Logistiker Speedaf – Chinesischer Paketdienst bläst zum Angriff auf die Post

Logistiker Speedaf Chinesischer Paketdienst bläst zum Angriff auf die Post
Temu und Shein lassen die Paketflut in die Schweiz weiter anwachsen. Profitieren will davon ein chinesischer Logistiker.
Massive Werbung und aggressive Tiefpreise: Die chinesischen Internethändler Temu und Shein sind in der Schweiz bereits fest etabliert – und graben den hiesigen Online-Shops rasant Marktanteile ab.
Nun drängt auch eine chinesische Logistikfirma auf den Schweizer Markt: So baut Speedaf derzeit ein Paketnetz bei uns auf, das nach Ansicht von ETH-Experte Stephan Wagner rasch eine relevante Grösse erreichen könnte.
Ernstzunehmende Konkurrenz für Post und DPD
Denn die vorgesehene Sortierkapazität von bis zu 50'000 Paketen pro Tag sei für einen Neueinsteiger substanziell, sagt der Logistikprofessor. Bei voller Auslastung entspreche dies rund 15 Millionen Paketen pro Jahr.
Speedaf könnte den dominierenden Logistikern – der Post und DPD – auch preislich Druck machen. Über die Preisstrukturen könne man heute zwar erst wenig sagen, relativiert Wagner. Aber: «Es kann sein, dass der Paketversand günstiger wird – wenn auch eher mittelfristig.»
Und: Im wachsenden Paketmarkt sei durchaus Platz für einen weiteren starken Player. Gerade auch, weil der Import an Paketen aus China stark anwächst. «Und genau auf dieses Feld will sich Speedaf zunächst fokussieren», so der ETH-Experte.
Verteilzentren in Zürich, Bern und Lausanne
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Speedaf baut derzeit ein eigenes Schweizer Paketnetz auf. Geplant sind ein rund 4000 Quadratmeter grosses Sortierzentrum für bis zu 50'000 Sendungen täglich sowie regionale Verteilzentren in Zürich, Bern und Lausanne.
Der 2019 gegründete Logistiker ist seit wenigen Monaten in der Schweiz aktiv. International ist er bereits in mehr als 30 Ländern tätig und befördert unter anderem Pakete von Shein, Temu und Aliexpress. Zu den Gründungsaktionären gehört der chinesische Paketriese ZTO Express. (sda)
Chinesische Logistiker wollten zunehmend den internationalen Transport bis hin zur letzten Meile in Europa selbst organisieren, so Wagner. Sollte sich Speedaf über den internationalen Paketversand fest in der Schweiz etablieren, könnte der chinesische Logistiker zur ernstzunehmenden Konkurrentin für die Post werden.
«Wenn das Netzwerk stabil und die Lieferung zuverlässig ist, könnten auch Schweizer Versandhändler und KMU auf Speedaf umsteigen», schätzt Wagner. «Das wäre sicherlich eine Gefahr für die Post.»
Kleinräumigkeit der Schweiz als Vorteil
Und: Für den Aufbau eines landesweiten Netzes sei die kompakte Geografie der Schweiz grundsätzlich von Vorteil, erklärt der ETH-Experte: «Mit einem Verteilzentrum und einigen Depots kann man hier schnell Fläche machen. In grösseren Ländern wie etwa Frankreich ist das nicht so einfach.»
Allerdings seien die Kosten hoch. Dass Speedaf für die letzte Meile auf lokale Zustellpartner setzen will, hält Wagner deshalb für sinnvoll. Dies ermögliche den Markteintritt, ohne zunächst eine eigene Fahrzeugflotte und eine grosse Zahl von Zustellern aufbauen zu müssen.
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