Parteitag der Konservativen – Wie wollen die britischen Tories aus der Krise kommen?

Die britischen Konservativen sind äusserst unbeliebt im Volk. Sie erholen sich kaum von ihrer letzten Wahlniederlage. Besonders Reform UK von Nigel Farage setzt ihnen zu. Am Parteitag in Birmingham hat Tory-Chefin Kemi Badenoch ihre Rezepte vorgestellt. SRF-Grossbritannien-Korrespondentin Fiona Endres schätzt die aktuelle Situation der Konservativen ein.
Fiona Endres
UK-Korrespondentin
Die Recherchejournalistin Fiona Endres hat ihr Bachelorstudium in Medien- und Kommunikationswissenschaften und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg absolviert und einen Master in Geschichte abgeschlossen. Derzeit arbeitet sie in London als Korrespondentin für Radio SRF.
Welche Rezepte hat Kemi Badenoch, um die Tories zu retten?
Angesichts der seit Langem schlechten Umfragewerte wurden neue Ideen und auch etwas Energie von ihr erwartet. Trotzdem setzt Badenoch auf bekannte konservative Zutaten: weniger Steuern und Regulierungen und mehr Sicherheit, etwa eine ausgebaute Armee und längere Haftstrafen. Zudem sollen mehr Britinnen und Briten arbeiten und weniger Sozialleistungen beziehen. Ob dieses Rezept den Britinnen und Briten schmeckt, ist eine andere Frage.
Traut die Bevölkerung den Tories eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik noch zu?
Die alten Geister belasten die Partei. Viele haben weder das von den Konservativen eingeleitete Brexit-Referendum noch Liz Truss’ schlecht durchdachte Steuersenkungen vergessen, die die Finanzmärkte verunsichert hatten. Auch Labour-Chef und Premierminister Andy Burnham erinnert an frühere Fehlentscheidungen. Er nennt etwa die Privatisierung der Wasserversorgung unter Margaret Thatcher als ein Beispiel. Badenoch hält dagegen: Labour verschärfe die wirtschaftlichen Probleme durch zu hohe Ausgaben. Zugleich betont sie, die heutigen Tories seien eine erneuerte Partei.
Wofür stehen diese erneuerten Tories?
Badenoch verspricht weniger Staat, weniger Ausgaben und mehr Eigenverantwortung. Jede Steuersenkung soll durch Einnahmen an anderer Stelle gedeckt sein. Sie will die Tories als «Partei des gesunden Menschenverstands» positionieren. Zur Erneuerung gehört auch das Personal: Badenoch hat ihr Führungsteam stark umgebaut. Über ehemalige Parteikollegen, die zu Reform UK wechselten, sagt sie, sie sei froh, diese «Drama Queens» los zu sein.
Wer ist der gewichtigere Gegner der Tories: Reform UK oder Labour?
Klar Reform UK auf der rechten Seite. Die Partei spricht dieselben Wählerinnen und Wähler an und gewinnt Sitze in traditionellen Tory-Gebieten wie etwa in Essex und Sussex. Ihre Umfragewerte sind seit Längerem deutlich besser als diejenigen der Konservativen. Labour betont unter Burnham wieder stärker die Werte der Arbeiterklasse und soziale Ungleichheit. Das hilft der Chefin der Konservativen; damit kann sich Badenoch noch viel stärker als Kontrast aufstellen als gegen Burnhams Vorgänger Keir Starmer.
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