Trump-Leute sollen sich in Schweizer Verfahren eingemischt haben

- Hochrangige US-Regierungsvertreter sollen versucht haben, Einfluss auf ein Schweizer Geldwäschereiverfahren gegen den Venezolaner Alejandro Betancourt zu nehmen.
- Vize-Aussenminister Christopher Landau, Ex-Justizministerin Pam Bondi und Ex-Vize-Justizminister Todd Blanche kontaktierten demnach Schweizer Behörden.
- Statt festgenommen zu werden, erhielt Betancourt ein US-Visum und reiste mindestens zweimal in die USA ein.
Hochrangige US-Regierungsvertreter sollen versucht haben, Einfluss auf ein Schweizer Strafverfahren gegen den venezolanischen Geschäftsmann Alejandro Betancourt zu nehmen. Das berichtet die «Washington Post» unter Berufung auf mehrere mit dem Fall vertraute Personen. Die Schweiz ermittelt gegen den 46-Jährigen wegen des Verdachts auf Geldwäscherei. Betancourt bestreitet jegliches Fehlverhalten und wurde bislang weder in der Schweiz noch in den USA, Spanien oder Venezuela angeklagt.
Brisant ist der Fall, weil Betancourt inzwischen eine wichtige Rolle in der Venezuela-Politik der Trump-Regierung spielen soll. Sein Unternehmen ist laut Bericht der zweitgrösste private Ölproduzent Venezuelas. Betancourt fungiere zudem als Vermittler zwischen Washington und der venezolanischen Übergangsregierung um Delcy Rodríguez. Ein früherer Trump-Berater bezeichnete ihn als «wichtigen Verbündeten» der USA.
US-Spitzenbeamte kontaktierten Schweizer Behörden
Laut «Washington Post» wandten sich mehrere hochrangige US-Vertreter direkt an Schweizer Stellen. Im Januar soll Vize-Aussenminister Christopher Landau das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA wegen Betancourt kontaktiert haben. Im Februar sprach die damalige US-Justizministerin Pam Bondi demnach mit dem Schweizer Bundesanwalt über das Verfahren.
Im März nahm zudem der damalige stellvertretende US-Justizminister Todd Blanche an einem Gespräch mit Schweizer Staatsanwälten teil. Dabei soll er erklärt haben, für die USA sei es wichtig, dass Betancourt frei reisen könne. Eine Lösung des Verfahrens ohne strafrechtliche Sanktionen sei vorzuziehen. Das US-Justizministerium wollte die Gespräche gegenüber der Zeitung nicht kommentieren.
Schweiz wollte ihn in den USA festnehmen lassen
Betancourt war 2025 in Grossbritannien zweimal festgenommen worden, unter anderem aufgrund eines Schweizer Ersuchens. Während über seine Auslieferung entschieden wurde, durfte er Grossbritannien zeitweise nicht verlassen. Im Mai 2026 zog die Schweiz das britische Auslieferungsersuchen zurück. Das Strafverfahren selbst läuft laut Zürcher Staatsanwaltschaft jedoch weiter.
Gleichzeitig verlängerten die Schweizer Behörden laut «Washington Post» einen internationalen Haftbefehl und ersuchten das US-Justizministerium, Betancourt festzunehmen, sollte er in die USA reisen. Washington habe darauf bislang nicht reagiert.
Statt Festnahme erhielt er US-Visum
Stattdessen erhielt Betancourt dem Bericht zufolge ein einjähriges Visum für mehrfache Einreisen. Seitdem sei er mindestens zweimal in die USA gereist und habe sich dort mit Vertretern der Trump-Regierung getroffen.
Der Hintergrund der Schweizer Ermittlungen reicht Jahre zurück. 2019 eröffneten Zürcher Strafverfolger ein Geldwäschereiverfahren. Im Zentrum stehen Gelder aus einem Kreditsystem rund um den venezolanischen staatlichen Ölkonzern PDVSA. US-Ermittler werfen Beteiligten an diesem System vor, mehr als eine Milliarde Dollar aus dem Konzern abgezweigt zu haben. Betancourt wurde in diesem Zusammenhang jedoch nicht angeklagt.
Schlüsselrolle im venezolanischen Ölgeschäft
Nach dem US-Militäreinsatz und der Gefangennahme von Nicolás Maduro am 3. Januar gewann Betancourt laut dem Bericht weiter an Bedeutung. Er soll direkten Zugang zur venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez und zum staatlichen Ölkonzern PDVSA haben. Washington habe Rodríguez klargemacht, dass Betancourt bei Fragen rund um die Ölindustrie als zentraler Vermittler eingebunden werden müsse.
Das US-Aussenministerium wollte sich gegenüber der «Washington Post» weder zu Betancourts Rolle noch zu einzelnen Visa-Fällen äussern. Das US-Justizministerium erklärte allgemein, bei parallelen Ermittlungen verschiedener Staaten gebe es mitunter konkurrierende Rechtshilfeersuchen, die geprüft werden müssten.
Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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