E-Auto-Boom kostet den Staat Milliarden an Steuereinnahmen
E-Autos lassen die Einnahmen aus Kraftstoff- und Kfz-Steuer sinken. Wie soll künftig die Verkehrsinfrastruktur finanziert werden - und droht Autofahrern eine Kilometerabgabe?
25.09.2026 | 0:36 minJe mehr Elektroautos Deutschlands Straßen erobern, desto größer wird ein Problem, das bislang kaum sichtbar ist: Dem Staat entgehen Milliarden an Einnahmen. Besonders deutlich wird der Wandel bei der Energiesteuer auf Kraftstoffe, umgangssprachlich noch immer Mineralölsteuer genannt. Wer einen Benziner oder Diesel fährt, zahlt diese bei jedem Tankvorgang mit. Beim Elektroauto entfällt die Einnahmequelle vollständig.
Hinzu kommt die Befreiung von beziehungsweise die Vergünstigung der Kraftfahrzeugsteuer. Damit entgehen dem Staat nicht nur Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Kraftstoffe, sondern auch aus der Besteuerung der Fahrzeuge selbst.
Für reine Elektroautos, die bis Ende 2030 erstmals zugelassen werden, gilt eine Befreiung von der Kfz-Steuer - grundsätzlich für zehn Jahre (maximal jedoch bis zum 31.12.2035). Danach wird die Kfz-Steuer fällig, allerdings zu einem reduzierten Satz von 50 Prozent.
17,3 Prozent aller Neuzulassungen in der EU waren 2025 Pkw mit reinem Elektroantrieb - ein neuer Rekordwert. 2015 hatte der Anteil bei lediglich 0,4 Prozent gelegen.
22.09.2026 | 0:26 minJe mehr Elektroautos, desto höher die Steuerausfälle
Die Kfz-Steuer ist eine klassische Einnahmequelle des Bundes. Noch größer ist der Brocken bei der Energiesteuer. Benzin und Diesel werden je Liter besteuert. Der Fiskus erhält damit Einnahmen, die unmittelbar an den Kraftstoffverbrauch gekoppelt sind. Fällt der Verbrennungsmotor weg, fällt auch diese Einnahme weg. Verkehrswissenschaftler Gernot Sieg von der Universität Münster hat dazu geforscht und kommt zu dem Ergebnis:
Das Problem ist erheblich. Der Staat nimmt derzeit rund 51,2 Milliarden Euro pro Jahr aus Abgaben auf Pkw-Nutzung und-Haltung ein, wobei die Energiesteuer die wichtigste Einnahmequelle ist.
Prof. Dr. Gernot Sieg, Institut für Verkehrswissenschaft, Universität Münster
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15.09.2026 | 1:03 minWer finanziert den Straßenverkehr künftig?
Während der Staat auf der einen Seite den Umstieg auf klimafreundlichere Fahrzeuge fördern und steuerlich begünstigen will, muss er auf der anderen Seite überlegen, wie die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur künftig funktionieren soll. Denn: "Ohne Reform des Abgabesystems werden sich die realen Gesamteinnahmen aus dem Pkw-Verkehr [von 2025, Anm. d. Red.] bis 2050 ungefähr halbieren", sagt Gernot Sieg.
Straßen, Brücken und Tunnel müssen unabhängig davon unterhalten werden, ob auf ihnen Benziner, Diesel oder Elektroautos fahren. Auch der Bau neuer Verkehrswege verschlingt Milliarden. So stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer finanziert den Straßenverkehr künftig?
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von Anne Sophie Feil
Großbritannien plant Kilometerabgabe für Elektroautos
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wohin die Entwicklung gehen könnte. Dort hat die Regierung angekündigt, die Besteuerung von Elektrofahrzeugen neu zu ordnen. Ab April 2028 sollen Fahrer von Elektroautos und Plug-in-Hybriden zusätzlich nach der gefahrenen Strecke zur Kasse gebeten werden.
Das für Großbritannien geplante Modell sieht eine Abgabe von zunächst drei Pence je gefahrener Meile für reine Elektroautos und Wasserstofffahrzeuge vor. Umgerechnet sind das derzeit rund 3,5 Cent je 1,6 Kilometer. Für Plug-in-Hybride werden 1,5 Pence je Meile erhoben.
Entscheidend ist damit nicht mehr allein, wie viel Kraftstoff ein Fahrzeug verbraucht, sondern wie weit es fährt. Diese fahrleistungsabhängige Abgabe ersetzt dabei nicht die klassische Kfz-Steuer, sondern sie wird zusätzlich eingeführt. Des Weiteren soll die Rate in späteren Jahren an die Inflation angepasst werden.
Eine solche Lösung könne auch für Deutschland interessant sein, weil sie unabhängig vom Antrieb funktionieren würde, sagt Gernot Sieg. Allerdings sei eine Kilometerabgabe nicht automatisch sozial gerecht, räumt der Fachmann ein:
Wer viel fahren muss - insbesondere Haushalte im ländlichen Raum -, wird stärker belastet.
Prof. Dr. Gernot Sieg, Institut für Verkehrswissenschaft, Universität Münster
Auch die Frage, ob eine Kilometerabgabe zusätzlich zu bestehenden Steuern erhoben oder diese teilweise ersetzen sollte, dürfte für heftige Diskussionen sorgen.
In Peking herrscht dichter Verkehr, trotzdem ist es erstaunlich leise - Grund dafür sind die vielen Elektroautos. Doch wie wird die dafür benötigte Batterie eigentlich hergestellt?
29.07.2026 | 4:29 minKfz-Steuer ändern - so machen es die Nachbarländer
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) plädiert bereits seit Längerem dafür, die Kfz-Steuer umzugestalten. "Wesentlich effektiver und auch für den Bundeshaushalt positiver wäre eine generelle Umstellung bei der Kraftfahrzeugsteuer, wie es bereits in zahlreichen europäischen Ländern Praxis ist", heißt es in einer Stellungnahme.
In Nachbarländern wie Frankreich, Dänemark oder den Niederlanden gilt mit einzelnen Abweichungen der Grundsatz: Fahrzeuge mit einem hohen CO2-Ausstoß zahlen mehr, Fahrzeuge mit einem geringen CO2-Ausstoß wenig oder gar nichts, emissionsfreie Autos wie Elektrofahrzeuge erhalten teilweise weitere Vergünstigungen.
Während Sprit teuer bleibt, sucht die Branche nach Alternativen. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung zeigen Hersteller neue Modelle, zum Beispiel Lkw mit Elektroantrieb.
15.09.2026 | 1:46 minAuch in Deutschland wird man um Veränderungen nicht herumkommen. Spätestens wenn hierzulande Elektroautos nicht mehr die Ausnahme sind, sondern einen Großteil des Fahrzeugbestandes ausmachen.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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