Jagd auf Pädokriminelle – Warnmeldungen aus den USA helfen im Kampf gegen Kindsmissbrauch

Jagd auf Pädokriminelle Warnmeldungen aus den USA helfen im Kampf gegen Kindsmissbrauch
Eine gemeinnützige Organisation aus den USA übermittelt der Schweiz jedes Jahr Tausende Meldungen über pädophile Aktivitäten.
07.10.2026, 06:02
Sie nennt sich National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC). Der Name dieser gemeinnützigen Organisation aus den USA taucht in mehreren Fällen von Pädokriminalität auf.
Sie hat unter anderem die französischen Behörden über den Mann informiert, der der Vergewaltigung und des Mordes an der jungen Lyhanna im vergangenen Juni beschuldigt wird. In der Schweiz betrafen Meldungen des NCMEC den Betreuer, der des sexuellen Missbrauchs in Kinderkrippen in Winterthur und Bern beschuldigt wird.
Die Organisation ist in den USA sehr aktiv bei Fällen verschwundener Kinder. Sie erfüllt aber auch eine zentrale Aufgabe im Kampf gegen pädokriminelle Inhalte im Internet. Sie wertet Daten von Web-Giganten wie Google, Instagram, Whatsapp und Facebook aus. Diese sind verpflichtet, ihr illegale Inhalte zu melden. Das hat der US-Kongress per Gesetz angeordnet.
Das NCMEC verarbeitet die erhaltenen Dateien automatisch mithilfe von Techniken wie der Gesichtserkennung. Wenn ein Element mit einem Land ausserhalb der USA in Verbindung gebracht werden kann, übermittelt es dieses automatisch an die nationale Polizei des betreffenden Landes.
Über 16'000 Meldungen pro Jahr
In der Schweiz ist es das Bundesamt für Polizei (Fedpol), das die Meldungen erhält. Im Jahr 2025 waren es 16'750 Meldungen. Die Zahl nimmt von Jahr zu Jahr zu.
«Die von den Plattformen verwendeten Algorithmen werden immer leistungsfähiger. Sie erkennen daher mehr Inhalte», erklärt Mélanie Lourenço, Sprecherin des Fedpol, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Auch die Menge der pädokriminellen Inhalte im Internet nimmt zu. Gemäss dem Fedpol nutzen Pädokriminelle künstliche Intelligenz, um Bilder und Videos mit pädokriminellem Charakter zu generieren.
Dossiers gehen an Kantone weiter
Die Fachleute des Fedpol prüfen die eingegangenen Meldungen, ob sie nach Schweizer Recht strafbar sind. Ist das der Fall, übermitteln sie die entsprechenden Dossiers der zuständigen Kantonspolizei. Aus etwa zwölf Prozent der Meldungen, die beim Fedpol eingehen, entstehen solche Dossiers.
Was das Bundesamt für Polizei mit den Meldungen aus den USA tut:
Darum taucht der Name des NCMEC auch in der Schweiz immer wieder in Anklageschriften und Gerichtsverfahren auf. Allein der Kanton Waadt erhielt 2025 178 Dossiers. «Sie führen zwangsläufig zu einer Anzeige, wenn eine Straftat festgestellt wird», sagte Olivia Cutruzzolà von der Waadtländer Polizei gegenüber RTS.
Eine Warnmeldung ermöglicht aber nicht automatisch die Festnahme oder Verurteilung eines Verdächtigen. Einige Ermittlungen werden mangels ausreichender Beweise eingestellt. Diese Verfahren hinterlassen dann keine Spuren im Strafregister. Dies ist insbesondere bei den Fällen im Zusammenhang mit Kinderkrippen in Winterthur und Bern der Fall.
Mehrere politische Vorstösse drängen deshalb auf zusätzliche Schutzmassnahmen. Im Kanton Waadt forderte der grüne Abgeordnete Yannick Maury mit einer Motion im Grossen Rat die Schaffung einer schwarzen Liste von Personen, die in Kinderkrippen beschäftigt sind. Auf Bundesebene hat die Zürcher SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel eine ähnliche Motion eingereicht. Der Text wurde im Juni von Parlamentsmitgliedern aller politischen Lager unterzeichnet.
RTS hat das NCMEC um ein Interview gebeten. Die US-Organisation hat aber nicht auf die Anfrage reagiert.
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