Umstrittener Kampfjet-Kauf – Pfister: «Wir gehen davon aus, dass es für 30 F-35 reichen wird»

Im Kreuzfeuer der Kritik am F‑35‑Deal steht der Bundesrat – insbesondere Verteidigungsminister Martin Pfister. Nun nimmt er erstmals konkret Stellung.
Martin Pfister
Bundesrat
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Martin Pfister wurde 1963 in Zug geboren. Im März 2025 wurde er in den Bundesrat gewählt und steht seither dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport vor. Von 2016 bis 2025 war der Mitte-Politiker zudem Regierungsrat und Gesundheitsminister im Kanton Zug. Martin Pfister hat Geschichte und Germanistik studiert und ist ausgebildeter Lehrer. Zudem war er Oberst und während acht Jahren in der Führung der Katastrophenhilfe aktiv.
SRF News: In Texas werden die ersten Schweizer F-35 montiert. Wissen wir jetzt, wie viel die Flieger kosten?
Bundesrat Martin Pfister: Bei den ersten wissen wir, wie viel sie kosten. Die nächsten Tranchen sind von der US-Regierung noch nicht mit dem Hersteller verhandelt.
Wir wissen also nicht, ob das Geld reicht für 30 Flugzeuge.
Wir wissen das noch nicht genau, aber wir gehen aufgrund von Berechnungen und von Gesprächen mit den Amerikanern davon aus, dass es für 30 Flieger reichen wird.
Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) hat festgehalten, dass es keinen Fixpreis gegeben hat. Das VBS und Ihre Vorgängerin Viola Amherd haben aber jahrelang vehement daran festgehalten. Sind wir angelogen worden, oder hat man selbst daran geglaubt?
Der Bericht stellt fest, dass man daran geglaubt hat, und man einiges unternommen hat, um das zu bestätigen. Fest steht heute: Wir haben keinen Fixpreis, und das ist ein Problem.
Heute muss man sagen: Es war keine gute Idee, einen Fixpreis zu verhandeln und zu verlangen.
War man naiv, oder sind wir übers Ohr gehauen worden?
Der Bericht stellt fest, dass man alles unternommen hat, um so einen Fixpreis zu verhandeln. Aber heute muss man sagen: Es war keine gute Idee, einen Fixpreis zu verhandeln und zu verlangen.
Fast schon schockierend ist, dass nur wenige diesen Vertrag wirklich gelesen haben. Können Sie sich das erklären?
Bei mir müssen alle Verträge gut gelesen werden, und auch ich beschäftige mich mit den Verträgen. Ich kann mir das nicht erklären.
Ein solcher amerikanischer Vertrag ist gar nicht so einfach zu verstehen, mit all den juristischen Hintergründen.
Es stellt sich auch die Frage, welche Verträge gelesen wurden, es gibt ja verschiedene. Ich gehe davon aus, dass die wichtigsten Verträge von den wichtigsten Leuten schon gelesen worden sind.
Haben Sie den F-35-Vertrag gelesen?
Ja, ich habe ihn bei mir. Ich brauche aber Unterstützung für die einzelnen Passagen, denn ein solcher amerikanischer Vertrag ist gar nicht so einfach zu verstehen, mit all den juristischen Hintergründen.
Haben Sie mit Viola Amherd Kontakt gehabt in den letzten Monaten?
Ich habe mich mit ihr ausgetauscht. Aber selbstverständlich liegt mein Fokus jetzt darauf, dass wir die richtigen Lehren ziehen, dass wir das Vertrauen ins VBS wiederherstellen und dass wir in dieser schwierigen sicherheitspolitischen Situation unsere Verteidigungsbereitschaft wiederherstellen können.
Haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen im Austausch mit Viola Amherd?
Nein. Ich habe mich über gewisse Fragen ausgetauscht, auch nachgefragt, aber keine neuen Erkenntnisse gewonnen.
Welche Lehren zieht das VBS aus diesem Debakel?
Ich habe bereits zu Beginn meiner Amtszeit entsprechende Massnahmen getroffen, weil offensichtlich ist, dass das Vertrauen in das VBS eine wichtige Ressource ist, die nicht genügend vorhanden ist. Ich habe eine eigene Abteilung geschaffen, die alle Projekte, insbesondere die grossen Projekte, sehr eng begleitet.
Schlaflose Nächte hatte ich deswegen nicht, aber ein paar kürzere schon.
Und dann setze ich auch ganz konsequent und entschlossen auf Transparenz und Offenheit, auch wenn man ein Problem hat, dass man dazu steht, und auch offen kommuniziert.
Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie wegen des F-35?
Der F-35 ist ein sehr anspruchsvolles Projekt mit einer langen und schwierigen Vorgeschichte. Trotzdem ist es für die Sicherheit der Schweiz ein sehr wichtiges Projekt. Das Flugzeug ist ein wichtiger Bestandteil der Sicherheit des Luftraums der Schweiz, und deshalb befasse ich mich viel damit. Schlaflose Nächte hatte ich deswegen nicht, aber ein paar kürzere schon.
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