Vorsicht! Diese Bilder zeigen nicht das Zugunglück von Toledo

Die Behauptung
Eine ausgebrannte Lok, Notfallhelfer in der Böschung und Bilder eines verunglückten Zugs. Alle sollen im Zusammenhang mit dem schweren Zugunglück zwischen Los Yébenes und Urda in Spanien stehen.
Die Bewertung
Die mit den Bildern verknüpfte Behauptung ist falsch. Die Bilder haben nichts mit der Katastrophe in Toledo zu tun. Eines zeigt noch nicht einmal eine reale Szene. Es wurde mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
Echt und aus Spanien, doch es gibt ein Aber
«Schockierende Bilder des Zugunglücks in Spanien, bei dem mindestens zehn Menschen ums Leben kamen», so heisst es in einem X-Post des argentinischen Newsportals tn.com.ar. Daneben sieht man ein Bild von einer ausgebrannten Lok (hier archiviert). Abgesetzt wurde dieser am 28. Oktober 2026, am Tag des Unglücks in der Provinz Toledo. Auch in dem verlinkten Artikel findet sich das Bild wieder, als Startbild des dortigen Videos (hier archiviert). Doch mit der Katastrophe mit mindestens 78 Toten (Stand: 28. Oktober, 19 Uhr) hat es nichts zu tun. Das zeigt die umgekehrte Bildersuche. Mit nur wenigen Klicks (siehe Box) lässt sich herausfinden, dass das Bild schon in den Tagen vor dem Zugunglück online kursierte. Damit kann es nicht das aktuelle Ereignis zeigen.
So geht Bilderrückwärtssuche
Wie gehst du mit Bildern um, die nach einem Unglück in den sozialen Medien auftauchen?
Die Bilderrückwärtssuche führt zu gleich mehreren Artikeln (zum Beispiel hier und hier sowie hier und hier archiviert). Darin – und auch in der KI-generierten Übersicht – erfährt man, dass die Aufnahme echt ist, aber in einem anderen Zusammenhang entstanden ist.
Demnach zeigt das Foto einen ausgebrannten Teil eines Renfe-Hochgeschwindigkeitszugs, der am 12. Oktober 2026 auf der Strecke Madrid–Barcelona in Brand geraten war und für ein grosses Verkehrschaos gesorgt hatte. Die von der KI zusammengestellten Angaben werden durch verschiedene Medien bestätigt, etwa durch «El País» (hier archiviert). Der dort erschienene Artikel enthält auch ein Video von den Löscharbeiten. Darin finden sich dieselben Details wieder wie auf dem aus dem Zusammenhang gerissenen Foto.
KI-generiert
In den sozialen Medien kursierte am Mittwoch auch dieses Bild eines von Krankenwagen, einem Hubschrauber sowie Helfenden umgebenen Hochgeschwindigkeitszuges (etwa hier, hier archiviert). Die Caption stellt klar einen Bezug zu dem Zugunglück am Mittwoch her. Auch der Schriftzug «Renfe» auf der Zugspitze verweist nach Spanien. Genauso wie der Aufdruck «Bomberos» (spanisch für Feuerwehrleute). Doch das Bild weist Auffälligkeiten auf, die Zweifel an seiner Echtheit wecken. So fehlt zum Beispiel jede Spur vom zweiten am Unglück beteiligten Zug. Auch Beschädigungen, wie sie bei einem Zusammenstoss wie am Mittwoch vorkommen, sind nicht zu entdecken. Dafür finden sich für KI typische Bildfehler wie Wisch- und Verschmelzungseffekte:
Dass die im Bild enthaltenen Hinweise auf KI nicht täuschen, bestätigt der SynthID-Detektor von Google, der neuerdings für jedermann frei zugänglich ist. Er erkennt in dem Bild klar Spuren von KI. Sein Urteil lautet: «SynthID wurde erkannt. Dieses Medium wurde mit Google KI erstellt oder bearbeitet.» Das belegt: Das Bild zeigt keine reale Szene. Es wurde mithilfe von künstlicher Intelligenz erschaffen.
Was ist SynthID?
SynthID ist eine von Google Deepmind entwickelte Technologie, die KI-generierte Inhalte mit für das menschliche Auge unsichtbaren digitalen Wasserzeichen kennzeichnet. Diese werden direkt im Inhalt verankert und ermöglichen es, später zu erkennen, ob ein Text, Bild oder anderes Medium von einem KI-Modell erstellt wurde.
Andere Zeit, anderer Ort, aber echt
Auch dieses Bild eines verunglückten Zugs kursiert derzeit (etwa hier, hier archiviert). Der Renfe-Schriftzug auf der Zugspitze passt zwar – beim aktuellen Unglück war ein Zug von Renfe beteiligt –, doch mit diesem hat das Bild überhaupt nichts zu tun. Das zeigt auch hier die Bilderrückwärtssuche. Sie führt zu zahlreichen Medienberichten aus dem Januar 2026, die den Zusammenstoss zweier Hochgeschwindigkeitszüge im spanischen Adamuz thematisieren (etwa hier und hier sowie hier und hier archiviert). Die Bildcredits verweisen jeweils auf die Bildagentur Reuters.
Fazit
Die verbreiteten Bilder belegen das Zugunglück bei Los Yébenes und Urda nicht. Zwar stammen einzelne Aufnahmen tatsächlich aus Spanien, sie zeigen jedoch frühere, unabhängige Ereignisse. Ein weiteres Bild wurde mithilfe von KI erstellt und zeigt kein reales Ereignis. Die Beispiele zeigen einmal mehr, wie wichtig genaues Hinsehen bei viralen Inhalten ist.
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