Extremwetterkongress: Stürmische Aussichten

Beim Extremwetterkongress in Hamburg wird deutlich: Wie gefährlich Extremwettereignisse sind, hängt nicht nur von ihrer Stärke ab.
Foto: Aaron Favila/ap
Der 16. Extremwetterkongress in Hamburg heißt so viele Teilnehmende wie noch nie willkommen. Kein Wunder: Mit fortschreitender Erderwärmung wird extremes Wetter immer wahrscheinlicher. Von Mittwoch bis Freitag beschäftigen sich etwa tausend Expert:innen auf der jährlichen Fachtagung in Hamburg damit, wie sich der Klimawandel auf Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und Stürme auswirkt.
„Jedes Jahrzehnt ist seit den 1960er Jahren deutlich wärmer als das vorhergehende“, sagte Tobias Fuchs, Vorstandsmitglied beim Deutschen Wetterdienst (DWD), der dpa. „Es ist gut möglich, dass wir in 30 Jahren zurückblicken auf dieses Jahr und feststellen, dass der von uns aktuell als extrem eingestufte Sommer trotz seiner Temperaturrekorde als normal eingestuft wird.“
Der aktuelle Weltrisikobericht legt seinen Schwerpunkt auf ein weiteres Thema. Das Bündnis Entwicklung Hilft und das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum veröffentlichten den Bericht am Mittwoch zum Auftakt des Kongresses. Er analysiert seit 2011 das Katastrophenrisiko für 193 Länder. Dieses Jahr stehen Stürme – also Gewitter, Tornados, Hurrikane und Co – im Fokus. Laut den Autor:innen sind sie gemessen an den wirtschaftlichen Folgen das folgenschwerste Extremwetterereignis.
Durch den Klimawandel nehmen sie zudem in ihrer Intensität zu, bringen mehr Niederschlag und werden plötzlicher sehr stark, so der Bericht. Das liege besonders daran, dass sich die Oberfläche der Meere erwärme. Warmes Meerwasser ist die Bedingung für Stürme, besonders für tropische Wirbelstürme. Diese treten laut Bericht deswegen zunehmend auch weiter südlich und nördlich als bisher auf – und damit auch immer in Regionen, die nicht auf Stürme vorbereitet sind.
Gefahr ist ungleich verteilt
Besonders Sturmfluten und starker Niederschlag seien gefährlich. Durch den Meeresspiegelanstieg würden Schutzmaßnahmen, die für heutige Pegel gebaut sind, nicht mehr ausreichen. Küstenstädte und Inselstaaten seien insofern besonders bedroht.
Wie schwerwiegend die Folgen eines Sturmes sind, ist laut des Berichts ungleich verteilt: 10 Länder, angeführt von den Philippinen, tragen den Großteil der weltweiten Sturmgefährdung. Währenddessen sind 123 der untersuchten 193 Länder kaum betroffen.
Die Bedrohung für Menschen hängt neben den Umweltbedingungen vor allem von der Infrastruktur und gesellschaftlichen Vulnerabilität ab: Wann Warnungen ankommen, ob Häuser sturmfest gebaut sind, ob Fluchtwege frei sind, welcher Katastrophenschutz zur Verfügung steht – auch das entscheide darüber, wie gefährlich ein Sturm sei. Kleine Volkswirtschaften wie Inselstaaten würden relativ zu ihrer Größe von Stürmen mehr wirtschaftlichen Schaden davontragen. Wegen der kleinen Größe hätten sie zudem weniger Ressourcen und Ausweichmöglichkeiten für Schutz und Wiederaufbau – oft sei das ganze Land auf einmal betroffen.
Nicht nur eine Frage der Physik
„Stürme sind Naturereignisse. Katastrophen sind es nicht. Ob Menschen sterben, entscheidet sich lange vor dem Landfall in den Bauvorschriften, den Warnketten und den Sozialsystemen“, sagt Katrin Radtke, wissenschaftliche Leiterin des Weltrisikoberichts am IFHV der Ruhr-Universität Bochum.
Die Autor:innen des Berichts warnen davor, dass ohne staatliche und internationale Unterstützung und Versicherungen Stürme schnell zur Armutsspirale werden können. Für wirksamen Schutz müssten Frühwarnsysteme auf die betroffenen Menschen angepasst sein. Zudem müsse die systematische, langfristige Dimension in den Blick genommen werden: Belastbare Institutionen und Wirtschaftsstrukturen bestimmten, wie schnell sich eine Region erholen könne.
Damit macht der Bericht deutlich, dass Stürme nicht nur eine Frage von Physik sind. Auch auf dem Kongress in Hamburg werden Extremwetterereignisse als gesellschaftliche Frage behandelt. Die Generalsekretärin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Celeste Saul sieht Handlungsbedarf bei Regierungen. „Gemeinsam können wir bessere Vorhersagen in frühzeitigere Maßnahmen, stärkere Widerstandsfähigkeit und eine sicherere Zukunft für alle umsetzen“, sagt sie. „Denn die Frage ist nicht, ob das nächste extreme Wetterereignis kommen wird. Die Frage ist, ob wir darauf vorbereitet sein werden.“
Parallel zum Kongress läuft die Deutsche Klimamanagementtagung. Hier kommen Expert:innen, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um in Workshops praxisnahe Lösungen für die Auswirkungen des Klimawandels zu entwickeln.
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