Warum Stadt und Land teils so unterschiedlich wählen
Nur vier Parteien sind im Parlament in Mecklenburg-Vorpommern: die AfD als stärkste Kraft, gefolgt von SPD, Linken und Grünen. Die CDU schafft es nicht.
21.09.2026 | 2:30 min47,3 Prozent holte die AfD im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I, es war der höchste Anteil an Zweitstimmen bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. In den strukturschwachen Gebieten Ostdeutschlands verstehe es die AfD, sich als "Kümmerer-Partei" darzustellen, erklärt die Sozialforscherin Katja Salomo von der Universität Kassel.
Das gehe hin bis zu Fahrdiensten - so etwas sei bei der CDU ausgeschlossen. Auch treffe die Demografie die etablierten Parteien: Der CDU fehle ähnlich wie Unternehmen in Ostdeutschland schlicht der Nachwuchs. Höher Qualifizierte wanderten ab, das gelte vor allem für junge Frauen, die es häufiger in die Städte zieht.
Erststimme: Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern
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Auch das Geschlecht spielt eine Rolle
Seit einigen Jahren werde die Schere zwischen Stadt und Land bei Wahlen immer größer, sagt auch Dominik Hirndorf, Referent für Wahlforschung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Alter, Geschlecht und Bildungsniveau spielten dabei eine große Rolle - ein "modern gender gap".
Formal niedrig gebildete junge Männer auf dem Land wählen besonders häufig AfD, während formal hoch gebildete Frauen in den Städten besonders häufig links wählen - das wird auch sichtbar bei den Ergebnissen der Wahl in Berlin. Dort wählten 51 Prozent der Frauen unter 25 Jahren die Linke.
Erststimme: Abgeordnetenhauswahl Berlin
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Forscher: Schere zwischen Realität und Wahrnehmung
AfD-Wähler seien zudem stark motiviert durch das Thema "Migration", stellt Hirndorf fest. Das Thema spiele bei den Wahlunterschieden zwischen Stadt und Land eine besondere Rolle. Hirndorf spricht von einer "Realitäts- und Wahrnehmungsschere".
Auch die Soziologin Salomo sieht darin eine Erklärung: Migranten ziehen häufiger in Städte, wo es Jobs gibt. So werde das Bild von Migration auf dem Land seltener durch eigenes Erleben in Nachbarschaft oder bei der Arbeit geprägt als vielmehr durch Medien mit Negativberichterstattung. "Wer das Gefühl hat, es geht mit Deutschland bergab, ist offener für die AfD", sagt Wahlforscher Hirndorf.
Warum Niedersachsen eine Ausnahme darstellt
Bei den starken AfD-Wahlergebnissen führe die Erklärung von "Abgehängten auf dem Land" aber in die Irre, betont Hirndorf. Denn es gehe weniger um die eigene wirtschaftliche Lage, sondern eher um das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Im Osten Deutschlands spiele zudem eine geringere Parteibindung eine Rolle. Hirndorf unterstreicht zugleich, dass die CDU im ländlichen Raum weiter erfolgreich sein könne, das hätten gerade erst die Kommunalwahlen in Niedersachsen gezeigt:
Ein Trend kann auch wieder gedreht werden.
Dominik Hirndorf, Referent für Wahlforschung bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
Beispielsweise habe es einen Einfluss auf das Wahlverhalten, wenn die eigene Region als wirtschaftlich stark wahrgenommen werde. Und Sozialforscherin Salomo unterstreicht: Ob eine Partei wie die AfD durch ihre Verankerung auf dem Land tatsächlich Volkspartei sei, werde sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
Dorthe Ferber ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in den heute-Nachrichten am 23.09.2026 ab 19 Uhr.
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