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Sunday, November 1, 2026

Farmer Ken: «Wir brauchen Migranten, aber nur auf legalem Weg»

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  • Im US-Bundesstaat Wisconsin im Mittleren Westen der USA arbeiten viele Menschen in der Landwirtschaft. Viele der Angestellten auf den Höfen stammen aus Mittel- und Südamerika.
  • Farmer John Rosenow etwa stellt 13 mexikanischstämmige Arbeiter an. John sagt, ohne sie müsste er seine Tiere verkaufen.
  • Er kann nicht nachvollziehen, weshalb Bauern Trump unterstützen, obwohl dessen Einwanderungspolitik aus seiner Sicht ihre Betriebe gefährden könnte.
  • Anders sieht das Farmer Ken Custer. Er unterstützt weiterhin Trump und die Republikaner und befürwortet strengere Kontrollen. Gleichzeitig sagt er, die Landwirtschaft brauche migrantische Arbeitskräfte und der legale Zugang müsse erleichtert werden.

Mit dem Golfwagen braust John Rosenow über den Hof, neben ihm sitzt die kleine Hündin Jess. Der 76-Jährige öffnet die Tür zum Büro, das gleich neben dem Melkstand ist, wo sein Mitarbeiter Jaime seit drei Uhr morgens arbeitet.

John müsste noch einen kaputten Motor reparieren. Aber erst einmal setzt er sich in den Bürostuhl und erzählt von seiner Farm. «Zusammen mit meiner Frau bewirtschafte ich rund 400 Hektaren Land im Westen Wisconsins.» 700 Milchkühe stehen auf dem Hof, jeden Tag verkauft der Betrieb mehr als 22 Tonnen Milch.

«Mexikaner einzustellen war unsere letzte Wahl»

Dass all das funktioniert, verdanke er seinen Mitarbeitenden, sagt John. 18 Menschen arbeiten für ihn, 13 von ihnen stammen aus Mexiko. «Ohne sie wären wir nichts.» Dabei habe er sich zunächst dagegen gesträubt, Hispanics einzustellen. Er habe kein Spanisch gesprochen und sich Sorgen wegen der Papiere gemacht. Doch die Suche nach zuverlässigen Arbeitskräften sei immer schwieriger geworden. 1998 stellte er schliesslich seinen ersten mexikanischen Mitarbeiter ein. «Es war nicht unsere erste Wahl, es war unsere letzte», sagt John.

Rosenows Hof liefert täglich über 22 Tonnen Milch. Im Stall der Farm im Westen Wisconsins sorgt sich der Farmer vor Razzien der Einwanderungsbehörde ICE.

Rosenows Hof liefert täglich über 22 Tonnen Milch. Im Stall der Farm im Westen Wisconsins sorgt sich der Farmer vor Razzien der Einwanderungsbehörde ICE.20min/cat

Der Mann habe genauso angepackt wie er selbst. Nach und nach kamen weitere dazu. Inzwischen arbeiten auf dem Hof Brüder, Cousins, Väter und Söhne. Aus Johns grösstem Problem, der Personalsuche, sei eine seiner kleinsten Sorgen geworden. Zumindest, solange seine Mitarbeitenden bleiben können.

Denn Wisconsins Landwirtschaft ist auf Migranten, vor allem hispanische, angewiesen. Schätzungen zufolge machen Arbeitskräfte ohne geregelten Aufenthaltsstatus rund 70 Prozent der Beschäftigten auf den Milchfarmen aus. Gleichzeitig steht das Landwirtschaftsvisum grundsätzlich nur für saisonale Arbeit zur Verfügung. «Aber eine Kuh muss auch nach der Erntesaison gemolken werden», so John.

«Geld für meine Familie ist wichtiger, als bei ihnen zu sein»

Einer der Menschen, der diesen Job übernimmt, ist Ramón. Der 33-Jährige arbeitet seit drei Jahren auf Johns Farm. Wenn er zeigen will, weshalb er hier ist, holt er sein Handy hervor. Darauf sind Bilder seiner elfjährigen Tochter, seines sechsjährigen Sohnes. Und eines Hauses in Mexiko, das gerade entsteht. «Es wird aus Ziegeln gebaut, nicht mehr aus Holz», erzählt er stolz auf Spanisch.

