Flughafenmalaria in Frankfurt – Warum treten Malaria-Fälle an Flughäfen in Europa auf?

Rund um den internationalen Flughafen Frankfurt am Main erkrankten zwischen Juli und September 2026 acht Personen an der besonders gefährlichen Malaria tropica. Zwei von ihnen wohnten sogar mehrere Kilometer vom Flughafen entfernt und waren ebenfalls zuvor nicht verreist. Die Behörden gehen deshalb davon aus, dass infizierte Anopheles-Mücken mit Flugzeugen aus Malariagebieten eingeschleppt wurden. Drei der acht Erkrankten starben. Dies zeigt, wie gefährlich die Erkrankung bei verspäteter Diagnose sein kann. Barbara Reye beantwortet die wichtigsten Fragen.
Barbara Reye
Wissenschaftsredaktorin
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Barbara Reye ist Chemieingenieurin und langjährige, mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin. Ihre Spezialgebiete sind Infektionskrankheiten, Biodiversität und Verhaltensbiologie. Sie arbeitet seit 2024 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.
Sind lokale Malaria-Ansteckungen auch in der Schweiz möglich?
Es gab 1989 fünf lokale Ansteckungen in der Umgebung des Flughafens Genf oder zwei in den 1970er-Jahren beim Flughafen Zürich. Heute jedoch sind im Gegensatz zu früher die Schutzmassnahmen deutlich besser. Flugzeuge aus bestimmten Risikogebieten werden nach internationalen Vorgaben mit Insektiziden behandelt. Doch eine 100-prozentige Garantie ist dies nicht, wie die aktuellen Fälle in Frankfurt zeigen. Wichtig ist deshalb, dass Ärzte und Ärztinnen bei Symptomen wie hohem Fieber nach einem Mückenstich auch hierzulande Malaria mit auf dem Radar haben und sofort behandeln.
Könnte Malaria hier wieder heimisch werden?
Momentan nicht. Doch die Schweiz hatte früher tatsächlich eigene Malariagebiete, unter anderem etwa im Tessin, im Seeland und in der Rheinebene bei Basel. Durch Trockenlegungen von Sümpfen und verbesserte Lebensbedingungen sowie Medikamente zur Behandlung verschwand Malaria Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Schweiz. Der Mücken-Experte Pie Müller vom Swiss TPH hält deshalb eine dauerhafte Rückkehr der Krankheit für unwahrscheinlich. Hinzu käme, dass tropische Anopheles-Arten, welche Erreger der gefährlichen Malaria tropica übertragen können, den Winter bei uns auch nicht überleben würden.
Können auch Tigermücken Malaria-Erreger übertragen?
Nein. Nur bestimmte Arten von Anopheles-Mücken sind dazu in der Lage. Der Malaria-Erreger ist ein einzelliger Parasit der Gattung Plasmodium. Weltweit gibt es mehr als 400 Anopheles-Arten, von denen jedoch nur einige Dutzend als bedeutende Malaria-Überträger gelten. Besonders effizient ist Anopheles gambiae in Afrika südlich der Sahara, wo es auch aufgrund der schlechten Gesundheitsversorgung mit Abstand die höchste Krankheitslast gibt.
In der Schweiz und ihren Nachbarländern existieren zwar weiterhin noch vier Arten, die im Prinzip Malaria-Erreger übertragen können: Anopheles messae, Anopheles maculipennis, Anopheles claviger und Anopheles plumbeus. Da deren Populationen bei uns aber relativ gering ist und wir über ein gutes Gesundheitssystem verfügen, ist dies gemäss Pie Müller vom Swiss TPH derzeit keine Gefahr.
Warum ist Malaria eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt?
Malaria ist weit mehr als eine Tropenkrankheit für Reisende. Nach Angaben der WHO erkrankten 2024 weltweit über 280 Millionen Menschen, mehr als 600’000 starben daran. Umgerechnet bedeutet dies mehr als einen Todesfall pro Minute. Besonders betroffen sind Kinder unter fünf Jahren oder geschwächte Erwachsene in Afrika südlich der Sahara.
Was verursacht die Krankheitssymptome?
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Nur die weibliche Anopheles-Mücke sticht und überträgt Malaria, da sie das Blut für die Reifung ihrer Eier benötigt. Für ihren Entwicklungszyklus benötigen die Parasiten nicht nur die Mücke, sondern auch den Menschen.
Sticht eine bereits infizierte Mücke einen Menschen, gelangt der Malaria-Erreger mit dem Speichel der Mücke in die Blutbahn der betroffenen Person. Von dort wandert er in die Leber, wo er sich zu Tausenden Merozoiten vermehrt. Diese dringen in rote Blutkörperchen ein und lassen sie platzen.
Mit der Folge: Der Erkrankte leidet unter anderem unter Fieber, Schüttelfrost, zunehmender Blutarmut sowie einer Verstopfung der feinen Blutgefässe bei der Malaria tropica. Die Infektionskette schliesst sich, indem eine neue, noch nicht infizierte Mücke die Erreger bei einer Blutmahlzeit beim Erkrankten aufnimmt und somit weitere Personen ansteckt.
Die Fälle in Frankfurt zeigen, dass eine Krankheit, die in Europa fast vergessen ist, weltweit noch immer zu den grössten Gesundheitsproblemen zählt. Sie machen sichtbar, wie eng globaler Reiseverkehr und Gesundheit inzwischen verknüpft sind. Eine infizierte Mücke kann per Flugzeug nach Europa gelangen und Menschen anstecken, die nie in einem Malariagebiet waren.
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