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Monday, November 2, 2026

«Meine Gesundheit litt darunter»: Gemeinderat zieht Reissleine

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  • Der gesamte siebenköpfige Gemeinderat von Brienzwiler ist am Montag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.
  • Gemeindepräsident Adrian Schild nennt anhaltende Kritik der Gruppierung «Pro Brienzwiler» und persönliche Angriffe als Grund.
  • «Pro Brienzwiler» wollte laut Christian Schranz nur drei Mitglieder zum Rücktritt bewegen und will bei den Neuwahlen kandidieren.
  • Die Neuwahl der Exekutive ist für den 9. Dezember angesetzt.

«Bei immer wiederkehrender Kritik kann man sich irgendwann nicht mehr entfalten und seine Arbeit richtig machen»: So erklärt Adrian Schild den geschlossenen Rücktritt des Brienzwiler Gemeinderats. Der Entscheid sei vergangene Woche an einer ausserordentlichen Sitzung gefallen, sagt der ehemalige Gemeindepräsident zu 20 Minuten.

Der gesamte siebenköpfige Gemeinderat gab am Freitag seinen sofortigen Rücktritt bekannt, am Montag wurden die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Brienzwiler informiert. Zuvor hatte die Gemeinde von einer erheblichen persönlichen Belastung für Behördenmitglieder, Mitarbeitende und ihre Familien gesprochen. Das Regierungsstatthalteramt ist informiert; am 9. Dezember soll die Bevölkerung eine neue Exekutive wählen.

«Diverse persönliche Angriffe»

«Ausschlaggebend waren für uns diverse persönliche Angriffe unserer Mitglieder.» Bereits die Kündigung des «fähigen» Gemeindeschreibers Ende September habe viel ausgelöst. Danach sei die Kritik der Gruppe «Pro Brienzwiler» für den Rat zu viel geworden.

Seit rund einem Jahr sei die Stimmung im Dorf angespannt – vor allem wegen Tempo 30 und des Wechsels der Finanzverwaltung. Der Gemeinderat habe das Gespräch mit «Pro Brienzwiler» gesucht, eine Aufsichtsbehörde und eine neutrale private Firma beigezogen sowie an einem runden Tisch diskutiert. «Keine Einsicht. Alles hat nichts gebracht», so Schild. Rückblickend räumt er ein, dass der Rat rund um Tempo 30 besser hätte kommunizieren können.

Adrian Schild war bisher Gemeindepräsident von Brienzwiler. Im Interview mit 20 Minuten erzählt er, was ihn und seine Kolleginnen und Kollegen zum Rücktritt bewogen hat.

Adrian Schild war bisher Gemeindepräsident von Brienzwiler. Im Interview mit 20 Minuten erzählt er, was ihn und seine Kolleginnen und Kollegen zum Rücktritt bewogen hat.Privat

«Ich wollte etwas Gutes tun»

Schild war seit Januar 2025 Gemeindepräsident. «Ich wollt etwas Gutes tun und war schon vorher im Gemeinderat. Jetzt ist es ausgeartet und ich kann nicht mehr dahinterstehen.» Der Druck habe sich auf seine Gesundheit und sein Umfeld ausgewirkt. «Meine Gesundheit und mein Umfeld litten darunter, also musste ich einen Schlussstrich ziehen.»

Für die sieben Gemeinderatsmitglieder sei klar gewesen: «Wenn man bedenkt, wie viel Freizeit wir für unsere Ämter aufopfern und dafür keinerlei Dank spüren, muss man sich überlegen, ob man das noch weitermachen will. Und bei uns allen war die Antwort: Nein.»

Den künftigen Gemeinderatsmitgliedern wünscht Schild trotz allem nur das Beste: «Hoffentlich schaffen sie das, was wir offenbar nicht hinbekommen haben.»

Wie beurteilst du den geschlossenen Rücktritt des Brienzwiler Gemeinderats nach der anhaltenden Kritik?

Gruppe «Pro Brienzwiler» wollte keinen Gesamtrücktritt

Wie der «Blick» berichtete, richteten sich die Rücktrittsforderungen von «Pro Brienzwiler» nicht gegen die gesamte Exekutive. Die Gruppierung verlangte demnach den Rücktritt von drei Gemeinderatsmitgliedern, darunter auch von Schild.

Aus Sicht der Kritiker sorgten mehrere Punkte für Unmut: der Wechsel der externen Finanzverwaltung und die personelle Aufstockung in der Verwaltung, die höhere Kosten verursacht hätten. Zudem kritisierte «Pro Brienzwiler» lange Bearbeitungszeiten bei Baugesuchen. Die Gemeinde betont jedoch, dass keine finanzielle Notlage bestehe: Die Jahresrechnung 2025 weise einen Ertragsüberschuss von 197’539.74 Franken aus.

Auch Tempo 30 bleibt ein Reizthema. Die Gruppe hatte die Massnahme bekämpft, scheiterte mit ihrer Beschwerde aber. Sie verwies dennoch auf aus ihrer Sicht bestehende Verfahrensfehler. Nun will «Pro Brienzwiler» selbst Verantwortung übernehmen und bei den Neuwahlen kandidieren.

Zoé Stoller

Zoé Stoller (sto) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten und ist stellvertretende Leiterin des Ressorts Regionen.

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