"Muselmanen", "Monster Merkel": Was zum Riesen-Hack gegen die AfD bisher bekannt ist

"Muselmanen", "Monster Merkel"Was zum Riesen-Hack gegen die AfD bisher bekannt ist
20.10.2026, 14:50 Uhr
Von Lukas Märkle

Hacker machen offenbar Hunderttausende E-Mails aus dem Inneren der AfD öffentlich. Darin finden sich auch Berichte von mutmaßlichen rassistischen und antisemitischen Ausfällen von Mitgliedern der Rechtsaußen-Partei. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen zum Datenleak:
Was ist passiert?
Im Internet wurde ein umfangreicher Datensatz mit mutmaßlichen E-Mails von und an Vertreter der AfD veröffentlicht. Auf der Website hexane.cc werden diese öffentlich zugänglich gemacht. Dabei handelt es sich um Hunderttausende mutmaßliche Nachrichten. Die Daten betreffen augenscheinlich Mails, die bis ins Jahr 2014 zurückreichen. Das jüngste Schriftstück stammt offenbar vom 12. September dieses Jahres.
Die AfD bestätigte den Angriff auf die Mail-Postfächer. "Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer - von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt waren - widerrechtlich kopiert wurden", erklärte die Rechtsaußenpartei. Der Angriff sei rasch erkannt und beendet worden. Alle Nutzer seien entsprechend informiert worden.
Wie groß ist das Leak?
Insgesamt handelt es sich nach Angaben auf der Plattform um 421.000 Mails, mit einem Datenvolumen von 281 Gigabyte. In dem Schriftverkehr sollen sich zudem 39.000 Anhänge und 49.000 Dokumente befinden.
Auf der Website werden die Daten zum Download verfügbar gestellt. Gleichzeitig werden auf der Website KI-Zusammenfassungen zu einem Teil des Schriftverkehrs angeboten. Dort werden aber derzeit nur 57.115 Mails aufgelistet, die sich nach verschiedenen Schlagworten filtern lassen. Alle Einträge sind zudem einer Kategorie zugeordnet. "Kritisch" bezeichnet dabei "Material mit schwerem Schaden, Straftaten oder Gewalt", "hoch" soll schweres Fehlverhalten kennzeichnen, "mittel" beachtliches, aber begrenztes Fehlverhalten, und unter "niedrig" fällt demnach "marginales" Fehlverhalten, erklären die Uploader. Auf die Kategorie "kritisch" entfallen 611 Schriftstücke, auf "hoch" 10.450 Mails.
Wer ist betroffen?
Die unbekannten Angreifer erklärten, dass es sich um Datensätze aus insgesamt zehn Postfächern handle. In der Aufschlüsselung auf der Website finden sich E-Mails von und an verschiedene hochrangige Parteifunktionäre, darunter auch AfD-Parteichefin Alice Weidel, Parteivize Beatrix von Storch oder die früheren Vorsitzenden der Partei, Jörg Meuthen und Alexander Gauland. In den E-Mails werden außerdem viele weitere aktuelle und frühere Funktionäre erwähnt
Was ist zu den Inhalten bekannt?
Die Zusammenfassungen der Mails sind in der Übersicht nach verschiedenen inhaltlichen Kategorien unterteilt. Die meisten Schriftstücke (14.051) beziehen sich demnach auf den Machtkampf innerhalb der Parteistrukturen. 10.243 werden unter den Schlagworten "Rassismus _ Xenophobie" aufgelistet. Darüber hinaus gibt es unter anderem auch die Kategorien "Antisemitismus", "Extremismus", "Desinformation" oder "Gewaltandrohungen".
In den Zehntausenden aufgelisteten mutmaßlichen Mails befinden sich solche, in denen von "Muselmanen" oder einem "dreckigen Monster Merkel" die Rede ist. In einem Schriftverkehr zwischen zwei AfD-Mitgliedern aus NRW lautet der Betreff "Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am Infostand in Bottrop durch Kreisvorstandsmitglied".
Eine mutmaßlich vom AfD-Landesschiedsgericht NRW versandte E-Mail an einen Kandidaten für die nordrhein-westfälische Landtagswahl 2022 ist überschrieben mit "NRW 30/2021 Datenschutz / Causa Helferich" und soll ein internes Dossier über den heutigen AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich enthalten, in welchem es um antisemitische und die NS-Zeit glorifizierende Chats geht. Öffentlich bekannt ist bereits, dass Helferich sich 2021 in Chat-Nachrichten als "freundliches Gesicht des NS" und "demokratischen Freisler" bezeichnet hatte. Roland Freisler war von 1942 bis zu seinem Tod 1945 Präsident des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs und für Tausende Todesurteile verantwortlich sowie Mitorganisator des Holocausts.
Eine weitere mutmaßliche E-Mail behandelt der Zusammenfassung zufolge den Rücktritt eines früheren Sprechers des AfD-Kreisverbands Lippe. Dieser begründet seinen Rücktritt mit einer Hakenkreuz-Weihnachtskarte, auf welcher "Heil Hitler" stand, sowie mit rassistischen Witzen und rechtsextremen Einstellungen, die innerhalb des Kreisvorstands toleriert worden sein sollen.
Ein mutmaßliches Schriftstück stammt von einer Frau mit einer Mail-Adresse des AfD-Landesverbands Bayern. Die Absenderin fordert der Übersicht zufolge unter dem Betreff "Yücel, Bundestag" den früheren AfD-Chef Gauland und die Parteiführung auf, "Merkel verrecke und Mohammedaner verrecke" zu rufen.
Die E-Mails enthalten neben Texten auch verschiedene Dateianhänge. In einem Anhang soll laut "Bild"-Zeitung ein Foto des Personalausweises des AfD-Vize-Fraktionschefs Markus Frohnmaier enthalten sein. Zudem gibt es weitere Ausweisfotos sowie Rechnungen, Kontoauszüge, Mitgliedsanträge und Mitgliederlisten. Die Übersicht enthält außerdem Protokolle von Sitzungen von Kreis- und Landesvorständen aus verschiedenen Jahren.
Wer ist verantwortlich?
Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang völlig unklar. Der Datensatz wurde auf einer Website veröffentlicht, die sich selbst als "unabhängiges Dokumentenarchiv" beschreibt. Die Seite hexane.cc dient nach eigener Darstellung als Plattform für Dokumente, interne Korrespondenz und Verwaltungsunterlagen, die von "öffentlichem Interesse" seien.
Wie ist die Echtheit der Daten einzustufen?
Die AfD bestätigte den Leak, aber äußerte sich nicht zur Authentizität der Daten: "Die jetzt erfolgte Onlineveröffentlichung vermutlich eines Teils dieser Daten wird geprüft", teilte die Partei mit. Bisher konnten die Daten nicht unabhängig überprüft werden. Die IT-Sicherheitsexpertin und Journalistin Lilith Wittmann stufte auf X den Datensatz nach vorläufiger Prüfung als authentisch ein.
Auf der Website werden die Dateien nicht als Volltext sondern als Index veröffentlicht. Um die Echtheit prüfen zu können, müssen die Originaldateien untersucht werden. Dies dürfte angesichts der Größe des Datensatzes, dessen Download und Aufbereitung, komplex ist, noch dauern.
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