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Thursday, October 22, 2026

Mädchen (11) in Bus angepöbelt – Rose und Layati greifen ein

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  • Eine Frau hat am Sonntag im Berner Bus der Linie 20 Fahrgäste rassistisch beschimpft und ein elfjähriges Mädchen angeschrien.
  • Layati und ihre Freundin Rose griffen ein, um das Kind zu schützen; laut Layati reagierte sonst lange niemand.
  • Bernmobil schult sein Personal in Deeskalation, das Fahrpersonal informiert bei Vorfällen sofort die Leitstelle.

«Es hatte Frauen, Männer und Kinder im Bus, aber niemand sonst hat reagiert.» Layati ist noch immer fassungslos über das, was sie am Sonntagnachmittag in einem Berner Bus erlebt hat. Gegen 14 Uhr war sie mit zwei Freundinnen auf dem Heimweg von der Wankdorf-Eventhalle. Bereits beim Einsteigen in den Bus der Linie 20 sei ihr eine Frau aufgefallen. «Sie war ziemlich laut, aber zunächst einfach für sich», erzählt Layati gegenüber 20 Minuten.

Plötzlich habe sich die Frau zu den drei Freundinnen umgedreht und geschrien: «Jetzt hört auf mit eurem Arabisch.» Dabei hatten sie sich auf Schweizerdeutsch unterhalten. «Sie haben zwar den gleichen Hautton wie ich, aber sie können nicht einmal Arabisch», so Layati. Weil sie vermutete,  dass die Frau Alkohol konsumiert hatte, habe sie die Beschimpfung zunächst ignoriert.

«Habe angefangen zu zittern»

Doch dann habe sich die Frau einem elfjährigen Mädchen zugewandt, das mit Kopfhörern im Gang stand, und dieses angeschrien. «Meine Freundin Rose ist sofort aufgestanden und hat sich schützend vor das Mädchen gestellt», erzählt Layati. Daraufhin sei die Situation eskaliert: «Die Frau hat sie dann beide angeschrien.»

Auch Layati habe eingegriffen und der Frau gedroht, die Polizei zu rufen, sollte sie sich nicht beruhigen. «Ich habe angefangen zu zittern. Es war sehr, sehr unangenehm.» Als die aggressive Passagierin dann auf sie zugekommen sei, habe sie Schlimmeres befürchtet. «Dann ist ein Mann aufgestanden und hat beruhigend auf die Frau eingeredet, was zum Glück funktioniert hat.»

Layati meint, der Chauffeur hätte anhalten und die Frau aus dem Bus weisen sollen. (Symbolbild)

Layati meint, der Chauffeur hätte anhalten und die Frau aus dem Bus weisen sollen. (Symbolbild)Bernmobil

«Warum hat es so lange gedauert, bis jemand half?»

Besonders enttäuscht ist Layati vom Verhalten der übrigen Fahrgäste: «Da frage ich mich schon, warum es so lange gedauert hat, bis jemand geholfen hat.» Ihrer Meinung nach hätte auch der Buschauffeur anhalten und die aggressive Passagierin aus dem Bus weisen müssen. «Die Frau war sehr laut und wir befanden uns im vorderen Teil des Busses. Er muss das mitbekommen haben.»

Für Layati ist der Vorfall ein Beispiel für mangelnde Zivilcourage. «Das beobachte ich immer wieder in unserer Gesellschaft. Man schaut einfach zu und wartet, dass jemand anderes reagiert.» Deshalb richtet sie einen Appell an die Bevölkerung: «Nehmt die Kopfhörer raus und reagiert doch in solchen Situationen. Ich weiss, das braucht Mut.»

Tätlichkeiten unter Fahrgästen werden nicht erfasst

Bernmobil bereitet sein Personal gezielt auf solche Situationen vor. «Die Schulungen umfassen insbesondere die Bereiche Kommunikation und Deeskalation, defensives Verhalten sowie die situationsgerechte Lagebeurteilung», erklärt Mediensprecher Didier Buchmann auf Anfrage. Auch der Eigenschutz und das rechtzeitige Alarmieren der Polizei seien Teil der Ausbildung.

Bei Zwischenfällen im Fahrgastraum informiert das Fahrpersonal grundsätzlich sofort die Leitstelle. Diese bietet den Kontrolldienst auf. «Das Fahrpersonal setzt die Fahrt in der Regel fort, bis Mitarbeitende des Kontrolldienstes zusteigen und die Situation vor Ort klären beziehungsweise deeskalieren können.» Bei schwerwiegenden Ereignissen könne die Leitstelle auch direkt die Polizei alarmieren. Tätlichkeiten unter Fahrgästen werden laut Buchmann nicht erfasst, auch zum Vorfall am Sonntag im Bus der Linie 20 sei keine Meldung eingegangen.

Wie würdest du dich in einem Bus verhalten, wenn jemand andere Fahrgäste anpöbelt?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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Flurin Pestalozzi

Flurin Pestalozzi (flu) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Korrespondent in Bern.

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