Richtungsentscheidung im Osten: Alle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Richtungsentscheidung im OstenAlle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
06.09.2026, 18:06 Uhr
00:00
09:44

Tag der Entscheidung zwischen Harz und Elbe: In Sachsen-Anhalt endet die Stimmabgabe. Die erste Prognose sieht die AfD deutlich vorn. Wird eine vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei künftig den Ministerpräsidenten stellen? Alle Daten zum Wahlausgang im Lage im Überblick.
In Sachsen-Anhalt haben die Wahllokale geschlossen, die Auszählung der Stimmen beginnt: Rund 1,7 Millionen Stimmberechtigte waren dazu aufgerufen, die Macht- und Mehrheitsverhältnisse im Landesparlament des ostdeutschen Flächenlands neu zu bestimmen.
Laut ersten Prognosen zum Wahlausgang liegt die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund deutlich vorn. Die CDU muss demnach Einbußen hinnehmen und wird mit großem Abstand voraussichtlich zweitstärkste Kraft. Wie sehen die Prognosen zum Wahlausgang im Detail aus?
Hinweis: Die Infografiken zur Landtagswahl 2026 werden ab 18.00 Uhr mit dem Eintreffen der ersten Prognose laufend aktualisiert.
Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt
Mögliche Sitzverteilung
Die Ergebnisse früherer Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt
Unabhängig davon, welche Partei nach dem Wahltag den Regierungsauftrag für sich beanspruchen kann: Viel Auswahl bleibt den Wahlgewinnern nicht.
Eine denkbare Dreier-Koalition der CDU etwa unter Beteiligung des BSW wäre in der Bundespolitik mehr als nur umstritten. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat eine solche Zusammenarbeit ausdrücklich ausgeschlossen. Schon eine Kooperation mit der Linken, in Sachsen-Anhalt immerhin womöglich erneut drittstärkste Kraft, wäre für die Beteiligten zumindest schwierig.
Einzelne Umfragen sehen neben CDU, AfD und Linken noch SPD und BSW im Landtag. Rein rechnerisch wäre unter diesen Bedingungen ein Viererbündnis aus CDU, SPD, Linken und BSW möglich. Politisch erscheint ein solcher Ansatz jedoch kaum umsetzbar - die Gegensätze wären wohl zu groß.
Auf der anderen Seite der Brandmauer sehen die Aussichten nicht solider aus: Eine absolute Mehrheit ist für die AfD laut Umfragen nicht in greifbarer Nähe. Wenn es am Wahlabend nicht anders kommt, müssten sich die Rechten mit mindestens einer weiteren Partei zusammentun. Mögliche Bündnispartner sind allerdings rar: Die AfD steht am politisch rechten Rand weitgehend alleine da.
Abgesehen vom BSW ist keine der übrigen Parteien zur Zusammenarbeit mit der AfD bereit. Und noch ist es alles andere als sicher, ob die Partei von Sahra Wagenknecht überhaupt genügend Wähler in Sachsen-Anhalt überzeugen kann. Scheitert das BSW - wie zuletzt im März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz - erneut am Sprung in den Landtag, stünde auch AfD-Spitzenmann Siegmund voraussichtlich ohne tragfähige Mehrheit da.
Wie es in Sachsen-Anhalt nach dem 6. September weitergeht, hängt allein davon ab, wie sich die Wählerinnen und Wähler an diesem Sonntag entscheiden - und wie viele Wahlberechtigte tatsächlich von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Die Wahlbeteiligung lag bei den vorausgegangenen acht Landtagswahlen teils deutlich unter den Beteiligungsquoten bei Bundestagswahlen. Den bisherigen Tiefpunkt erreichte die Bereitschaft zur Mitbestimmung der politischen Verhältnisse auf Landesebene bei der Wahl 2006.
Damals wollten sich in Sachsen-Anhalt nur 44,4 Prozent der Wahlberechtigten per Stimmabgabe an der Wahlentscheidung beteiligen. Die höchste Wahlbeteiligung erlebte das Land Ende der Neunziger. Bei der Landtagswahl 1998 stimmten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ab. Der Anteil der bisherigen Nichtwähler stellt für die um Einfluss und Lösungsansätze konkurrierenden Parteien das größte schlummernde Potenzial dar.
Das Wahlverfahren folgt dem bekannten Muster: Wahlberechtigt sind "alle Deutschen im Sinne des Grundgesetzes" ab 18 Jahren, wie es in den Informationen zur Landtagswahl heißt, die "seit mindestens drei Monaten in Sachsen-Anhalt wohnen" und nicht durch richterlichen Beschluss vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.
Die Wählerinnen und Wähler haben jeweils zwei Stimmen: Die Erststimme geht durch einfaches Ankreuzen auf dem Wahlzettel an die jeweilige Kandidatin oder den jeweiligen Kandidaten im Wahlkreis, die Zweitstimme an die bevorzugte Partei auf Landesebene. Der Magdeburger Landtag umfasst mindestens 83 Sitze.
Direktwahlfrage: Schulze vor AfD-Kandidat Siegmund
"Mit den Erststimmen werden 41 Kandidatinnen oder Kandidaten direkt in den Landtag gewählt", fasst die Landeszentrale für politische Bildung das Wahlverfahren zusammen. "Die Person, die in ihrem Wahlkreis die meisten Stimmen erhalten hat, zieht als direkt gewählte Abgeordnete oder direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag ein." Über die Zweitstimmen wird die Verteilung der Sitze insgesamt auf die einzelnen Parteien ermittelt.
Rückblick: So das Wahlergebnis 2021 aus
Die Wahllokale sind am Sonntag, 6. September von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Zur Stimmabgabe benötigen Wahlberechtigte lediglich ihre Wahlbenachrichtigung und einen Ausweis in Form eines "amtliches Lichtbilddokuments", also Personalausweis, Reisepass oder Führerschein.
Der Wahlakt selbst folgt dem üblichen Verfahren. Auf dem Stimmzettel können zwei Kreuze gesetzt werden: mit der Erststimme wird der Direktkandidat gewählt, mit der Zweitstimme eine Partei. Das Parlament wird später wiederum den Ministerpräsidenten wählen. Die Wahllokale schließen Punkt 18.00 Uhr. Unmittelbar darauf beginnt die Auszählung der Stimmen. Kurz nach 18.00 Uhr ist mit einer ersten Prognose zum Wahlausgang zu rechnen. Im Laufe des Abends wird sich das Bild mit den eintreffenden Hochrechnung auf Basis der Auszählung immer weiter verfeinern. Mit dem vorläufigen Endergebnis rechnet Landeswahlleiterin Christa Dieckmann am frühen Montagmorgen.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.