Deutscher Funkspruch nach 107 Jahren entschlüsselt

- Eine KI soll einen deutschen Militärfunkspruch aus dem Ersten Weltkrieg entschlüsselt haben, der seit 107 Jahren unlesbar war.
- Laut einem Blogeintrag verwendete das KI-Modell GPT-6 von OpenAI das Schlüsselwort «Truppenverschiebung» zur Entzifferung.
- Der entschlüsselte Inhalt stimmt mit dem Logbuch des britischen Kreuzers «HMS Canterbury» überein, wurde aber noch nicht von Dritten geprüft.
«Ein englischer Kreuzer Einlieg X Sewastopol X s4sten X ein Geschader der X Alliierten folgt 26sten X». Diese Information wurde während des Ersten Weltkriegs von deutschen Truppen verschickt – allerdings verschlüsselt. 107 Jahre lang wusste niemand, was der Funkspruch zu bedeuten hatte.
Nun soll ihn eine KI entschlüsselt haben. Das meldet ein Blogger unter dem Namen «prinz» auf einem Internetforum. Dem Post zufolge war es das KI-Modell GPT-6 Astra von OpenAI. Der Inhalt des entzifferten Funkspruchs stimmt mit einem Logbuch überein. Anderweitig wurde die Entzifferung jedoch noch nicht überprüft.
Wie war die Botschaft verschlüsselt?
Die Nachricht gehört zu einer Serie deutscher Funksprüche, die mit dem sogenannten ADFGVX-Verfahren verschlüsselt waren. Dabei wurde eine Matrix erstellt, deren X- und Y-Achse jeweils mit ADFGVX beschriftet wurden. Aus sechs Zeilen und sechs Spalten ergeben sich also 36 Stellen, die je zwei Buchstaben aus ADFGVX zugeordnet werden können – genügend Platz für das deutsche Alphabet und zehn Ziffern.
Allerdings wurde dann das Alphabet nicht einfach so eingetragen, sondern es wurde ein Schlüsselwort benutzt, das immer mal wieder ausgetauscht wurde. Zum Beispiel: «Truppenverschiebung». Doppelte Buchstaben im Kennwort wurden nur einmal verwendet. Nachdem das Schlüsselwort eingefügt worden war, wurde der Rest der Stellen mit dem restlichen Alphabet – oft in umgekehrter Reihenfolge – aufgefüllt.
Auf diese Weise wird jeder «echte» Buchstabe der Botschaft einem Buchstabenpaar aus ADFGVX zugewiesen. Ohne das korrekte Schlüsselwort ist es dann fast unmöglich, die richtige Zuweisung herauszufinden. Laut dem deutschen Wissenschaftsportal Scienceblog.de gehörte die jetzt entschlüsselte Botschaft zu fünfzig Funksprüchen aus dem Ersten Weltkrieg, die bisher nicht gelesen werden konnten.
Wie schaffte die KI die Entschlüsselung?
Das KI-Modell, so «prinz», verwendete zur Entschlüsselung das Schlüsselwort «Truppenverschiebung». Das Wort ist in einem Buch über deutsche Militärchiffren aus der Zeit des Ersten Weltkriegs dokumentiert. Allerdings wurde bisher angenommen, dass es erst ab dem 9. Dezember 1918 in Gebrauch gewesen sei. Der Funkspruch wurde zwei Wochen vor diesem Datum gesendet.
Die KI soll danach den Klartext der Botschaft mit historischen Aufzeichnungen abgeglichen haben, schreibt «prinz» weiter. Dabei stiess das Modell auf das Logbuch des britischen Kreuzers «HMS Canterbury». Laut den darin enthaltenen Einträgen erreichte das Schiff Sewastopol am 24. November 1918. Zwei Tage später vermerkt das Logbuch die Ankunft eines alliierten Geschwaders. Im entschlüsselten Klartext ist von den Daten s4ten und 26ten die Rede, wobei s4ten wohl ein Fehler ist und 24ten heissen soll. Die Entschlüsselung wurde bisher nicht von Dritten gegengeprüft.
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Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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