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Wednesday, September 23, 2026

Smartwatch hört zu: Muss ich bald immer aufpassen, was ich sage?

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  • Kommunikationsforscher Tobias Dienlin warnt: Wer weiss, dass mitgehört wird, passt seine Gespräche an.
  • Apples neue Apple-Watch-Features «Live Rewind» und «Siri Recap» basieren auf dauerhaftem Mithören.
  • Laut Dienlin werden viele Nutzer von der Funktion aber gar nichts wissen – und deshalb normal weiterreden.

Brillen, die Videos machen, Fernseher, die Ton aufnehmen und Handys, die allgegenwärtig und Kamera und Mikrofon in einem sind: Der Vormarsch der Technologie bringt neue Fragen um Datenschutz, Privatsphäre und Vertrauen auf. So auch bei den jüngst angekündigten neuen Funktionen für Apples Smartwatch. Besonders geht es dabei um zwei Features. Mit «Live Rewind» sollen Nutzende die letzten 15 Sekunden eines Gesprächs zusammenfassen können. «Siri Recap» soll derweil Zusammenfassungen zu den Gesprächen des Tages liefern. Beides verlangt, dass die Uhr die ganze Zeit mithört.

Das sorgt für Aufregung. «Ich werde nie mehr mit einem Apple-Watch-Träger sprechen», kommentiert eine Userin unter dem Tiktok-Video von Influencer Dylan Page. Viele sprechen über «Spyware» und fühlen sich an Überwachungsmethoden erinnert. «Die blosse Möglichkeit, dass mitgehört wird, kann ein Gespräch beeinflussen», sagt auch Tobias Dienlin, Professor für empirische Kommunikations- und Medienforschung. «Wenn wir uns des Mithörens bewusst sind, und besonders wenn es uns stört, dann passen wir unsere Gespräche und Inhalte an.»

Grosse Folgen und ein grosses Aber

Die Tatsache, dass etwa eine Uhr mithört, könne theoretisch grosse Auswirkungen auf Intimität, Freundschaften und informelle Gespräche haben – wenn sich denn alle Beteiligten der Überwachung bewusst sind. Genau dort sieht Dienlin aber einen der Haken. «Viele werden davon noch nicht mal wissen. Entsprechend würde es mich wundern, wenn sich soziale Abläufe grossartig ändern würden.» Hinzu komme, dass selbst wenn es uns eigentlich stört, das Wissen über das Mithören im Laufe der Zeit in den Hintergrund treten könne. «Wir vergessen es sozusagen. Und reden dann letztlich doch wieder normal.»

Apples Smartwatch misst Puls und hört künftig auch Gespräche mit. In der EU sind die neuen Funktionen bislang nicht angekündigt.

Apples Smartwatch misst Puls und hört künftig auch Gespräche mit. In der EU sind die neuen Funktionen bislang nicht angekündigt.Getty Images

Entsprechend glaubt Dienlin eher nicht, dass diese Technologien neue Umgangsformen wie etwa eine Pflicht, die Funktion vor jedem Gespräch offenzulegen, herbeiführen würden. «Aber: An sich wäre es sinnvoll. Denn es geht ja hier nicht nur um meine eigene Privatsphäre, sondern auch die von anderen. Wir sprechen da häufig von Drittwirkung – mein Privatheitsverhalten tangiert eben auch das meiner Umwelt.»

Indirekt würden die Uhrenträger zum privaten Betreiber einer Überwachungsinfrastruktur. «Gleichzeitig muss man auch ergänzen, dass Apple bisher eine gute Datenschutzinfrastruktur aufgebaut hat.» In den meisten Fällen würden die Daten so nur lokal gespeichert und nicht auf Apple-Servern. «Das birgt aber natürlich grosses Potenzial für Datenpannen. Und allgemein gilt das Prinzip der Datensparsamkeit, dass allein das Sammeln der Daten reduziert werden soll. Ob das hier gewährleistet ist, ist eine offene Frage.»

Datenschutz und technische Limitationen

Dass keine Daten auf Apple-Server übertragen werden, versichert Apple auch in diesem Fall und entgegnet den Bedenken, dass die Uhren keine Aufnahmen speichern würden und die erzeugten Textzusammenfassungen dem Gesagten keine Sprecher zuordnen würden. «Das Betriebssystem, Apps, du selbst und Apple können auf keinerlei Audio zugreifen. Es gibt keine Aufzeichnungen, die geteilt, weitergeleitet oder auf Anfrage offengelegt werden können, da schlicht keine Aufzeichnungen existieren», so Apple.

Belastbare Aussagen über ein Gespräch könnten die Trägerinnen und Träger der Apple Watch mit den neuen Features also kaum machen. Zudem betont Apple, dass beim Einschalten der «Live-Rewind»-Funktion ein Hinweiston erklinge, den Nutzer auch nicht ausschalten können.

Wie stehst du zu einer Smartwatch, die Gespräche ständig mithört und zusammenfasst?

Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist allerdings noch unklar, ob Apples Vorkehrungen vor Gericht standhalten würden. Datenschützerinnen und Datenschützer, etwa aus Kalifornien, sehen in der Tatsache, dass ständig ein Mikrofon angestellt sei, bereits einen möglichen Verstoss gegen das Gesetz. Auch in Europa dürfte die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU als Argument gegen diese Funktionen angeführt werden. Bislang ist eine Einführung der Features in der EU noch nicht angekündigt.

Jan Janssen

Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News.

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