Demonstrationen gegen Rechts: 100.000 Gründe für Hoffnung

Mehr als 100.000 Menschen haben am Wochenende gegen Rechts demonstriert. Dabei ging es auch fröhlich zu. Diesen unverdrossenen Einsatz brauchen wir.
E s gab an diesem Wochenende wieder viele Gründe, Angst zu bekommen – vor der künstlichen Intelligenz, die laut Experten schon in einem halben Jahr außer Kontrolle geraten könnte, und vor der menschlichen Dummheit, die Kriege weiter eskalieren lässt und die laut Umfragen zu weiteren AfD-Erfolgen bei den Landtagswahlen am kommenden Sonntag beitragen dürfte. Aber es gab auch mehr als 100.000 Gründe, Hoffnung zu schöpfen.
Mehr als 100.000 Menschen haben sich von all den Horrorszenarien nicht einschüchtern lassen. Sie wurden aktiv, gingen unverdrossen auf die Straße, um bei zwei CSD-Umzügen in Halle und Wismar für queere Rechte sowie bei zahlreichen weiteren Demonstrationen für Vielfalt und gegen den Rechtsruck in ganz Deutschland einzutreten.
Man kann jetzt lange darüber sinnieren, ob die Zahl der Demonstrierenden angesichts der akuten Gefahr einer Machtübernahme durch die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern eher hoch oder zu niedrig ist. Das Engagement der 100.000 ist auf jeden Fall besser, als nichts zu tun, hadernd auf dem Sofa oder am Schreibtisch zu sitzen und zu beklagen, dass niemand den Vormarsch der AfD stoppt.
Eine politische Wende haben die 100.000 sicher noch nicht bewirkt. Natürlich nicht. Aber es geht auch schlicht und einfach darum, deutlich zu machen, dass die AfD mit Gegenwehr rechnen muss, wenn sie ihre Gewaltfantasien gegen Minderheiten und Andersdenkende auszuleben versucht. Es geht darum, dass sich jemand für den Schutz ihrer potenziellen Opfer einsetzt und Menschen überall stabil solidarisch bleiben.
Wichtiger als die Gesamtzahl war deshalb die regionale Verteilung. Es hat keineswegs nur die übliche linke Bubble in Berlin-Mitte demonstriert, sondern Menschen im ganzen Land, im Osten und Westen, im Norden und Süden.
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Darauf lässt sich aufbauen, wenn der Protest wie auf vielen Demos am Wochenende kreativ, bunt, gewaltfrei und, ja, auch fröhlich artikuliert wird. Miesepeter gibt es in der Parteipolitik genug. Auch deshalb haben sie gegen den rechtsextremen Strahlemann Siegmund verloren. Wenn der Einsatz für die Demokratie größer werden soll, was dringend nötig ist, muss er für möglichst viele Menschen attraktiv wirken.
Einfach nur für ein AfD-Verbot zu sein, wird dafür nicht reichen. Über die Verbotsforderung ist man sich nicht einmal im linken Lager einig. Sie wirkt auf viele undemokratisch, erst recht direkt vor oder nach Wahlen. Zudem wird sie kaum die Menschen überzeugen, die zur AfD neigen. Im Gegenteil. Selbstbewusst für Vielfalt und konkrete Ziele zu kämpfen, wie auf den CSDs, ist viel aussichtsreicher. Hoffentlich.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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