Enzootische Pneumonie – Wegen Lungenkrankheit: Schweizweit über 10'000 Schweine getötet

- In der Schweiz mussten rund 10'500 Schweine geschlachtet oder getötet werden.
- Sie hatten sich mit einer ansteckenden Lungenkrankheit infiziert.
- Fast die Hälfte der betroffenen Schweine – rund 5200 Tiere – lebte auf Betrieben im Kanton Luzern.
- Stand jetzt konnte die Infektionskette unterbrochen werden.
Die Hiobsbotschaft kam am 9. September: Damals wurde der Veterinärdienst des Kantons Luzern darüber informiert, dass in einem kantonsübergreifenden Schweinering die sogenannte Enzootische Pneumonie ausgebrochen ist.
Die durch ein Bakterium verursachte Enzootische Pneumonie bei Schweinen ist mit einer Lungenentzündung beim Menschen vergleichbar. Die Schweine haben Fieber, Husten und verlieren den Appetit. Nur wenige Tiere sterben an der langwierigen Krankheit.
Die Enzootische Pneumonie ist bei Schweinen in Europa weitverbreitet, teilweise werden die Tiere dagegen geimpft. In der Schweiz gelten jedoch besondere Vorschriften. Beispielsweise ist die Impfung von Schweinen gegen Enzootische Pneumonie verboten.
Vielmehr werden hierzulande diverse Tierkrankheiten rigoros bekämpft, wenn sie auftreten. Geregelt ist dies alles in der Tierseuchenverordnung des Bundes. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.
Ein Schweinering ist ein Verbund von Betrieben, die gemeinsam Schweine produzieren. Die einen Landwirte züchten sie, die anderen mästen sie. Die Schweine wechseln dabei je nach Alter und Produktionsphase regelmässig den Hof.
Mit dem Ausbruch der Enzootischen Pneumonie hatte dieser Tieraustausch Folgen: Die Lungenkrankheit konnte sich rasant ausbreiten.
Nur gesunde Tiere dürfen geschlachtet werden
Um die Infektionskette zu unterbrechen, beschlossen die Behörden einschneidende Massnahmen: Die betroffenen Ställe mussten geräumt und die Schweine getötet werden. Bei gesunden Tieren war der Gang ins Schlachthaus möglich – das Fleisch konnte also verwertet werden.
Für jene, die Tiere halten, aber auch für Tierärztinnen und Tierärzte war die Situation emotional belastend.
Für Luzern, den am stärksten betroffenen Kanton, bedeutete dies: Zehn Zuchtbetriebe mussten geräumt werden. Rund 4500 Schweine wurden geschlachtet oder getötet. Ausserdem musste auch ein Mastbetrieb des betroffenen Schweinerings seine Tiere fortschaffen – rund 700 Schweine.
«Die Leute waren selbstverständlich nicht erfreut über die Massnahmen, aber die Tierhalterinnen und Tierhalter waren kooperativ», sagt der Luzerner Kantonstierarzt Martin Brügger. Es sei für alle eine emotional belastende Situation. «Für jene, die Tiere halten – aber auch für Tierärztinnen und Tierärzte, die Tiere töten mussten. Dafür sind wir eigentlich nicht da.»
Man habe sich viel ausgetauscht – für Tierhalterinnen und Tierhalter stand auch ein Care-Team bereit. «Dieses wurde aber nicht benötigt.»
Ställe müssen desinfiziert und kontrolliert werden
Mit der Räumung allein sind die Bekämpfungsmassnahmen allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Behörden machten den Betrieben weitere Auflagen: Sie müssen die Ställe reinigen, desinfizieren und mindestens zehn Tage leer stehen lassen. Erst nach einer Kontrolle durch den Veterinärdienst dürfen darin wieder Tiere gehalten werden.
Bis jetzt gibt es keine Hinweise darauf, dass ausserhalb des Schweinerings Infektionen aufgetreten sind.
Hat die Schweiz die Tierseuche nun im Griff? «Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen», sagt Martin Brügger. «Aber bis jetzt gibt es keine Hinweise darauf, dass ausserhalb des Schweinerings Infektionen aufgetreten sind.»
Die Abklärungen würden weiterlaufen – auch gebe es Untersuchungen bei benachbarten Betrieben. Höfe, die in der Nähe von gesperrten Betrieben liegen, werden durch Tierärztinnen und Tierärzte besucht. Sollten sie auf hustende Schweine stossen oder Tiere finden, bei denen eine Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, werden Proben fürs Labor entnommen.
Im Nachgang zu den Massnahmen wird auch die finanzielle Unterstützung von betroffenen Höfen geregelt: Landwirtinnen und Landwirte, deren Tiere auf amtliche Anordnung hin getötet oder geschlachtet werden müssen, werden entschädigt. Ein Betriebsausfall wird nicht vergütet und muss privat versichert werden.
Von der Tierseuche sind gemäss einer Mitteilung vom 21. September 20 Zuchtbetriebe in sechs Kantonen sowie 40 Mastbetriebe in 14 Kantonen betroffen.
Dazu gehören unter anderem drei Betriebe in Solothurn. In deren zwei konnten rund 1200 Jungtiere lebend exportiert werden – rund 80 Sauen sowie 50 Jungtiere wurden geschlachtet. Rund 930 Tiere, die weder exportiert noch geschlachtet werden konnten, wurden letzte Woche getötet. Beim dritten Hof, einem reinen Mastbetrieb, dauern die Sicherungs- und Überwachungsmassnahmen an.
Auch in drei Berner Schweinezuchtbetrieben wurden insgesamt 1700 Schweine und Ferkel getötet oder geschlachtet.
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Regionaljournal Zentralschweiz, 06.10.2026, 12:03 Uhr ; sda/fise;buec;noes
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