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Saturday, October 24, 2026

Die CSU auf Frauensuche

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Die CSU hat Nachholbedarf, was die Beteiligung von Frauen in der Partei angeht. Ihr Anteil stagniert seit Jahren um die 20 Prozent. Eine allgemeine Frauenquote einführen – in der CSU umstritten.

24.10.2026 | 3:49 min

Über dem Büro von Philine Blees in Obermaiselstein im Allgäu hängt ein Schild mit der Aufschrift "Bürgermeister". Es hat Tradition: Jahrzehntelang saßen hier ausschließlich Männer. Jetzt nicht mehr. Vor einem halben Jahr gewann Blees die Bürgermeisterwahl in der 1.000-Einwohner-Gemeinde.

Mit 27 Jahren ist sie seitdem die jüngste Bürgermeisterin Bayerns. Das Schild über ihrem Büro will sie trotzdem hängen lassen: "Ich finde es ganz nett, dass der eine oder andere überrascht ist, wenn er die Tür aufmacht und da dann eine Bürgermeisterin sitzt", sagt sie. Noch besser aber fände sie es, wenn sich keiner mehr wundere, dass "eine junge Frau Bürgermeisterin ist".

In Obermaiselstein kandidierte Blees parteiunabhängig, sie engagiert sich aber in der Jungen Union und ist CSU-Mitglied. Für ihre Partei ist sie damit weit mehr als nur eine kommunale Erfolgsgeschichte. Denn der Frauenanteil in der CSU stagniert seit Jahren bei um die 20 Prozent. Noch weniger Frauen gibt es unter den im Bundestag vertretenen Parteien nur in der AfD.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder fordert, mit der AfD "demokratisch in den argumentativen Nahkampf" zu gehen, anstatt die Partei zu verbieten.

23.10.2026 | 6:49 min

Diskussion um Frauenquote

"Da ist Luft nach oben, das ist gar keine Frage", sagt Blees. Die studierte Betriebswirtschafterin findet, die Lösung liege vor allem darin, mehr Frauen an der Basis als Mitglieder zu gewinnen:

Wir müssen Vorbilder schaffen, wir müssen Frauen sichtbar machen. Wo eine Frau vor Ort aktiv ist, folgen dann auch gleich mehrere.

Philine Blees (CSU), Bürgermeisterin in Obermaiselstein

Dieser Weg aber ist für andere in der Partei wenig erfolgversprechend - vor allem für die, die in Verantwortung auf höherer Ebene sind. So wie Ulrike Scharf, bayerische Sozialministerin und Chefin der Frauen-Union in Bayern. Sie fordert eine verbindliche Frauenquote für alle Ebenen der Partei:

Jede Frau, die in der Politik Karriere gemacht hat, wird Ihnen sagen: Die Lebenserfahrung zeigt: Ohne eine solche Quote warten wir noch 100 Jahre.

Ulrike Scharf (CSU), Vorsitzende der Frauen-Union Bayern

Beim CSU-Parteitag fordert Ministerpräsident Söder mit Blick auf eine mögliche Regierung unter Führung der Linken in Berlin eine Extremismusklausel für den Länderfinanzausgleich.

23.10.2026 | 2:23 min

Zwar hat die CSU bereits 2010 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt. Sie greift allerdings nur auf Landes- und Bezirksebene. In den Kreis- und Ortsverbänden gibt es bis heute keine verbindlichen Vorgaben. Genau das will Scharf zusammen mit anderen Mitstreiterinnen in der Partei ändern. Doch auf viel Unterstützung kann sie nicht hoffen. Weite Teile der Parteibasis sehen eine verbindliche Quotenregelung kritisch. Vor allem junge Frauen in der Partei wollen nicht den Stempel "Quoten-Frau" haben.

Aigner als Hoffnungsträgerin

Große Hoffnungen der CSU liegen derzeit auf einer Frau, die schon eine lange Karriere in der Partei hinter sich hat: Ilse Aigner, bayerische Landtagspräsidentin, soll - wenn es nach CSU-Chef Markus Söder geht - Anfang 2027 neue Bundespräsidentin werden.

Beim CSU-Parteitag hat sich Parteichef Markus Söder erneut für Ilse Aigner als Bundespräsidentin ausgesprochen. Berichten zufolge wehrt die CDU sich jedoch gegen eine Festlegung.

24.10.2026 | 0:24 min

"Das wäre eine tolle Sache. Viel Glück dafür", sagte Söder beim CSU-Parteitag. Dafür bekam er viel Zuspruch, Standing Ovations im Saal. "Das freut mich natürlich", sagt die gefeierte Aigner. Noch aber gibt sie sich zurückhaltend. "Es wäre schon eine Enttäuschung, wenn sie es nicht wird", sagt Markus Oesterlein, CSU-Delegierter aus Oberfranken. Die finale Entscheidung, wer ins Rennen für das Bundespräsidentenamt gehen soll, wird nicht in München, sondern in Berlin getroffen.

Doch ganz gleich, wie die Entscheidung ausgeht: Auch eine CSU-Frau als mögliche Bundespräsidentin kann in den Augen vieler nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen in der Partei unterrepräsentiert sind. Philine Blees im Allgäu sagt deshalb: Parteistrukturen müssten sich noch mehr an die Lebensrealität von Frauen anpassen.

So seien zum Beispiel lange Sitzungen am Abend für viele Frauen unattraktiv. Blees hat selbst von einem großen Netzwerk innerhalb der Partei profitiert - zu Frauen und Männern. Auf die Idee, als Bürgermeisterin zu kandidieren, brachte sie ein Landtagsabgeordneter. "Natürlich habe ich am Anfang auch darüber nachgedacht, ob ich mir das zutraue", sagt sie rückblickend. Sie hat sich getraut - und will jetzt Vorbild für andere Frauen in der CSU sein.

Jakob Rhein ist Reporter im ZDF-Studio München.

Über die CSU und ihren Parteitag in München berichteten mehrere Sendungen, darunter am 24.10.2026 der länderspiegel ab 17:05 Uhr und heute Xpress ab 15:10 Uhr sowie am 23.10.2026 das heute journal ab 22 Uhr.

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