Ukraine-Krieg: Neue Friedensgespräche schon im Oktober?
Russland und die Ukraine zeigen sich offen für eine baldige Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen unter Vermittlung der USA. Ziel sei es, den seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Krieg zu beenden, erklärte Kyrylo Budanow, der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Wir bereiten uns vor, auf Oktober", sagte Budanow. Er bestätigte, dass damit Unterredungen im Dreierformat gemeint seien.
Auch Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, hielt Verhandlungen im kommenden Monat für möglich. "Wir können den Oktober nicht ausschließen", wurde er zitiert. Es gehe um die "absehbare Zukunft", fügte Peskow hinzu.
Kreml weist Selenskyj-Vorstoß zurück
Für ein direktes Treffen von Putin und Selenskyj beim G20-Gipfel im Dezember in Florida sieht Peskow allerdings keine Grundlage. Eine solche Begegnung könnte nur in der russischen Hauptstadt Moskau stattfinden, meinte der Kremlsprecher.
Selenskyj hatte sich zuvor in einem Interview der Deutschen Welle zu einem Treffen mit Putin in Miami bereiterklärt. "Wir müssen uns treffen, miteinander reden und Entscheidungen treffen", betonte Selenskyj. "Was ich ihm sagen werde oder was er mir sagen will, spielt keine Rolle", unterstrich Selenskyj mit Blick auf Putin. "Was zählt, ist das Ergebnis."
Zelenskyy backs Putin meeting at Miami G20: 'Results matter'
Erst kürzlich hatten die amerikanischen Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff sowohl Moskau als auch Kyjiw besucht und dabei Möglichkeiten einer friedlichen Lösung sondiert. US-Präsident Donald Trump dürfte Wert darauf legen, dass Fortschritte noch vor den Zwischenwahlen (Midterms) in den Vereinigten Staaten im November erzielt werden. Zuletzt saßen die USA im Februar in der Schweiz bei direkten Unterredungen der Konfliktparteien als Vermittler am Tisch.
Zwischen der Ukraine und Russland bestehen weiterhin große Meinungsverschiedenheiten über die Bedingungen für ein Ende des Krieges. Ein zentraler Streitpunkt ist das Schicksal der noch von der Ukraine kontrollierten Gebiete in der ostukrainischen Region Donbass. Russland beansprucht diese für sich, konnte sie jedoch trotz jahrelanger schwerer Kämpfe bisher nicht erobern. Die Frontlinien sind weitgehend erstarrt, beide Seiten bekämpfen sich mit Drohnen und Raketen.
Russland nimmt Bahnnetz ins Visier
Ziel eines Drohnenangriffs am Sonntag wurde auch ein Passagierzug, der von Kyjiw nach Warschau unterwegs war. Er wurde in der Ukraine in der Nähe der Grenze zu Polen getroffen, wie es hieß. Selenskyj erklärte, die Russen hätten den Zug "absichtlich" attackiert. "Putin eskaliert", schrieb der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski auf der Onlineplattform X. Der Bahnbetreiber PKP Intercity teilte mit, an Bord hätten sich mehr als 200 Fahrgäste befunden, verletzt worden sei niemand.
Nach Informationen des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" musste aus Sicherheitsgründen zudem ein privat gecharterter Sonderzug teilweise evakuiert werden. An Bord dieses Zuges befanden sich demnach der britische Ex-Premier Boris Johnson und auch Günter Sautter, der außen- und sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener schrieb auf X, Russland eskaliere die Lage immer weiter. Er teilte ein Video von dem Drohnenangriff auf den Zug Kyjiw-Warschau und gab an: "Heute Morgen bin ich mit dem Zug auf der gleichen Strecke gefahren, auf der dieser Angriff war." Manchmal entscheide der Zufall, "ob man sicher durchkommt". Russland sei "eine immense Gefahr für die Sicherheit Europas. Das haben zu viele bei uns noch nicht realisiert", so Wagener.
wa/as (afp, rtr, dpa)
Russlands Jet-Drohnen setzen Kyjiw massiv unter Druck
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