Debakel um F-35-Beschaffung: Schweiz hat schon zwei Milliarden in die USA überwiesen
Debakel um F-35-Beschaffung
Schweiz hat schon zwei Milliarden in die USA überwiesen
Wie viele Kampfjets die Armee für die sechs Milliarden Franken bekommt, ist offen. Wann die Flieger bereit sind, ist auch unklar. Trotzdem zahlt die Schweiz alle paar Monate Hunderte Millionen an den Hersteller.
Publiziert: vor 10 Minuten
Aktualisiert: vor 3 Minuten
Darum gehts
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- USA gewähren der Schweiz keinen Fixpreis für 36 F-35-Kampfjets
- Schweiz zahlte bisher 1,7 Mrd. Franken, trotz vieler Ungewissheiten
- 36 Jets kosten weit über 6 Mrd. Franken, Zusatzfinanzierung unklar
Was die nationalrätliche Geschäftsprüfungskommission am Dienstag öffentlich machte, war lediglich die Bestätigung dessen, was längst im Raum stand: Die Aufsicht kommt zum Schluss, dass die USA der Schweiz nie einen Fixpreis für den Kauf von 36 Kampfjets des Typs F-35 zugesichert hatte.
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Darauf hatte die Finanzkontrolle bereits 2022 hingewiesen. Und Kritiker machten seit Jahren darauf aufmerksam, dass die USA und F-35-Herstellerin Lockheed Martin keinem anderen Land vertraglich je einen festen Betrag – unabhängig von Teuerung und Nachfrage – versprochen hatten.
Die Warnungen hielten weder die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd (64, Mitte) noch die Verantwortlichen des Bundesamts für Rüstung Armasuisse davon ab, gebetsmühlenartig zu versichern, die Schweiz erhalte für sechs Milliarden Franken 36 US-Jets. Dank Fixpreis. Amherd schweigt heute dazu und teilt Blick mit, sie habe den zuständigen parlamentarischen Gremien Auskunft gegeben: «Die laufende politische und parlamentarische Aufarbeitung respektiere ich.»
Dass das modernste, hoch entwickeltste Kampfflugzeug nicht teurer sein soll als die Jets der Konkurrenz, verwunderte. Und war ein wichtiges Argument bei der Typenwahl des Bundesrats. Denn die Stimmbevölkerung hatte hauchdünn Ja gesagt zu sechs Milliarden für neue Jets. Mindestens 36 benötige die Luftwaffe, befanden Experten und Bundesrat.
Geld fliesst regelmässig
Teuerung, Nachfrage und Kriegsherde lassen den Bundesrat inzwischen annehmen, er erhalte für die sechs Milliarden noch 30 US-Kampfflugzeuge. Und ob die Lieferung wie vorgesehen bis 2030 erfolgen kann, ist ungewiss. Um mindestens 36 Jets kaufen zu können, schlagen Verteidigungsdepartement und bürgerliche Politiker in hohem Takt neue Finanzierungsmodelle vor.
Aller Ungewissheiten zum Trotz und ungeachtet der Spannungen mit den USA rund um deren Zollpolitik zeigt sich die Schweiz im F-35-Geschäft als verlässlicher Vertragspartner: Sie zahlt und zahlt. Im Unklaren darüber, wie viele Jets es für die sechs Milliarden gibt.
Umgerechnet 1,7 Milliarden Franken – 2,1 Milliarden Dollar – hat die Schweiz bisher gesamthaft für die F-35 in die USA überwiesen. Dies gibt Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert auf Anfrage bekannt. Dies entspreche dem Stand von Ende Juni, die letzte Tranche sei im März bezahlt worden. «Nach aktueller Planung ist die nächste Rate für die Kampfjet-Beschaffung Anfang 2027 fällig», sagt Sievert.
Mitte 2025 hatte Armasuisse die bis dahin getätigten Ausgaben für den F-35 mit 870 Millionen Franken beziffert, seither floss also weiter fast eine Milliarde in die USA. Lockheed Martin hat im Mai als Gegenleistung die Endmontage für den ersten Schweizer F-35 begonnen, ab Mitte 2028 werden einige Jets hier erwartet. Zudem werden seit August in Italien Komponenten für die Schweizer Flotte gefertigt.
Wie für den Kampfjet bezahlt die Schweiz auch für die Patriot-Flugabwehrraketen aus den USA, die stark verzögert und verteuert bereit sein werden. Dafür überwies die Armee in Tranchen bereits 800 Millionen Franken.
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