Trotz Regen – Warum die Waldbrandgefahr noch nicht überall gebannt ist

In den letzten Tagen hat es in grossen Teilen der Schweiz geregnet. Entsprechend wurde die Waldbrandgefahrenstufe in vielen Kantonen gesenkt. Endlich, denn die Gefahrenkarte des Bundesamts für Umwelt (Bafu) blieb diesen Herbst aussergewöhnlich lange rot. «Bereits im Mai stieg die Waldbrandgefahr an», sagt Stefan Beyeler vom Bafu. Auch jetzt seien einzelne Gebiete immer noch im kritischen Bereich. Die Gefahrenstufen werden national koordiniert, die Kantone entscheiden jeweils selbst über Schutzmassnahmen.
Die Reaktionen auf die aktuellen Regentage sind unterschiedlich: Während beispielsweise in Glarus das Feuerverbot in Waldesnähe aufgehoben wurde, bleibt das absolute Feuerverbot in Teilen des Kantons Graubünden unverändert aktiv.
Die kantonalen Behörden kennen die Eigenschaften der lokalen Wälder genau. Lukas Schuster koordiniert die Waldbrandmassnahmen in Graubünden. Er sagt, neben der berechneten Gefahrenstufe sei die Analyse vor Ort wichtig: «Wir beurteilen immer die Ist-Situation, nicht die Prognose.» Nur weil es kalt und feucht sei, sinke die Gefahr nicht automatisch: «Geringe Niederschlagsmengen schaffen es nicht durch die Baumkronen bis zum Waldboden. » So bleibe das Herbstlaub trocken.
Modellentwickler profitieren von Hitzesommer
Seit 2023 haben die Verantwortlichen ein neues Programm zur Beurteilung der Waldbrandgefahr zur Verfügung. Boris Pezzatti von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hat das neue Modell mitentwickelt. Die Entwickler konnten vom Hitzesommer profitieren: «Dank dem heissen Sommer wurde unser Modell von den Kantonen oft eingesetzt. Wir haben viel Feedback erhalten.» So gab es beispielsweise Tage, an denen die Berechnung des Modells von der Einschätzung vor Ort abwich. Diese neuen Daten und Erkenntnisse fliessen nun in die Weiterentwicklung ein.
Das Bundesamt für Umwelt stellt den Kantonen zwei Modelle zur Berechnung der Waldbrandgefahr zur Verfügung. Einerseits das kanadische Modell «Fire Weather Index», in das diverse Parameter von Hand eingegeben werden müssen. Seit 2023 entwickelt die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL das neue Modell «Nearest Fire Day». Dieses gibt vollautomatisch eine Empfehlung für eine Gefahrenstufe aus und rechnet mehr lokale Gegebenheiten des Waldes mit ein. Auch Informationen über vergangene Brände sind im Modell hinterlegt.
Nationale Koordination wird ausgebaut
Die Waldbrandgefahrenstufen werden vom Bundesamt für Umwelt aktualisiert und online bereitgestellt. Die Koordination mit den Kantonen funktioniere gut, sagt Stefan Beyeler. Er leitet die Sektion Waldschutz und Waldgesundheit beim Bafu. Die Information der Bevölkerung sei essenziell: «Dieser Sommer hat gezeigt, wie wichtig Prävention ist.» Und das zeigt sich auch in den Zahlen: Es gab diesen Sommer nur kleinere Waldbrände in der Schweiz.
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