«Ich komme aus dem Bundesstaat Veracruz, meine Frau und die Kinder leben noch immer dort.» Viele Jobs gebe es dort nicht, bis vor drei Jahren habe er sich mit Gelegenheitsarbeiten durchgeschlagen, doch das Geld habe nie richtig gereicht. «Einige meiner Onkel arbeiteten bereits in den USA. Als ich sah, was sie sich auf einmal leisten konnten, tat ich es ihnen gleich.»

Nun arbeitet Ramón sechs Tage pro Woche, ungefähr zehn Stunden am Tag. Das sei viel, aber inzwischen normal für ihn. Er möge die Arbeit, sein Bruder sei hier, er habe Freunde gefunden. Auch die Kühe liebe er mittlerweile. Seine Familie fehle ihm trotzdem. «Ich kann nur per Telefon Kontakt halten, nach Hause zu reisen, ist zu teuer und aufwendig.» Er wolle möglichst viel von seinem Lohn schicken, damit die Kinder genug zu essen hätten und zur Schule gehen könnten. «Im Moment ist das wichtiger, als bei ihnen zu sein.»

«Kein Bürogebäude, wo man einfach Licht ausmachen kann»

John habe sich widerwillig darauf vorbereitet, dass Leute wie Ramón eines Tages fehlen könnten. In einer Schublade seines Büros liegt die Telefonnummer eines Interessenten für seine Kühe. Sollte die Einwanderungsbehörde ICE seine Mitarbeitenden mitnehmen, müsste er die Tiere schnell abgeben, damit diese nicht litten. «Das ist kein Bürogebäude, in dem man einfach das Licht ausmacht.»

«Warum stimmen Menschen gegen ihre eigenen Interessen? Darauf habe ich keine Antwort.»

John Rosenow, Bauer in Wisconsin

John versteht deshalb nicht, weshalb so viele Farmer einen Präsidenten unterstützen, der ihnen die wichtigsten Arbeitskräfte nehmen könnte. «Warum stimmen Menschen gegen ihre eigenen Interessen? Darauf habe ich keine Antwort.»

Auch sonst haben ihm die vergangenen knapp zwei Jahre wenig Grund gegeben, mit Trump zufrieden zu sein. Diesel und Ersatzteile seien teurer geworden, gleichzeitig bekomme er zu wenig für seine Milch. Bis Ende Jahr rechne er mit rund einer halben Million Dollar weniger Einnahmen als im Vorjahr. Höhere Erlöse beim Verkauf von Tieren federten einen Teil davon ab. «Aber es macht keinen Spass, wenn man kein Geld verdient.»

Ken Custer hält zu Trump

Diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten treffen auch Ken Custer. Politisch zieht der 69-Jährige daraus allerdings ganz andere Schlüsse. Bereits an der Einfahrt wird klar, wen er an den Midterms wählen wird: Neben einer grossen amerikanischen Flagge steht ein Wahlkampfschild für Tom Tiffany, den republikanischen Gouverneurskandidaten.

«Mein Grossvater kam aus der Schweiz hierher und startete das Business», erzählt er. Heute bewirtschaftet die Familie rund 2400 Hektaren und beschäftigt in ihren Unternehmen etwa 50 bis 60 Menschen. Sie bauten vor allem Mais und Soja an, daneben Weizen sowie Roggen.

Er überlasse seinen Söhnen zunehmend das Geschäft, erzählt Ken tief gebräunt vom Aufenthalt in Arizona, wo er ein Haus besitzt und einen Teil des Jahres verbringt. Sohn Doug kümmere sich um den Anbau des Getreides, sein jüngerer Bruder Daryl um dessen Verkauf. «Wenn ich zurück in Wisconsin bin, stifte ich wieder Unruhe», sagt er und lacht.

«Wer produktiv sein will, ist hier willkommen»

Milchkühe halte die Familie seit 1997 nicht mehr. Sie habe damals aufgehört, weil sich nicht genug Personal finden liess. Heute arbeiten deshalb weniger Latinos für Ken als auf den Milchfarmen. «Wir machen heute sehr vieles automatisiert.» Dass viele Betriebe auf eingewanderte Arbeitskräfte angewiesen seien, bestreitet er aber nicht. «Die amerikanische Landwirtschaft braucht sie.»

