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Wednesday, October 28, 2026

Midterms in den USA: Texas fiebert mit James Talarico

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Zum ersten Mal seit 40 Jahren könnte in Texas ein Demokrat in den US-Senat gewählt werden. James Talarico begeistert, hat aber starke Gegner.

Es ist ein sonniger Oktobertag in San Antonio, Texas. Vor einer kleinen historischen Konzerthalle stehen an diesem Samstag mehrere hundert Menschen in der Schlange. Sie sind alle hier, um den Hoffnungsträger der Demokratischen Partei in Texas hautnah zu sehen: James Talarico.

Der 36-jährige Landtagsabgeordnete und Pfarramtsanwärter könnte in der kommenden Woche etwas schaffen, was seit fast 40 Jahren keinem Demokraten in Texas mehr gelungen war. Er könnte in den US-Senat gewählt werden.

Grund dafür ist neben seinem Charisma und seinen legislativen Erfolgen auf Landesebene auch sein Glaube. In einem Bundesstaat wie Texas, der teilweise zum sogenannten „Bible-Belt“ der USA gehört, ist Religion immer auch politisch.

In diesem Jahr kommt noch hinzu, dass sein republikanischer Kontrahent im Senatswahlkampf, der aktuelle texanische Justizminister Ken Paxton, nicht gerade Begeisterung unter den Wäh­le­r:in­nen auslöst. Die Unzufriedenheit vieler Wähler mit US-Präsident Donald Trump trägt ihr Übriges dazu bei. Trump hatte Paxton während der Vorwahlen gegen den republikanischen Amtsinhaber John Cornyn zur Wahl empfohlen und sich damit dafür bedankt, dass Paxton als Justizminister 2020 seine Kampagne unterstützt hatte, die Wahlniederlage gegen Joe Biden nicht anzuerkennen.

Bekannt durch Wortgewandtheit und virale Clips

Umfragen zufolge ist es trotzdem ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Talarico und Paxton. Talarico liegt in den meisten Umfragen minimal vorne – mit durchschnittlich 1,5 Prozentpunkten Vorsprung allerdings innerhalb der statistischen Fehlertoleranz.

Unter Talaricos Anhängern überwiegt dennoch die Euphorie. Sie sind überzeugt, dass der ehemalige Lehrer der nächste texanische Senator sein wird. Dazu gehört auch Schauspielerin Eva Longoria, bekannt aus der früheren Hitshow „Desperate Housewives“ und waschechte Texanerin. Sie unterstützt seit Langem die Demokraten und ist an diesem Samstagnachmittag auch vor Ort, um die Menschen auf den Wahlkampf-Endspurt einzustimmen.

Als Talarico dann die Bühne betritt, toben die etwas mehr als eintausend Besucher in der Konzerthalle. Er ist dies mittlerweile gewöhnt. In den vergangenen sieben Jahren konnte er sich als texanischer Landtagsabgeordneter einen Namen machen, erst durch seine legislative Arbeit und dann auch immer mehr aufgrund seiner Fernsehauftritte und viral gehenden Videos.

Bereits 2023 bezeichnete ihn Politico als „The Next Big Thing in Texas Politics“. Seine Wortgewandtheit sorgt immer wieder für virale Clips. Als er etwa vor drei Jahren im texanischen Parlament gegen das inzwischen in Kraft getretene Gesetz argumentierte, öffentliche Schulen dazu zu zwingen, die zehn Gebote im Klassenzimmer auszuhängen, zeigte der Christ Talarico seine ganze rhetorische Kraft. In insgesamt zwei Minuten und neun Sekunden legte er damals dar, warum er als gläubiger Christ denkt, dass dieser Gesetzesentwurf sowohl verfassungswidrig, unamerikanisch und unchristlich sei. Diese 129 Sekunden waren in kurzer Zeit überall.

168 Millionen Dollar von Elon Musk gegen Talarico

Auch bei der Wahlkampfveranstaltung in San Antonio zeigt Talarico sein politisches Können. Er wirkt authentisch, er spricht mit den Menschen auf Augenhöhe, und er macht klar, warum er Texas toller findet als die anderen 49 Bundesstaaten in den USA: Breakfast-Tacos, Football und Friendship. Besonders Friendship, also Freundschaft – gleichzeitig das offizielle Motto von Texas – hebt er hervor. Natürlich diskutiert er auch die allgegenwärtigen Themen wie Lebenshaltungskosten und Einwanderungspolitik (er argumentiert stets, die Grenzen müssten sicher, die Gesellschaft aber offen sein und der ICE-Terror müsse aufhören).

Talarico, der von einer alleinerziehenden Mutter in der texanischen Hauptstadt Austin großgezogen wurde und der seit 2018 an Diabetes leidet, sieht jedoch noch einen anderen Gegner in der US-Politik: das viele Geld.

Mehr als 500 Millionen Dollar haben beide Kandidaten laut einer Analyse von AdImpact bisher für Wahlwerbung ausgegeben – einer der teuersten Wahlkämpfe je für einen einzelnen Senatssitz. Dabei liegt Paxton im Verhältnis 3:2 vorne. Milliardär und Tesla-CEO Elon Musk allein soll über 168 Millionen in republikanische Interessensgruppen investiert haben, um Paxton damit zu unterstützen.

Korruption in der Politik ist etwas, das Talarico sowohl Republikanern als auch Demokraten vorwirft und das er, sollte er die Wahl gewinnen, bekämpfen will. Es ist eine der wenigen Aussagen im aktuellen Wahlkampf, die an seine Vergangenheit als progressiver, linksgerichteter Politiker erinnert. Heute positioniert er sich als Mitte-links-Kandidat. Strategisch ist das nachvollziehbar, da linke Kandidaten in einem Bundesstaat wie Texas auch im Jahr 2026 kaum Chancen haben.

Egal wie die Wahl in der kommenden Woche auch ausgehen wird, James Talarico ist auf der großen Bühne der US-Politik angekommen.

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