

Vor rund einem Jahr habe sich bei ihm etwas verändert. «Ich hatte eine extreme Lust auf das Leben verspürt», sagt der 31‑Jährige. «Ich hatte das Gefühl: Da gibt es noch so viel mehr und ich muss jetzt ausbrechen.» Therapie, Sport, Ernährung und Schlaf hätten ihm dabei geholfen. Die oft bemühten Basics seien am Ende eben doch wichtig. «Ich bin jetzt kein anderer Mensch, aber ich habe einen Schritt auf das Leben zugemacht.»

Wie gehst du mit Phasen um, in denen dir alles zu viel wird?

LCone blickt auch kritisch auf seine Karriere – Erfolg, grosse Konzerte oder Auszeichnungen seien zwar schön. «Aber ich glaube, es geht nicht um Zuspruch von aussen», sagt er. «Es geht mehr um die Verbindungen und Erfahrungen, die man macht.» Genau diese Nähe zu anderen Menschen habe er in seiner Phase des Rückzugs verloren.

Musikalisch markiert «Walti» den Beginn einer neuen Ära. Für sein neues Studioalbum, an dem er zwei Jahre gearbeitet hat und das im Frühjahr 2027 erscheint, hat LCone mit dem Produzenten Zid zusammengearbeitet. Er habe «nicht mehr so Bock» auf «klassischen Rap von früher» gehabt. Stattdessen habe ihn das Songwriting gereizt: Lieder von Anfang bis Ende zu bauen, die mehr Facetten hätten.

«Humor ist auch ein Schutzmechanismus»

Seine Fans müssen sich deshalb auf Veränderungen einstellen. «Die Leute, die ein klassisches Rap-Album erwarten, werden vielleicht enttäuscht», kündigt er an. Es gebe zwar weiterhin Rap-Songs, aber auch viel mehr Raum für andere Einflüsse. Das Album sei vielseitig, persönlich und ehrlich – mit dem für LCone typischen Humor.

Dieser Humor ist für ihn allerdings nicht nur Unterhaltung. «Humor ist auch ein Schutzmechanismus», sagt er. Er mache sich oft selbst runter, bevor es andere tun könnten. Schwierige Themen verarbeite Livio oft mit Sarkasmus. Seine Kunstfigur und sein Privatleben trennt er heute weniger stark als früher. «Das bin mittlerweile einfach auch ich.»

Und was würde er seinem Zukunfts-Ich Walti sagen? LCone muss nicht lange überlegen: «Leg mal das Bier weg, komm aus deiner alten Beiz raus, geh an die Sonne und geh auf Leute zu, die du vielleicht noch nicht getroffen hast.» Seine Botschaft an Walti – und vielleicht auch an sich selbst: «Es ist noch nicht vorbei.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Psyfinder, qualifizierte Fachpersonen in deiner Nähe

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Gina Sergi

Gina Sergi (gis), Jahrgang 1997, arbeitet seit März 2024 bei 20 Minuten. Sie ist seit September 2025 Ressortleiterin People.

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