Für Ken ist die Abhängigkeit der Landwirtschaft von migrantischen Arbeitskräften mit seiner Unterstützung für eine strengere Einwanderungspolitik vereinbar. Wer komme und produktiv sein wolle, sei seiner Ansicht nach willkommen. Wer nur Leistungen vom Staat beanspruche, nicht. «Aber vor allem müssen sie über unser legales System kommen.»

«Auch den Weg zur Staatsbürgerschaft muss man überprüfen und allenfalls reformieren.»

Ken Custer, Bauer in Wisconsin

Kritik am Vorgehen der Einwanderungsbehörde halte er für verfehlt. ICE setze Gesetze durch. Wer ohne Aufenthaltsrecht im Land sei, habe diese bereits gebrochen. Er vergleicht es mit zu schnellem Autofahren: «Auch da kann man sich nicht einfach über die Busse hinwegsetzen.»

«Es wird finanziell schmerzhaft, aber es muss passieren»

Gleichzeitig sagt Custer, dass der legale Weg für viele Arbeitskräfte nur schwer zugänglich sei. Wer kommen und arbeiten wolle, brauche eine bessere Möglichkeit dazu. «Auch den Weg zur Staatsbürgerschaft muss man überprüfen und allenfalls reformieren», sagt er, während er aus dem Pick-up seine Farm zeigt und mit Diesel betriebene Lastwagen ein- und ausfahren.

Seit dem Krieg mit Iran seien die Energiepreise wieder gestiegen, sagt Ken. Er glaube aber fest daran, dass sie nach dessen Ende sinken würden. Wann das sein werde, wisse er nicht. Er wisse bloss, dass der Krieg notwendig sei, um sicherzustellen, dass der Iran keine Atombomben baue. «Das ist eine unpopuläre Entscheidung, aber sie ist richtig.»

Auch bei den Zöllen erwartet Custer, dass sich die erhofften Vorteile erst längerfristig zeigen. Amerikanische Farmer produzierten teuer, während andere Länder ihr Getreide anderswo günstiger kauften, in Brasilien etwa. Trump gehe dieses Ungleichgewicht endlich an. «Es wird finanziell schmerzhaft, bis wir dort sind. Aber es muss passieren.»

«Ich bekomme auch nicht immer alles hin»

Als Donald Trump im Juni Kens Farm besuchte, habe er dem Präsidenten gar persönlich gesagt, dass er seine Handelsvereinbarungen zum Abschluss bringen müsse. «Wir brauchen kein Geld vom Staat. Wir brauchen fairen Handel.» Dass die erhofften Verbesserungen bisher ausblieben, macht Trump für ihn nicht unglaubwürdig. Als Unternehmer kenne er das selbst: Man nehme sich etwas vor und brauche am Ende länger als geplant. «Ich bin auch immer optimistisch, aber ich bekomme nicht immer alles hin.»

Dafür sei er mit Trumps Steuerpolitik zufrieden. Sie lasse ihm mehr von seinem Verdienst und erleichtere die Übergabe an seine Söhne. Sein Sohn Doug klingt weniger vorbehaltlos. Der Krieg sei nicht so verlaufen, wie Trump ihn angekündigt habe. Die Kosten belasteten die gesamte Wirtschaft. «Ich kann deshalb verstehen, wenn manche bei den Midterms anders wählen.» Er selbst habe das jedoch nicht vor.

Die Custers hoffen auf eine republikanische Mehrheit im Kongress, bessere Handelsbedingungen, niedrigere Kosten und eine restriktivere Einwanderungspolitik. John Rosenow erhofft sich von derselben Wahl, dass sie dem Präsidenten Grenzen setzt – und dass seine Mitarbeitenden weiterarbeiten können, ohne sich vor einer Kontrolle fürchten zu müssen. Damit er die Telefonnummer in seiner Schublade nie braucht.

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Carolin Teufelberger

Carolin Teufelberger (cat) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Redaktorin beim Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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