The Daily Newsstand · Free, Always
Thursday, September 17, 2026

Vandalen sind schuld: SBB sperren Bargeldzahlungen an «Hunderten» Automaten

Translate

Vandalen sind schuld

SBB sperren Bargeldzahlungen an «Hunderten» Automaten

Bereits seit Mai sind an vielen Billettautomaten Münz- und Notenschlitz blockiert. Der Grund ist tragisch: Die SBB begründen die Massnahme mit «vermehrten Fällen von Aufbrüchen» der Geräte – also wegen Vandalen. Es regt sich Widerstand.

Publiziert: vor 13 Minuten

Aktualisiert: vor 5 Minuten

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • SBB testen seit Sommer bargeldlose Billettautomaten an fünf Bahnhöfen
  • Grund: Vandalenakte – Münz- und Notenschlitze an Hunderten Automaten gesperrt
  • 15'781 Unterschriften für Bündner Volksinitiative zugunsten von Bargeld bei ÖV-Dienstleistungen
RMS_Portrait_AUTOR_243.JPG

Michael HotzTeamlead Wirtschafts-Desk

Die ÖV-Branche hat keine Lust mehr auf Bargeld. Seit diesem Sommer testen die SBB an den Bahnhöfen in Baden AG, Brugg AG, Freiburg, Olten SO und Turgi AG den bargeldlosen Betrieb ihrer Billettautomaten. An diesen Orten ist das Bezahlen mit Münz und Nötli nur noch an einem Gerät möglich. Gleichzeitig blockieren die Bundesbahnen seit Mai das Bezahlen mit Bargeld an zahlreichen bestehenden Automaten, wie das Magazin «K-Tipp» berichtet.

Konkret sind Münzschlitz und Noteneinzug an den Geräten gesperrt. Das Billett kann man nur mit Karte oder Handy bezahlen. «Vorübergehend auf bargeldlose Zahlung umgestellt», heisst es auf Zetteln, die an den Automaten kleben. Gegenüber dem «K-Tipp» sprachen SBB-Schaltermitarbeitende von «Hunderten» blockierten Billettautomaten. Betroffen sind laut dem Bericht alle Bahnhöfe auf den Strecken Winterthur–Schaffhausen und Bülach–Schaffhausen – und 34 Automaten des Bahnunternehmens Aare Seeland Mobil zwischen Solothurn und Langenthal BE.

Externe Inhalte

Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

SBB nennen Vandalenakte als Grund

Wie begründen die SBB die Bargeld-Blockade an zahlreichen Geräten? «Wir verzeichnen derzeit vermehrt Fälle von Aufbrüchen an Billettautomaten», teilt eine SBB-Sprecherin auf Anfrage von Blick mit. Und weiter: «Mehrere Geräte wurden so stark beschädigt, dass sie ersetzt werden mussten. Bei weiteren Geräten wurde die Bargeldannahme präventiv deaktiviert.» Bislang habe man die Bargeld-Sperre an keinem Automaten wieder aufgehoben. Aare Seeland Mobil dagegen will ab 1. Oktober wieder an allen Billettautomaten Münz und Nötli zulassen.

Die SBB teilen weiter mit, dass man direkt an den Automaten über die eingeschränkte Zahlungsmöglichkeit informiere. «Kundinnen und Kunden, die mit Bargeld bezahlen möchten, können in einem SBB-Reisezentrum eine übertragbare Prepaid-Card beziehen und mit Bargeld aufladen», rät die Sprecherin.

Bis 2035 sollen sämtliche Billettautomaten verschwinden

Weil in der Schweiz Zahlungen mit Bargeld stetig zurückgehen, stellen auch die ÖV-Betriebe zunehmend auf digitale Bezahlmethoden um – und setzen stärker auf ihre Apps. Mittlerweile werden vier von fünf Tickets digital gelöst. Auch deswegen will die Branchenorganisation Alliance Swisspass offenbar bis Ende 2029 ganz Schluss machen mit Bargeld und Papier-Billetten, wie der «K-Tipp» kürzlich unter Berufung auf interne Protokolle berichtet hat. Auf Anfrage von Blick bestritt Alliance Swisspass jegliche Pläne zur Abschaffung von Bargeld und physischen Billetten. «Die ÖV-Branche hat keinen Beschluss gefasst, wonach innert zwei bis drei Jahren schweizweit bestimmte Automaten eingeführt werden müssen», sagte Mediensprecher Philipp Bosshard Anfang Monat gegenüber Blick.

Mitte Juli schaltete sich der Bund ein. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) verschickte ein Schreiben an die ÖV-Branche – mit der Aufforderung, analoge und anonyme Ticketkäufe weiterhin zu gewährleisten. «Das BAV erwartet weiter, dass alle Transportunternehmen für Personen, die das Ticket nicht digital lösen wollen oder können, alternative Möglichkeiten anbieten», heisst es darin.

Im Bündnerland begehrt eine Münz-Rebellin auf

Den ersten Schritt zu bargeldlosen Billettautomaten machten die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahnen (BLS) im Oktober 2025. Im Kanton Bern können Pendlerinnen und Pendler ihr ÖV-Ticket nur noch mit Karte oder Handy bezahlen. Die BLS-Automaten im Kanton Luzern akzeptieren noch Bargeld – aber nur Münz. Ein Notenschlitz fehlt an den Geräten, was beim Präsidenten des Zentralschweizer Fahrgastverbandes für Unverständnis gesorgt hat. Auch in Schaffhausen sorgt das neue bargeldlose Bezahlsystem in Bussen für Ärger.

Im Kanton Graubünden hat das schleichende Aus von Münz und Nötli heftige Gegenwehr und politische Vorstösse ausgelöst. Seit letztem Dezember verkaufen die Chauffeure in den Bündner Postautos keine Billette mehr. Tickets gibts nur noch digital, etwa an Mini-Automaten in den Postautos. Rentnerin Berta Caminada (78) aus Bonaduz GR lancierte daraufhin eine Petition mit dem Titel «Postauto ohne Bargeld NEIN!». Innert Tagen kamen 8078 Unterschriften zusammen. Der Kanton lehnte die Bargeld-Rückkehr im «Poschti» aber ab.

Die Entwicklung hat Caminada zu einer Münz-Rebellin gemacht. Am Montag überreichte sie ihre Volksinitiative «Barzahlung bei öffentlichen Dienstleistungen (Anti-Diskriminierungsinitiative)» der Standeskanzlei Graubünden – mit dem Rekord-Zuspruch von 15'781 Unterschriften.

View the original on Blick

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.