Spirituosen-Hersteller Berentzen vor Übernahme durch US-Konzern
Stand: 21.09.2026 • 10:31 Uhr
Berentzen soll in die Vereinigten Staaten verkauft werden Der US-Konzern Sazerac hat ein Übernahmeangebot angekündigt - das von dem Schnapsproduzenten aus dem Emsland unterstützt wird.
Der niedersächsische Schnaps- und Getränkehersteller Berentzen steht kurz vor der Übernahme durch den auf Whiskey spezialisierten US-Konkurrenten Sazerac. Mit dem Branchenriesen sei eine Vereinbarung über einen Zusammenschluss unterzeichnet worden, teilte Berentzen heute mit.
Sazerac wolle ein öffentliches Übernahmeangebot von 5,55 Euro je Aktie für alle Aktien der Berentzen-Gruppe abgeben. Das Angebot unterliege einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie. Die Transaktion werde voraussichtlich im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein. Insgesamt bietet der US-Konzern damit 53,3 Millionen Euro für die Firma mit Sitz in Haselünne im Emsland.
Aktie deutlich im Plus
Nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots ging es für die Aktie deutlich nach oben: Zu Handelsbeginn in Frankfurt sprangen die Papiere um 22 Prozent auf 5,56 Euro. Berentzen war zuletzt an der Börse rund 35 Millionen Euro wert. Die Aktien sind fast alle im Streubesitz.
Das Unternehmen ist für Berentzen Apfelkorn und Puschkin Vodka bekannt, stellt aber auch Spirituosen her wie Doornkaat und Bommerlunder sowie alkoholfreie Getränke wie Mio Mio und in Lizenz Sinalco.
Hochprozentiges weniger gefragt
Das Berentzen-Management sprach sich für das Angebot aus; die Vorstände Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner sprachen von einer hervorragenden Chance. Der angebotene Preis entspreche einem Niveau, das seit mehr als zwei Jahren nicht mehr erreicht worden sei - und liege um 68 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.
Berentzen hatte zuletzt mit einer schwachen Nachfrage nach Hochprozentigem zu kämpfen. Nach dem ersten Halbjahr wurden die Jahresziele nach unten geschraubt. Der Halbjahresumsatz schrumpfte um gut elf Prozent auf 71 Millionen Euro, der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern sackte um mehr als 80 Prozent auf nur noch rund 600.000 Euro ab. Für das Unternehmen arbeiteten zuletzt rund 430 Beschäftigte.
Sazerac will Standort in Deutschland halten
Der US-Getränkehersteller Sazerac vertreibt unter anderem Marken wie Southern Comfort und Buffalo Trace. "Wir schätzen die lange und traditionsreiche Geschichte der Berentzen-Gruppe auf dem deutschen Markt sehr", sagte Sazerac-Chef Jake Wenz. Er sprach von einer starken Marktpräsenz - "und es ist uns sehr wichtig, dies auch in Zukunft fortzuführen". Wenz betonte, dass Berentzen vom Zusammenschluss und den Sazerac-Marken, die künftig ebenfalls vom deutschen Team produziert und vertrieben werden sollten, profitieren werde.
Für den US-Konzern ist es nicht die erste Übernahme in diesem Jahr. Laut "Wall Street Journal" bot Sazerac dem Jack-Daniel's-Hersteller Brown-Forman eine rund 15 Milliarden Dollar schwere Übernahme an, bekam aber im ersten Anlauf einen Korb. Stattdessen kaufte Sazerac jüngst den britischen Spirituosen-Hersteller Au Vodka. Das Geschäft war nach Bloomberg-Informationen rund 300 Millionen Pfund (350 Millionen Euro) schwer.
Sazerac wurde 1850 in New Orleans gegründet und hat seinen Firmensitz in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Familienunternehmen einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar.
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